Fluch der Metadaten: Warum schafft Social Software, was Firmen nicht gelingt?

Es ist ein alter Kampf in der IT: Um den Nutzwert von gespeicherten Daten zu erhöhen und Inhalte besser zu finden, sollten sie von den Bearbeitern mit Metadaten wie etwa Schlagwörtern ausgezeichnet werden. Doch der Weg des geringsten Widerstands führt offenkundig an den Metadaten vorbei – nur selten kommen die Anwender diesen Aufgaben nach. Jon Udell hat nun festgestellt, dass das Geheimnis neuartiger „Social Software“ wie flickr oder del.icio.us darin liegt, dass sie auf raffinierte Weise die Nutzer zur Angabe von Metadaten verleiten.

flickr ist ein Photoalbum im Web – allerdings mit ausgefeilten Funktionen zum Ordnen und gemeinsamen Präsentieren. del.icio.us bietet ähnliches als Web-basierende Bookmarkverwaltung. Beide Dienste stellen Inhalte auch per RSS-Feed zur Verfügung.

Laut Udell ist das Besondere an beiden Diensten, dass sie die Vergabe einer Auszeichnung mit deren Nutzung geschickt verknüpfen und dabei eine enge Feedback-Schleife erzeugen. Man kann Bilder mit Tags versehen, um sie zu ordnen und zu gruppieren. Sobald man ein Tag vergibt, erscheinen alle Elemente mit diesem Tag in einer Gruppe. Ausserdem kann man Tags so einsetzen oder gezielt ändern, dass man die eigenen Elemente in Verbindung mit den Entsprechenden aller User zu sehen bekommt. Auch diverse Suchmöglichkeiten stehen dabei zur Verfügung. Diese Werkzeuge, so Udell, verleiten die Anwender dazu, gemeinsam geteilte Daten mit Zusatzinformationen anzureichern.

Die Frage ist nur, ob es auch gelingen kann, dieses anwenderfreundliche Prinzip auf lokale Nutzergruppen in Unternehmen zu übertragen.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Problem mit Metadaten ist, dass User wenig Nutzen dabei verspüren, sie anzugeben – den Nutzen merken Sie immer dann, wenn andere sie schon eingegeben haben – bei der Recherche. Einerseits ein Henne-Ei-Problem andererseits wohl wirklich eine Anforderung, die auf sehr basaler Ebene nicht zum inherenten Egoismus der meisten Mitmenschen passt.

    Wer schon einmal versucht hat, ein Dokumentenmanagement-System in einem Unternehmen einzuführen (das u.a. meist darauf basiert, dass die Bearbeiter auch ein paar zusätzliche Daten zu den gespeicherten Dokumenten eintippen), weiß, wovon ich rede.

    Was speziell bei Flickr sehr gut funktioniert, ist die enge Feedbackschleife, die dem Benutzer den Nutzen von Tags sehr deutlich vor Augen führt – das Profitieren anderer User davon ist ein Nebeneffekt. Es ist übrigens relativ leicht „dieses anwenderfreundliche Prinzip auf lokale Nutzergruppen in Unternehmen zu übertragen“. Man baut das Filesystem (oder die Navigationsstruktur im Intranet) nicht mehr auf „Ordner“ auf, sondern auf Label, Tags, Etiketten oder wie immer man das nennen will. Genauso, wie Google das in GMail macht. Siehe dazu Helge’s Kommentar zu „Wieso Gmail wirklich anders, neu und wichtig ist“ (http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/08/wieso_gmail_wir.html)

    Übrigens ist der völlige Verzicht auf Metadateneingabe – und TROTZDEM erfolgreiches Information-Mining – der eigentliche Erfolgsfaktor hinter der Google-Suche. Siehe Ein „Erfolgsgeheimnis von Google – Implizite Metadaten“ http://notizen.typepad.com/aus_der_provinz/2004/06/ein_erfolgsgehe.html

    Dies ist bei Bilddaten (wie im Falle von Flickr) allerdings schwierig – wenn auch nicht unmöglich.

  2. Eine im Grunde einfache, aber nur selten realisierte Methode ist die Verknüpfung von Suchbegriffen aus Suchanfragen mit den Dokumenten, die der Benutzer aus der Trefferliste dann tatsächlich zur Detailansicht auswählt.
    Es dürfte vor allem am ‚sitzungslosen‘ HTTP-Protokoll liegen, daß diese Methode so selten verwendet wird.