Schon wieder Plaxo: Über eine Milliarde Adressen, aber keine Hintergedanken?

Schon im März hatte ich über den umstrittenen Adressensammler- Adressverwaltungsdienst Plaxo geschrieben. Das Thema scheint viele zu interessieren, denn über Google kommen seither zahlreiche Leser auf meinen Blog, auf MSN Search habe ich es mit dem Suchwort „Plaxo“ schon auf Platz vier gebracht :-)
Nun bin ich gerade wieder über einen neuen Plaxo-Köder gestoßen – ein PR-Berater hatte mir eine Pressemitteilung mit einem getarnten Link zu Plaxo geschickt. Titel: „Add me to your address book…“

Klickt man auf diesen Link, gelangt man auf die Plaxo-Kontaktseite des E-Mail-Absenders. Dort wiederum kann man sich die Kontaktinfos das Absenders als VCF-Datei herunterladen, um sie so in das Outlook-Adressbuch zu übernehmen. Unterstellt man Plaxo, dass sie primär auf das Sammeln von Adressen aus sind, hätten sie hierbei schon wieder einen Treffer gelandet, denn:

-da die Mail des PR-Beraters durch sein lokal installiertes Plaxo-Tool läuft, mit dessen Hilfe schließlich die beschriebene Signatur an die Mail anhängt wird, hätte man schon meine E-Mail-Adresse herausfiltern können – ohne, dass ich zu diesem Zeitpunkt selbst irgendetwas bestätigen oder ablehnen hätte können.
-Sobald ich dann in der Mail auf „Add me to…“ klicke, erhält Plaxo aufgrund der codierten URL auch noch die Bestätigung, dass meine E-Mail-Adresse gültig ist. (Nebenbei dient die sich öffnende Landeseite mit den herunterladbaren VCF-Kontaktinformationen natürlich als Werbeplattform für Plaxo-Tool und Dienste.)

Man kann nun einen solchen Dienst als sehr praktisch betrachten, oder aber allein ob seiner zweifelhaften, Spam-artigen Benachrichtigungsfunktionen ablehnen. Der Anbieter ist aber zumindest redlich bemüht, Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen und weist eifrig auf die strengen Datenschutzrichtlinien hin. „Privacy-Officer“ Stacy Martin macht sich sogar die Mühe, alle kritischen Blogs abzuklappern, um Rede und Antwort zu stehen – was hier auch schon mal der Fall war.

Plaxo – eine große Verschwörung?

Interessante Überlegungen zu den wahren Motiven, die hinter dem Unternehmen Plaxo stehen könnten, hat (bereits vor einem Jahr) Joshua Greenbaum in einem Artikel angestellt. Der Umstand, dass Plaxo mittlerweile bereits die unglaubliche Menge von über einer Milliarde verifizierter Adressen angehäuft hat (und das auch noch offen zugibt), auf der anderen Seite aber keinen signifikanten Umsatzbringer vorzuweisen habe, lasse nur einen plausiblen Schluss zu – dass die Inhaber dieser Firma als einziges Geschäftsziel verfolgen, ihren Schatz über kurz oder lang durch den Verkauf des Unternehmens zu vergolden:

„Plaxo really has no other business model that I can discern beside a sale or a sell-out. Sure, it’s selling „premium“ services at $20 per user per year, but there’s no real revenue stream there to speak of. As far as can be seen, the company’s business plan consists of a repeat of the dotcom hype model. Unless they sell the company. But to do so they’d have to renege on the privacy agreement. And why not, it’s probably not legally enforceable anyway.“

Wenn man sich an die vielen Pleiten der Dotcom-Phase erinnert, die zuvor hoch und heilig Datenschutz versprachen, aber hinterher im Konkurs als einzig verwertbares Asset ihre Kundendatenbank veräusserten, scheint im Fall Plaxo eine gewisse Portion Skepsis angebracht zu sein.

NACHTRAG: Über Plaxo habe ich noch folgende Beiträge verfasst:
24.11.2006 – Plaxo, Cardscan und Co.: Die virale Totalüberwachung findet Nachahmer und Verbreiter
26.4.2006 – Plaxo-Entschuldigung – und morgen: “Sorry, wir haben eine Milliarde Adressen verkauft…” ?
24.4.2006 – Warum nicht mal wieder… Plaxo!?
21.3.2005 – Aufgepasst, der Privacy-Offizier meldet sich!

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Ich befürchte, dass es für den Intelligenten in der Wirtschaft schwieriger wird“. Schöne Aussage. Könnte sein, dass es für den auch nur einigermaßen Intelligenten bereits ziemlich schwierig ist. Sitzt ein analytischer Kopf über ihm, muss er sich Sorgen machen (er ist ja ein Problem für sein Unternehmen). Sitzt ein Wirrkopf über ihm, hat er

  2. Oh Gott, ja, die ganze Welt verschwoert sich! Da stecken bestimmt die Illuminaten dahinter mit Ihren Helferhelfern den Rotariern…

    Was bitte, ist denn so schlimm daran, dass ein Onlinedienst Ihre Emailadresse als gueltig erkennt? Wenn Sie nen Newsletter unterschreiben, dann merkt der auch, ob die Adresse noch existent ist oder nicht…

  3. Bitte genau lesen, VP: Den Komfortvorteil von Plaxo bestreite ich nicht, und ich persönlich hätte auch kein Problem damit, denen meine Adresse zu geben. Aber wenn ich Plaxo oder Cardscan meine gesamten Outlook-Kontakte überlasse, dann erhalten sie die kompletten Daten von etwa 600 Personen, die weder ich noch Plaxo um die Einwilligung dieser Form der Adressweitergabe gefragt habe.

  4. Ich verstehe ja deine Bedenken bezüglich der Daten deiner Kontakte. Wenn es allerdings danach geht, dürfte man auch keine Emails verschicken. Viele Emailanbieter, insbesondere die großen amerikanischen, allen voran google, weisen in ihren AGBs daraufhin, dass sie den Emailverkehr speichern. Bei google heißt es sogar, dass nicht sichergestellt werden kann, dass beim löschen einer Email diese wirklich vom Server gelöscht wird, wg. laufender Backups. Leute die mir also eine Email von ihrem gmail account schreiben, sorgen gegebenenfalls dafür, dass private Informationen über mich auf alle Zeit auf einem amerikanischen Server gespeichert sind.

    Und nur so nebenbei, wielange und wo werden eigentlich die Informationen, die ich hier gerade eingegeben habe, einschließlich meiner Emailadresse, gespeichert?

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