Sichere Datenlöschung: Die Wahrheit ist irgendwo da draussen

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Eines der spannendsten Gespräche auf der heurigen CeBIT führte ich am Samstag mit einem Festplattentechniker eines großen Herstellers – ich traf ihn zufällig neben dem Festplattenhäcksler der niederbayrische Firma Neumeier. Ich muss dazu vorausschicken, dass ich in den letzten 10 Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten immer mal wieder versucht habe, von Experten und sogenannten Experten harte, letztgültige und unwiderlegbare Fakten zum Thema „sicheres Festplatten- und Datenlöschen“ zu erhalten. Denn auf diesem Gebiet existiert ein immanenter Grundkonflikt zwischen Datenrettern, die Daten auch aus einem ausgebrannten PC restaurieren können und Datenlöschern, die stets eine 100-prozentige Vernichtung von Daten versprechen. Ich hatte bei keinem meiner bisherigen Gesprächspartner das Gefühl, unwiderlegbare Antworten zu bekommen.

Die wichtigste Erkenntnis aus meinem Cebit-Gespräch war: Aufgrund einer komplexen Interessenlage wird die breite Öffentlichkeit mit größter Wahrscheinlichkeit nie erfahren, ob man mittels gängiger Festplattenlösch-Tools jede Art von Daten 100-prozentig vernichten kann. Die allgemein bekannte militärische Vorschrift zum sicheren Löschen lautet jedenfalls: Dreimal muss jedes Bit neu magnetisiert werden, um ein Rekonstruieren mit Hilfe aufwändiger Apparate zu unterbinden.

Auf meine Rückfrage an meinen Gesprächspartner, ob damit wirklich jeder Wiederherstellungsversuch ins Leere läuft, gab mir der freundliche und sehr kompetent und glaubwürdig wirkende Herr teilweise ausweichende Antworten, und er lieferte mir auch eine Begründung dafür: Er wolle vermeiden, Kriminellen mit der Schilderung technischer Details Hilfestellungen in Sachen Datenlöschung und -wiederherstellung zu liefern. Weiter sagte er: „Wenn Sie glauben, ihre Daten sicher gelöscht zu haben, gibt es vielleicht trotzdem 2 oder 3 Leute auf diesem Planeten, denen mit welcher Methode auch immer die Entzifferung irgendwelcher Datenbruchstücke gelingt.“ So etwas würde er auf keinen Fall ausschließen, und oft reichen in solchen Fällen selbst minimale Fundstellen aus, um an geheime Informationen zu gelangen.

Anwalts Liebling Datenschredder
In seinem Labor, das sich unter anderem mit der Bewertung von eingereichten Garantiefällen befasst, habe er schon allerlei Aufregendes erlebt: So erhielt er von einem Anwalt eine vermeintlich gesäuberte Platte zur Analyse, auf der er mit etwas Routine hochbrisante Daten lesbar machen konnte, die dem betreffenden Anwalt die Zulassung hätten kosten können.

Daneben habe ich von ihm noch folgendes zum Thema erfahren.
-Jede Festplatte protokolliert geheime Metainformationen, die jedem herkömmlichen Löschverfahren widerstehen. Relativ sicher sind Verfahren, die über externe Boot-Medien wie CDs gestartet werden. Solche Metainformationen stammen unter anderem von Schocksensoren und liefern dem Hersteller Hinweise darauf, ob eine Platte harten Stößen ausgesetzt war. Was hier noch alles aufgezeichnet werden könnte, wollte er nicht sagen.
-Wer absolut auf Nummer sicher gehen möchte oder muss, sollte seine ausrangierte Festplatte(n) von der Firma Neumeier häckseln lassen. Das Verfahren ist vom BSI zertifiziert, die auf einem meiner Fotos sichtbaren Scheibenreste seien unbedenklich, weil sich beim Verbiegen der Scheibe auch die Magnetisierung verändere. Hier würde auch eine optische Analyse mit einem Rasterelektronenmikroskop versagen.
-Von chemischen Verfahren wie etwa der Behandlung der Magnetflächen mit Salzsäure rät er ab, weil dadurch eine Reihe sehr giftiger Stoffe freigesetzt würden.

Für mich bleibt das Thema spannend, da selbst in sensiblen Branchen nach wie vor das Bewußtsein für die Gefahr durch schlecht gelöschte Daten unterentwickelt ist. Der Plattenhäcksler führt aus meiner Sicht einen guten Schritt weiter, weil das Verfahren über die wesentlichsten Zweifel erhaben zu sein scheint.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Wolfgang,
    ich stimme Dir zu. Das Gros der namhaften Verlage übt sich seit einigen Jahren als Grenzgänger zwischen investigsativem Journalismus – als Feigenblatt – und proaktivem Werbemedium für die Hersteller. Letzteres nicht in Form von Anzeigen, sondern als muntere Marketing-Parolen-Drescher. Ok, wir als Freie hängen dazwischen – zugegeben. Doch die Medienkrise ist z. Teil hausgemacht. Der permanente Aderlass ist dermaßen demotivierend, dass bei vielen Journalisten eine echte Berufsstarre eingetreten ist. Was hier hilft:
    1. Motivation von ganz oben, weil die Jungs und Mädels gut sind
    2. Ein selbstbewußtes Auftreten
    3. Und vor allem raus aus den Redaktionen, Themen aufreißen und auch das spannende und innovative an der IT-Branche vermitteln. Denn die Branche ist innovativ, hat gute Köpfe und mhr als das!
    Was fehlt: der Spaß – zumindest in vielen Redaktionen
    Gruß
    Bernd