Palm mit Pocket PC: Das Ende von Palm OS?

Palm bald mit Pocket PCDie interessanten Dinge erfährt man wie immer ganz nebenbei: Am Rande der TechEd in Amsterdam wurde mir von einer zuverlässigen Quelle zugetragen, dass Palm One, also der Hardware-Teil der PDA-Schmiede, demnächst mit dem Erzfeind ins Bett geht und einen PDA mit Microsofts Windows Mobile a.k.a. Pocket PC auf den Markt bringen wird. Noch gibt es dazu aber keinerlei offizielle Informationen.

Für die Hardwerker von Palm One wäre dieser Schritt nach der Abspaltung vom Softwarebereich (jetzt Palm Source) nur konsequent: Erstens sinkt der Marktanteil von Palm-Geräten seit Jahren gegenüber Pocket PC beständig, ausserdem werden gerade im lukrativen Firmenmarkt fast nur noch Pocket PCs verkauft.

Der Begriff „Palm“ dürfte damit als Bezeichnung für eine PDA-Kategorie (DIE ursprüngliche…) verschwinden. Interessant ist die Frage, ob Palm One damit einen Strategiewechsel einläutet oder dem Schwesterunternehmen nur mal auf die Füße steigen möchte. Denn der Übergang vom Ur-Palm von 1996 zu einem moderen System wird nach wie vor halbherzig betrieben. In Sachen Bedienoberfläche und Softwarearchitektur schleppt man weiterhin Altlasten mit, die sich aus Rücksicht auf die treuen Fans und die Entwickler offenbar keiner über Bord zu werfen traut.

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11 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Altlasten der Bedienoberfläche? Kannst Du das mal erläutern?

    Ich habe reichlich Erfahrungen mit diesen Geräten, von Newton über Pilot bis zu den aktuellen Palms und PPCs. Leider kann ich Deine Einschätzung überhaupt nicht nachvollziehen. Meine Erfahrungen sind genau anders herum. Es gibt teilweise ganz wunderbare Hardware im PPC-Bereich, die nur unter der Systemsoftware leidet.

  2. Wenn ich mir meinen MDA II so anschaue, kann ich mir keinen Bereich vorstellen, in dem ein alternatives OS (etwa Palm OS?) auch nur ansatzweise Vorteile bringen würde. Ich möchte jedenfalls nicht mit der PIM-SW arbeiten, wie sie mein Kollege auf seinem T2 hat: Ist funktionell bescheiden und sieht aus wie von 1996. Wo werden da die Vorzüge genutzt, die z.B. die hohe Auflösung bringt?

    Der Punkt ist, dass Palm erst jahrelang auf dem hohen Ross gesessen und zu spät erkannt hat, dass andere den Markt entdeckt haben. Und jetzt kriegt man irgendwie die Kurve nicht, um neue HW-Architekturen vernünftig zu unterstützen und dabei abwärtskompatibel zu den Dragonballs zu bleiben.

    Pocket PCs waren sicherlich lange Zeit zu schwerfällig und instabil, das hat sich aber enorm verbessert. Dafür gibts auch Features wie Kontextmenü: Ich klick z.B. auf ein englisches Wort und kann aus dem Menü die Übersetzung in „SlovoEd“ starten. Unter Palm OS kann die gleiche Anwendung diese Funktion nicht bieten.

    Das größte Problem von Palm ist ja mittlerweile, dass neben den gereiften PPCs auch sehr fähige Entwickler für die PPC-Plattform schreiben. Während vor drei Jahren auf lahmen PPCs noch eine eher bescheidene Auswahl an teils mies gecodeter SW verfügbar war, herrschen jetzt hier fast inflationäre Verhältnisse.

    Wäre Palm nur etwas eher aufgewacht… 😉

  3. Immer noch nicht Deiner Meinung. Wir haben hier einen T3, einen Treo 600 und einen XDA2. Der XDA ist der unbeliebteste dieser Maschinen. Das hat überhaupt nichts mit der Hardware zu tun, sondern nur mit der Software.

    Es kommt wahrscheinlich auf den Einsatzzweck an. Wir benutzen nur Adressen, Termine, Memos, einen sicheren Passwordstore und das Telefon. Die Integration dieser Dinge im Treo ist geradezu vorbildlich. Dem fehlt allein bessere Hardware, etwas BT, Screen etc. Aber an der Software hängt es sicher nicht.

