Plaxo: Diskrete Adressensammler, harmlose Spammer?

Unter dem Namen „Plaxo“ kursiert ein auf den ersten Blick recht praktisches Tool. Es verspricht Outlook-Anwendern, dass es die Kontaktdaten im Adressbuch automatisch aktualisiert. Klingt für den Anwender recht verlockend: Ich brauch mich nicht mehr darum kümmern, ob meine Kontakte noch gültig sind, weil Plaxo mir die Aktualisierung abnimmt.

Wer allerdings wie ich im Adressbuch von mehreren Plaxo-Nutzern geführt wird, könnte das anders sehen. Gerade hab ich z.B. wieder von jemanden eine automatisch generierte, ziemlich aufdringliche Plaxo-Mail erhalten.

O-Ton:“ Wolfgang,
Hi again, I noticed that I didn’t get a response from my last email to you.“

Einiges daran ist merkwürdig: Erstens hab ich im Gegensatz zur frechen Behauptung noch nie zuvor eine Mail von diesem User erhalten. Zweitens: Selbst für den Fall, dass es eine erste Mail gegeben hätte, ist es schon recht stillos, wegen einer solchen Banalität eine erneute Aufforderung zu senden. Und drittens ist es ein deutscher Absender, warum also in einer so persönlichen Angelegenheit ein so plattes englisches Formschreiben.

Der größte Hammer an der Sache ist aber, dass die Plaxo-Mail einen versteckten „Webbug“ enthält. Das heißt, dass die Mail einzig den Zweck verfolgt, heimlich an Plaxo zu berichten, dass mein Mail-Account noch aktiv ist. Das geht natürlich nur mit älteren Mailclients, die beim Abruf des eingebetteten Bildchens auf dem Plaxo-Server meinen Maildownload automatisch und für mich unsichtbar melden. Nun benutze ich zum Glück Outlook 2003 – hier kann der versteckte Web-Bug nicht aktiv werden, Plaxo ist so schlau wie vorher.

Wenn man bendenkt, dass ich schon von Pressesprechern großer Firmen als Mitglied ihres Adressbuchs solche Mails erhalten habe, dürfte das bei einer wachsenden Zahl von Plaxo-Anwendern zu einer echten Seuche ausarten.

Bei solch zweifelhaften Praktiken glaub ich Plaxo auch nicht deren Privacy-Policy, die da lautet: „Plaxo is firmly committed to the privacy of our members and the security of their information.“ Einfacher als mit einem solchen Dienst kommt man nicht an Millionen gültiger Mail-Adressen, die man dann unter dem Deckmantel eines seriösen Mitglieds auf Gültigkeit überprüft. Sehr viel wahrscheinlicher erscheint mir ein geschäftlicher Hintergrund, und zwar ein recht raffinierter: Dank naiver oder ahnungsloser Mitglieder kommt man an Millionen von Outlook-Adressdaten. Und die sind, wie wir alle wissen, Gold wert, als Futter für die Spammer von morgen.

Plaxo-Nutzern sei hier geraten: Nehmt mich bitte aus Eurem Adressbuch, sonst mach ich hier demnächt einen Pranger für Plaxo-Spammer auf… 😉

NACHTRAG: In der Folgezeit habe ich über Plaxo noch folgende Beiträge verfasst:
24.11.2006 – Plaxo, Cardscan und Co.: Die virale Totalüberwachung findet Nachahmer und Verbreiter
26.4.2006 – Plaxo-Entschuldigung – und morgen: Sorry, wir haben eine Milliarde Adressen verkauft?
24.4.2006 – Warum nicht mal wieder – Plaxo!?
24.11.2005 – Schon wieder Plaxo: Über eine Milliarde Adressen, aber keine Hintergedanken?
21.3.2005 – Aufgepasst, der Privacy-Offizier meldet sich!

Kommentare sind geschlossen.