Intel-Forschung: Der „überall-PC” folgt dem User wie ein Schatten

Für eines der größten Probleme in der IT haben Forscher von Intel Research in Pittsburgh möglicherweise eine Lösung gefunden. Wer heute an unterschiedlichen Orten wie Büro, Wohnung, Hotel usw. mit einem Computer arbeiten muss, schleppt entweder ständig einen Laptop mit sich herum oder nutzt Behelfslösungen wie Terminal- oder Browser-Anwendungen, um über das Internet an seine wichtigen Daten und Programmfunktionen zu kommen. Das von Intel entwickelt Verfahren „Internet Suspend/Resume“ ermöglicht einen virtuellen, eigenen PC, der an jedem Ort der Welt auf jedem Rechner laufen soll.

Internet Suspend/Resume kombiniert zwei durchaus bekannte Technologien: Die der virtuellen, mit Software simulierten PCs (VMware, Virtual PC) mit der eines Internet-basierenden Dateisystems (Distributed File System). Die Funktionsweise ähnelt dabei der heutiger Laptops: Im Suspend- (oder besser Hibernate-)Modus wird der aktuelle Betriebszustand mit allen laufenden Anwendungen 1:1 vom Arbeitsspeicher auf die Festplatte kopiert und der Rechner ausgeschaltet. Beim Neustart wird nicht herkömmlich (und langsam) gebootet, stattdessen holt sich das System den vorherigen Betriebszustand von der Festplatte ins RAM und man arbeitet genau da weiter, wo man aufgehört hat.

Intels Verfahren überträgt dieses Prinzip auf das Internet und soll so ermöglichen, dass man seinen PC im Büro „einfriert“, um sich später exakt diese Arbeitsumgebung an jedem beliebigen, entfernten Rechner wieder auf den Bildschirm holen zu können. Das größte technische Problem dabei ist, dass auf heutigen PCs mit Systemen wie Windows XP durchaus einige Dutzend Gigabyte „Betriebszustand“ in Form von Speicher- und Anwendungsdaten, bearbeiteten Dateien und weiteren Systemzustandsinformationen anfallen. Diese Datenmengen müssten also über das Internet in kurzer Zeit an jeden beliebigen anderen Ort übertragen werden, um dort die identische Sitzung fortzusetzten.

Die Verteilung dieser enormen Datenmengen dürfte der Knackpunkt des ganzen Systems sein, entsprechend vage bleibt an diesem Punkt die Beschreibung der Intel-Techniker: „We have investigated a number of novel techniques for improving the operation of the distributed file system.“ Immerhin soll das von EMC zuerst auf den Markt gebrachte Verfahren „Content Addressable Storage“ (CAS) hier neue Perspektiven für eine massive Reduzierung des Datenvolumens eröffnen. CAS wird derzeit im Bereich Backup-Software eingesetzt und ermöglicht die Identifizierung und Verwaltung von mehrfach vorkommenden Datenobjekten. Der Umfang von herkömmlichen Datensicherungen soll sich damit auf ein Zehntel reduzieren lassen.

Mir erscheint dieser Ansatz jedenfalls als einer der bisher interessantesten im Bereich „Fernzugriff auf Daten und Anwedungen“ zu sein. Denn bis dato schlagen sich vor allem Power-User als unfreiwillige Administratoren mit viel zu vielen Krücken herum, um mobil zu sein: Entweder schleppt man CDs und tragbare Festplatten durch die Gegend, managed Mail-, Dial-Up-, Terminal- und andere Zugänge über das Internet, müht sich durch Web-Interfaces – um hinterher all den produzierten Datensalat auf verschiedenen Rechnern wieder irgendwie zusammenzutragen oder zu synchronisieren.

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