Linux – damals für Diskjockeys

Es dürfte so etwa um 1992/93 gewesen sein – in einer fast vergessenen Zeit also, in der das Internet noch völlig unbekannt war und nur IT-Freaks ein Modem besaßen, um damit Programme von sogenannten Mailboxen zu saugen oder auf Foren zuzugreifen.
Als alterativen Weg der Softwaredistribution präsentierten damals einige größere Buchhandelsketten Diskettenladestationen. Das war im Wesentlichen ein PC, auf dem man sich aus einer Liste die verfügbare Freeware oder Public-Domain-Software aussuchen konnte, um diese gegen eine kleine Gebühr auf Diskette(n) zu kopieren.

In der vornehmlich von studentischem Publikum frequentierten Buchhandlung Herder an der Münchner Leopoldstraße hatten sie eine solche Kopierstation, und noch heute kann ich mich an das mit Abstand dickste Softwarepaket erinnern, das die Box auf Wunsch ausspuckte: Linux – es wurde damals auf sage und schreibe 70 Disketten angeboten, was einer Datenmenge von etwa 100 MB entsprach. (Zum Vergleich: Windows 3.1 wurde – als nacktes Betriebssystem – auf ca. 7 Disketten ausgeliefert) Ich wusst damals immerhin, dass es sich um so etwas ähnliches wie Unix handelte, die meisten anderen Kunden dürften sich allerdings über dieses jeglichen Rahmen sprengende Angebot gewundert haben.

Mich würde interessieren, wie viele Freaks sich diese Tortur tatsächlich angetan haben – wer sich an das unsägliche und unsäglich unzuverlässige Medium Diskette erinnert (geben tut es das ja noch), wird auch nachträglich noch Mitleid für derart experimentierfreudige Pioniere verspüren.

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