Warum Linux am Desktop scheitert

Dass Linux reif für den Desktop sei, hören wir nun schon seit mindestens 6 Jahren. Während die Open-Source-Szene gerne den Monopolisten aus Redmond als Hindernis sieht, das es zu überwinden gilt, hat Markus Breuer einen offenbar unausmerzbaren Blinden Fleck identifiziert: Open Source erreicht die Endanwender nicht, weil Entwickler und Anwender meist identisch sind. Es fehle dabei weitgehend an einem anwenderorientierten Entwicklungsansatz.

Breuer zitiert dabei Will Parker: „Reaching some development goals requires more than deep thought and razor-sharp programming skills. Sometimes, you need to find out what the end-user needs before you lay down a single line of code.“

Leider bleibt dieser Punkt in den meisten Debatten um Desktop-Systeme völlig aussen vor. Der Umstand, dass mit KDE oder Gnome mittlerweile Nachahmungen der Windows-GUI existieren, reicht den meisten Linux-Freunden als Beleg für die Desktop-Tauglichkeit von Linux aus. Erschwerend für eine Verständigung über diese Problematik kommt hinzu, dass es selten gelingt, sachlich-fundiert und allgemein nachvollziehbar über Usability zu diskutieren.

Was in den letzten Jahren auffällt, ist zudem die Fokussierung der Auseinandersetzungen auf den geliebten Feind Microsoft auf der einen Seite und den Open-Source-Alternativen auf der anderen. Das mag mit der Marktbedeutung zu begründen sein, dem Thema Usability würde man allerdings gerechter werden, wenn man auch mal wieder Seitenblicke auf andere PC-Betriebssysteme wagen würde. So zum Beispiel das fast vergessene Be OS 5, das jetzt von Yellowtab unter dem Namen Zeta vertrieben wird. Ich habe letzte Woche mal wieder Version 5 installiert und war von der Eleganz dieses Systems auf’s Neue begeistert – die beginnt bei der Installation und dem schnellen, schön gestalteten Bootvorgang und zieht sich bis in das Look-and-Feel der grafischen Oberfläche durch. Daneben wirkt jede aktuelle Linux-Distribution mit egal welcher GUI wie ein hässliches und sperriges Entlein.

Möglicherweise versagen hier auch einfach gewisse Grundprinzipien von Open Source: Der freie Massenmarkt ist ein weitaus härterer Prüfstein als eine Community, die sich zumindest beim Desktop-Thema fortgesetzt auf die eigenen Schultern klopft und dabei kaum auf die echten Bedürfnisse der großen Anwendermehrheit eingeht.

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