Sind PR-Einträge eine Wikipedia-Manipulation?

Unter dem Titel „PR verschmutzte Wikipedia“ hat Kollege Lars Reppesgaard bereits im August die Frage aufgeworfen, in wiefern man einer PR-Zunft noch trauen könne, die permanent ihre Grenzen überschreite. Er bezog sich dabei auf eine Meldung, wonach die amerikanische PR-Agentur MyWikiBiz.com ganz offen „professionell geschriebene“ Wikipedia-Artikel anbietet.

Dazu muss ich zunächst eines sagen: Auch die deutsche Wikipedia wird fleißig mit PR-Texten bestückt, wie ich aus einer sicheren Quelle weiß.

Das heikle Thema hat Klaus Eck auch schon im Dezember erörtert und für mich stellt sich wirklich die Frage, ob man sich darüber wundern muss, dass eine solche Enzyklopädie als das verwendet wird, was sie ist – nämlich als frei und allen offen stehend. Auch wenn wenn sich jeder Leser natürlich wünscht, dass er ehrlich und aufrichtig informiert wird.

Man muss in diesem Zusammenhang auch mal ganz nüchtern sehen: Wir erleben die schrittweise Ablösung alter, zentralistischer Medien durch neue Individual- oder Gemeinschaftsprojekte. Und während das noch fröhlich gefeiert wird, bietet sich die für solche Übergangsphasen typische Gelegenheit, zu erkennen, was dabei auch verloren geht. Ohne, dass ich jetzt das alte, redaktionelle Enzyklopädie-Modell als unbedingt authentisch und wahrhaftig bezeichnen möchte, so beobachte ich schon so etwas wie einen Vertrauensverlust in Geschriebenes.

Wikipedia hat diesbezüglich aber auch was gutes: Während es so etwas wie ein traditionelles, blindes Vertrauen in Schrift und Bücher gibt/gab (ein Medienwissenschaftler – ich glaube Kittler – hat das Buch einmal als hypnotisches Medium genannt), zwingen uns prinzipbedingt manipulierbare digitale Publikationen wie Wikis dazu, dass wir skeptischer werden gegenüber allem Geschriebenen.

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