Handke und die geistige Verödung

Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefebvre begründen in der SZ vom 2.6. ihren Autritt aus der Heinrich-Heine-Preis-Jury. Darin finden sich einige bemerkenswerte Passagen, die das derzeitige geistige Klima in Deutschland charakterisieren:

„… Man könnte den Wirbel unter Lokalposse abbuchen – wäre da nicht der landesweit inszenierte öffentliche Empörungsschrei gegen Handke. Ein Furor automaticus, der seit zehn Jahren in das immergleich Reaktionsschema einrastet. …

Seine dissidenten Ansichten zu den Balkankriegen rechtfertigen […] keinesfalls die blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot und in seinem Werk beschädigt werden soll. …

Aber eben diese hartnäckige Abweichung eines einzelnen Schriftstellers will man nicht dulden. Die Intellektuellen, Journalisten, Politiker, die sich im vergangenen Jahrhundert so oft und so extrem geirrt (und verirrt) haben, haben sich auf korrekte und daher ungefährliche Meinungen verständigt. Handke, so muss man folgern, ist deshalb anstößig und muss exorziert werden, weil er in seiner Unabhängigkeit Ansichten äußert, die sich die Intelligenz hierzulande nicht gestatten darf und daher auch ihm nicht zugesteht.“

Botho Strauß zum Thema in der FAZ

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