Hirngerechte Dokumente machen Denken unmöglich

Der Wiener Philosophieprofessor Konrad Liessmann über PowerPoint, die vermeintliche Wissensgesellschaft und warum man Wissen nicht managen kann:
[…]Die Verknappung des Textes und seine Anreicherung mit Schlagworten, Symbolen, Graphiken und Tabellen, die alle auf eine schöne PowerPoint-Folie passen, avancieren zum Inbegriff eines „hirngerechten“ Dokuments .

Wie Wissen heute präsentiert wird, kann auch als Hinweis für die zunehmende Verachtung des Wissens gelesen werden. Die Unsitte, […] einfache Sätze und schwülstige Begriffe über PowerPoint zu projizieren und diese dann einfach abzulesen, stellt nicht nur ein Verachtung der Zuhörerschaft dar, sondern auch einen vollkommenen Verlust dessen, was man einstens Vortragskultur nannte.

Es gibt Präsentationsformen – und die hirngerechten Dokumente gehören dazu -, die Denken nahezu unmöglich machen. Formuliert werden dann nur mehr Überschriften und Parolen, alle Möglichkeiten, Sätzen eine logische und damit argumentierende Struktur zu verleihen, werden gekappt. Und dennoch sind die Protagonisten solcher Shows überzeugt davon, es handle sich dabei um Wissen und seine Vermittlung. […]
(via orf.at)