    Wir nutzen keinerlei MP3-Player oder anderen Multimedia-Kram. Auch einen Übersetzer nicht. Wir sprechen beide sehr fliessend englisch und in Italien würden wir die Antwort nicht verstehen. :-)

    Ansonsten gibt es bei der Bahn einen wunderbaren personalisierten Fahrplan für den Palm, aber nicht für den PPC (oder mittlerweile doch?) und die Batterieanzeige ist auch Standard. :-)

  4. Ja gut, ich glaube, dass es vor allem bei PDAs sehr stark auf persönlichen Geschmack UND Anwendungsgewohnheiten ankommt – und schlechte/gute Erfahrungen. Auf das Wort „Treo“ reagier ich z.B. nach wie vor allergisch, nachdem ich damals das erste Smartphone von Handspring getestet habe. Der war alleine wg. des billigen Plastikgehäuses schon eine Zumutung.

    PPCs sind von der Bedienung her eher PCs. Interessant ist dabei aber, dass nach meiner Beobachtung viele Einsteiger damit besser klar kommen als mit dem abstrakteren Modell von Palm. Liegt vielleicht daran, dass die Bedienung eines (Windows-)PCs schon zum Allgemeinwissen gehört.

    Trotzdem: Vom einstigen Pionier ist nicht mehr viel übrig. Gibt’s denn mittlerweile schon eine WLAN-SD-Karte, die auf allen Palms läuft?

  5. Das einzige, was ich genau weiß, ist: Out of the box kann ich mit Bluetooth via PC (Active Sync) in’s Internet, Bluetooth-GPS, Bluetooth-Headset o.a. Geräte nutzen. Im Grunde krieg ich mit jedem Gerät einen Connect – mit mehr als mit dem Tungsten T2. Das Problem des MDA/XDA ist das furchtbare Konfigurationsmenü und ein starres Mapping auf Ports, was den Wechsel zwischen unterschiedlichen Geräten kompliziert macht

    Flexibler wird das alles mit dem Tool.

    Und das mit dem Stack, vermute ich mal, ist so ‚ne Bastelaktion, um Bluetooth auf dem XDA so komfortabel wie auf den iPaqs (o.ä. PPCs) zu machen. Wie gesagt: HTC hat sich (warum auch immer) den Widcomm-Stack gespart.

  6. Klar, man könnte sich auch kurz fassen:
    Palm kann z.B. bis heute kein Multitasking, hat kein Dateisystem und beschreitet m.E. einen inkonsequenten Weg bei der Steigerung der Displayauflösung. Erst hat Sony hier proprietäre Erweiterungen gebracht, weil Palm gepennt hat, jetzt zog Palm nach. Das Problem dabei ist bloß, dass ein Entwickler, der möglichst viele Palm-User erreichen will, bis heute den kleinsten gemeinsamen Nenner 160×160 mit 33 Mhz.-CPU berücksichtigen muss.
    Nicht mal die Palm-Kundschaft folgt hier konsequent. Erst kürzlich wurde z.B. mit einem großen PR-Geschrei das neue Palm-Smartphone von Quelle vorgestellt. CPU: 33 Mhz., OS: 4.x (uralt), Auflösung: 176×240 (höchst proprietär).

    So wird das nichts mehr mit Palm, weil sich allein schon die Entwickler auf nichts mehr verlassen können.

    MS hingegen denkt wie immer an das gesamte Ökosystem: Mit PPC 2003 SE wird z.B. VGA bei voller Abwärtskompatibilität unterstützt, ausserdem gibts ein Quadratisches Format sowie eine um 90 Grad drehbare Darstellung. Der Entwickler muss nur ein paar Steuerelemente in seiner IDE tauschen, schon läuft alles auf neuen Geräten.
    Was eine VGA-Auflösung am PDA bringt, sieht man an den neuen Geräten wie dem Toshiba E800. Der Bildschirm ist zwar nur geringfügig größer, dafür hat er eine dargestellte Auflösung von 200 DPI. (Das ist höher als so mancher Zeitungsdruck) Einziger Haken hier: Die VGA-Performance lässt noch etwas zu wünschen übrig. Aber Intel und Nvidia werden das schon hinkriegen… :-)

    Bei Firmen kann ich in letzter Zeit feststellen, dass die total auf das .NET Compact Framework abfahren – neben Portabilität (natürlich innerhalb der MS-Welt) zählt hier auch schnelle Entwicklung zu den Vorzügen.

    Das alles wird natürlich den eingeschworenen Palm-Fan nicht von seiner Plattform abbringen (muss es auch nicht), belegt aber m.E. plausibel, warum Pocket PCs trotz der anfänglich heftiger Kinderkrankheiten am Markt durchstarten.

