Hirngerechte Dokumente machen Denken unmöglich

Der Wiener Philosophieprofessor Konrad Liessmann über PowerPoint, die vermeintliche Wissensgesellschaft und warum man Wissen nicht managen kann:
[…]Die Verknappung des Textes und seine Anreicherung mit Schlagworten, Symbolen, Graphiken und Tabellen, die alle auf eine schöne PowerPoint-Folie passen, avancieren zum Inbegriff eines „hirngerechten“ Dokuments .

Wie Wissen heute präsentiert wird, kann auch als Hinweis für die zunehmende Verachtung des Wissens gelesen werden. Die Unsitte, […] einfache Sätze und schwülstige Begriffe über PowerPoint zu projizieren und diese dann einfach abzulesen, stellt nicht nur ein Verachtung der Zuhörerschaft dar, sondern auch einen vollkommenen Verlust dessen, was man einstens Vortragskultur nannte.

Es gibt Präsentationsformen – und die hirngerechten Dokumente gehören dazu -, die Denken nahezu unmöglich machen. Formuliert werden dann nur mehr Überschriften und Parolen, alle Möglichkeiten, Sätzen eine logische und damit argumentierende Struktur zu verleihen, werden gekappt. Und dennoch sind die Protagonisten solcher Shows überzeugt davon, es handle sich dabei um Wissen und seine Vermittlung. […]
(via orf.at)

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sind wir doch mal ehrlich: Powerpoint dient doch in erster Linie dazu, den nicht sonderlich geschulten unter uns (und wer ist das schon?) die Qual einer Präsentation zu erleichtern und sich um das mehr oder weniger freie Reden zu drücken. Ich erinnere mich noch zu gut an die qualvollen Referate, die ich während des Studiums entweder als referent oder Zuhörer miterlebt habe. Mit Powerpoint wird derartiges erträglicher, für beide Seiten.

    Es verwundert jedoch nicht, dass in den meisten PP-Vorträgen nur wenig sinnerhellendes drinsteckt. Vielmehr dienen die Präsentationen dazu, im Prinzip Bekanntes „griffig“ darzustellen.

    Aber man sollte sich nicht allzu sehr aufregen: Schließlich ist PP keine Kunstform, sondern ein technisches Hilfsmittel. Das heißt aber nicht, dass man deswegen auf Teufelkommraus „witzige“ Sounds oder Animationen verwenden darf, denn das ist nun wirklich schlimm, aber ein ganz anderes Thema: Powerpoint als Penisersatz 😉

  2. Spannend wird es ja bei einem Thema dann, wenn es alle tun. In früheren Zeiten war Rhetorik – also die echte Redekunst – eine angesehene Disziplin, heute scheint das ziemlich ausgestorben zu sein. Stattdessen stammeln wir im Powerpoint-Rhytmus. Wenn man ehrlich ist, dann machte es einem dieses Medium viel zu leicht, inhaltsloses adrett zu verpacken.

  3. Hätten Sie den Text vielleicht mal hirngerecht aufgearbeitet, würden die Leser verstehen, wass sie damit bezwecken wollen