0190-Telefonterror: Wenn der Glücksspielroboter zweimal klingelt…

Das Telefon klingelt, eine blecheren Automatenstimme spult ihren Spruch ab: „Hallo und herzlich Glückwunsch, Sie haben gewonnen…“
Es ist jetzt Abend, und seit heute Nachmittag läutet der Glückspieldienst im 10-Minuten-Takt bei uns und möchte seine versprochenen 699 Euro loswerden – wenn man unter der Nummer 0190-8-56886 für (angeblich) läppische 1,89 Euro/min zurückruft. Ich muss ehrlich sagen: Wer über E-Mail-Spam jammert, hat sowas noch nicht erlebt.

Was tun gegen eine derart massive Belästigung?

Mir fiel zunächst nichts besseres ein, als die Störungsstelle der Telekom anzurufen. Das einzig positive daran war, dass es kostenlos war. Denn der nette Herr konnte mir lediglich sagen, dass man gegen sowas schlicht und einfach nichts machen könne – nicht mal den Verursacher herausfinden. Doch, eine Möglichkeit gibt’s: Für 2 Euro pro Monat ein sogenanntes Sicherheitspaket (!!) kaufen, mit dem sich Rufnummern sperren lassen. Das macht aber auch nur dann Sinn, wenn man die Nummer des Gegenüber kennt. Da unser Glücksroboter kein Dummer ist und mit Rufnummernunterdrückung arbeitet, meint auch der Telekomiker resignierend: „Das hilft bei Ihnen dann ja auch nichts.“ Super: Telekom, hier werden Sie geholfen. Und der Terror geht weiter…

Zum Glück gibts Google, denn darüber bin ich mittlerweile weitergekommen. Ein fleißiger Zeitgenosse hatte in einem ähnlichen Fall mal recht aufwändig recherchiert und nebenbei einige nützliche Tipps aufgetan. Z.B., dass es bei der Regulierungsbehörde im Web eine Suchmaschine für 0190er-Nummern gibt. (Sollte man mal der Telekom mitteilen.) Somit weiß ich nun zumindest, dass die Mainzer Firma dtms (Deutsche Telefon- und Marketing Services AG) dahintersteckt. Die machten mit solchen Diensten 2002 einem Jahresumsatz von 170 Millionen Euro! Das Problem für mich: Die Nummern werden weitervermietet, d.h., wer uns konkret belästigt, ist auf Anhieb nicht herauszufinden.

Mal schaun, wie’s weitergeht – ob’s die Nacht durch weiterklingelt und ich mich noch ernsthaft mit diesem Wahnsinn beschäftigen muss…

[Update: Der Terror hat kurz nach diesem Posting aufgehört. Mama Mia! Daraus den Schluss zu ziehen, dass Blogs mittlerweile einen enormen Einfluss haben, wäre allerdings etwas gewagt. Glaube ich… ]

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Wenn das so weitergeht, wird Telefon bald ein unbenutzbares Medium, weil die Leute durch solche Spammer gezwungen werden, ihren Apparat auszuschalten. E-Mail-Spam liegt ja wenigstens stumm in der Mailbox. Und ausserdem kümmern sich mittlerweile viele Firmen um Filterung, Strafverfolgung etc., man hat daher trotz Belästigung zumindest das Gefühl, dass irgendwas passiert.