    Hier zieht mal ausnahmsweise nicht die übliche Anti-MS-Verschwörungstheorie. Palm hat einfach konsequent gepennt. (Noch 2000 hat mir jemand aus dem Palm-Management erzählt, dass man nichts zu befürchten habe, weil Palm einfach die überlegene Plattform sei……)

  7. Hallo.

    Da muss ich mich jetzt doch mal einschalten. Nur eins noch vorweg: Ich habe jahrelang Palms genutzt (davor Psion 3 und 5), bin mit PocketPC 2002 auf iPAQs umgestiegen und hab 2 Bücher zu PocketPCs verfasst (Markt+Technik).

    * Wenn Wolfgang Miedl bei Palms das fehlende Multitasking bemängelt, frag ich mich, wo er das auf PocketPCs findet (bitte keine Zwischenrufe ? la „Linux aufspielen“).
    * Bei der Bildschirmauflösung ist es auch bei PPCs so, dass erst einer der OEMs – in dem Fall Toshiba – mit einer proprietären Erweiterung kommen musste, bis der Betriebssystemhersteller ein Einsehen gezeigt hat. Leider scheint Toshiba das Vorpreschen nicht besonders gut bekommen zu sein – das Unternehmen steht m.W. kurz davor, sich auch in Europa aus dem PPC-Markt zurückzuziehen.
    Dass das Drehen der Darstellung mit PPC 2003SE auch nur eine Krücke ist, dürfte jeder bestätigen, der das mal auf einem PPC mit kleinem Display gemacht hat: Sobald man die virtuelle Tastatur einblendet, hat man nur noch das halbe Display frei (die Tastatur ist 120 Pixel hoch, das gedrehte Display 240).
    * Und in Sachen Software, genauer gesagt Office-Kompatibilität, kann sich Microsoft von PalmOne und auf der PPC-Seite von der Firma Softmaker gleich mehrere Scheiben abschneiden. Heutige Palms bringen die Software DocumentsToGo mit, und die hat weitaus weniger Einschränkungen als Pocket Word und Pocket Excel. Als Palm-Käufer bekommt man das umsonst – als PPC-Käufer muss man, um die gleiche Funktionalität zu bekommen, Textmaker und Planmaker hinzukaufen.

    Viele Grüße, Franz Grieser

  8. @ Franz Grieser: Ich lasse mich gerne eines besseren belehren und vielleicht kannst Du bei der Gelegenheit ja solche Aussgen des Herstellers zurechtrücken:
    *Multitasking. The Windows CE operating system was designed to handle more than one task at a time. http://www.microsoft.com/technet/itsolutions/mobile/evaluate/mobilwhy.mspx

    *Wie man an den weitreichenden Änderungen bis in die Emulatoren und Entwicklungstools sieht, dürfte sich MS eine gewisse Vorbereitungszeit genehmigt haben und wird sich dabei kaum von Entscheidungen bei Nischenherstellern leiten haben lassen.
    Allein der Erfolg von Zusatztools wie JS Landscape und Nydidot zeigt, dass sich viele Leute höhere Auflösung und Querformat auf dem Pocket-PC wünschen.
    Ausserdem habe ich bereits auf den Aspekt hingewiesen, dass VGA am Pocket PC eine Bildschärfe wie im Buchdruck bringt. Wer das mal gesehen hat, wird sich mit niedrigeren Auflösungen nicht mehr zufrieden geben.

    *Ich denke, es ist müßig, über Office-Anwendungen am PDA zu diskutieren. Eine 1:1-Umsetzung der Desktopanwendungen wird es nie geben (höchstens im Querformat :-). Und die Frage, wie viele Features des Desktopformats dann am PDA zur Verfügung stehen müssen, hängt ganz vom persönlichen Anwendungsfall ab – und, wie viel Geld man für ein spezielles Addon ausgeben will. Dabei geht es um läppische 20 Euro (Textmaker)!! Das ist ein Marketingthema, das mit grundlegenden Plattformfragen nichts zu tun hat.

  9. Was tut dann z.B. PocketRSS, wenn es im Hintergrund meine Feeds per GPRS lädt, während ich im Vordergrund mit PocketTV ein MPEG-Video schaue? Liegt dann Chris De Herrera völlig falsch, wenn er hier Echtzeit-Task-Switching und preemtives Multitasking auf Windows CE/Pocket PC erklärt: http://www.cewindows.net/pocketpc.com/windowsce-realtime.htm

    Und was „Pocket-Office“ betrifft: Richtig, hier wird irreführendes Marketing betrieben. Daran sind aber vor allem die PDA-Hersteller schuld, weil sie sich offenbar das Geld sparen wollen, um besere Office-Programme dazuzugeben. Ansonsten hat das mit dem Plattformthema nichts zu tun, hier geht’s einzig darum, ob eine Drittanbieter-Software kostenlos mitgeliefert werden sollte oder nicht. Ich persönlich brauche z.B. nur rudimentäre Office-Funktionen, mir reichen P-Excel und P-Word völlig aus.