Warum HTML/Browser/Web nerven, Teil 1

Die Debatten über Web-Anwendungen vs. Fat-Client-Software werden so schnell nicht enden, aber eigentlich ist es auch müßig, sich darüber zu streiten. Denn Fakt ist einerseits: Die Plattform- und Ortsunabhängigkeit von Web-Anwendungen zählt zu den größten Leistungen in der IT-Geschichte. Auch in mir hat sich vor über 10 Jahren, seit meinen ersten Web-Kontakten, die Hoffnung festgesetzt, dass ich bald nicht mehr mit meinen Daten und Programmen an feste Client gebunden sein werde. Fakt ist aber leider auch, …

… dass einige essentielle Grundprinzipien von gutem Softwaredesign und Usability im HTML-Umfeld bis heute nicht ansatzweise gelöst sind.

Aktuelles Beispiel: Ich möchte auf einem Blog einen Kommentar absetzen, Tippe im Editor-Feld (Editor??) meinen Sermon, werde aber durch ein Telefonat unterbrochen. Abgelenkt öffne ich weitere Programm- und Browser-Fenster, vergesse den Kommentar und schließe in der Folgezeit wegen des Fensterchaos am Desktop wieder diverse Browserfenster – u.A. das mit dem halbfertigen Kommentar.

Kommt irgendeine Warnung, Fehlermeldung, ein dezenter Hinweis? Natürlich nicht, aber was interessiert mich mein Gescheibsel von vor 10 Minuten… 8-/

Das Beispiel zeigt, dass das Web immer noch ein erbärmliches Anwendungsfrontend ist, in dem nicht einmal die grundlegendsten Fehlerbehandlungsroutinen moderner GUI-Software zum Einsatz kommen. (Wie denn auch, wenn HTML derart bescheindene Mechanismen bereitstellt.)

Fazit: Einer Sache ist nicht gedient, wenn man sie immer nur an ihren guten Ideen und Absichten misst. Wenn man nicht konsequent den Finger in die vielen großen Wunden des Web legt, geht dieses Gewurschtel auch die nächsten 13 Jahre so weiter. Aufklärung tut also not, deshalb werden hier weitere abschreckende Beispiele folgen …