CeBIT-Spätlese „Videotelefonie: Wiederkehr einer 50-jährigen Totgeburt

Gibt es eigentlich einen langlebigeren und erfolgloseren Hype als die Videotelefonie? Nachdem die Technik zu meinem Erstaunen auf der diesjährigen CeBIT wieder einmal exhumiert wurde, bin ich nun zufällig auf die Ursprünge dieser einstigen Zukunftsvision gestoßen.

Wie man in der Firmenzeitschrift „Record“ der legendären Bell Laboratories von 1969 (hier in der PDF-Fassung) nachlesen kann, wurde der erste Prototyp eines Videotelefons bereits 1956 in Betrieb genommen. Der erste kommerzielle Dienst startete 1964 zwischen New York, Chicago und Washington.

Trotz hoher Erwartungen von Seiten der Telekommunikationsanbieter zeigte der Markt nie ein ernsthaftes Interesse. Im Rahmen von Technologiesprüngen wie ISDN starteten die Marketiers regelmäßig neue Anläufe. DSL scheint nun wieder so ein Aufhänger zu sein, wenn man die vielen Nachrichten und Pressemitteilungen zur CeBIT 2005 verfolgt.

Ich vermute mal, dass auch 50 Jahre nach der Premiere kein Mensch ein echtes Verlangen nach einer Liveübertragung seines Telefongesprächspartners verspüren wird. Warten wir also auf die nächsten aufregenden News aus der schönen neuen Welt der Videotelefonie – aus historischer Sicht ist es ja tatsächlich spannend.


3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Für (klassische) Handy ist das bestimmt ne super sache: da siehste dann das Innenleben des Ohres Deines Gesprächspartners 😉

  2. Dann sind wir natürlich an dem Punkt, dass wir hinten und vorne eine Kamera brauchen – aus Marketingsicht gar nicht so blöd. Das viel größere Problem dürfte aber sein, wie man damit stilvoll telefoniert.
    Entweder klassisch am Ohr, dann sieht nur der Gesprächspartner den eigenen Gehörgang, ich sehe nichts. Oder Handy vor’s Gesicht halten und freisprechen – das schaut blöd/unkühl aus und dürfte keine Akzeptanz finden. Schwierig…

  3. Videotelefonie ist eine tolle Sache. Für GEHÖRLOSE. Ansonsten will ICH beim Telefonieren eigentlich gar nicht gesehen werden. Weder im Büro mit den Füßen auf dem Tisch noch zuhause in meiner scheußlichen Jogginghose. Ich denke mal, das geht auch anderen Leuten so. Und deswegen wird das auch nix mit dieser Technik. Im Massenmarkt jedenfalls.