Wer schert sich um Big Brother? Nach den Überwachungskameras kommen jetzt die Roboter

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Eine weitere CeBIT-Inspiration:
Ich zähle mich nicht zu den Leuten, die im Amt eines Datenschutzbeauftragten eine sinnvolle und zielführende Institution sehen. Vielmehr frage ich mich, ob diese Form der Institutionalisierung auf der Ebene eines trägen Staatsapparates nicht den Ernst der Lage gnadenlos verharmlost und an den eigentlichen Problemen völlig vorbeizielt, indem Beamte zu bestimmten Anlässen einen Datenschutzbericht abliefern. Allein jener traditionell kulturpessimistischem Stil des Vortrags und die ewig gleiche Leier, wonach alles immer schlimmer wird und der Datenschutzbeauftragte es wieder einmal gerade noch geschafft hat, das Schlimmste zu verhindern, entlockt mir seit etwa zehn Jahren nur noch ein gelangweiltes Gähnen.

Die Geschichte nämlich, die hier erzählt wird, ist immer noch jene aus der ersten Datenschutzhysterie der 80er Jahre, wonach ein ungebändigter Staat sich immer stärkeren Einblick in die Privatsphäre seiner Bürger verschaffen möchte. Dieses Thema ist zwar weder harmlos noch ausgestanden, doch wird es seit dem ersten Webboom längst von einer anderen, viel stärkeren Geschichte überlagert: Mit dem Auftauchen der ersten Webcams haben die Bürger die gegenseitige Überwachung selbst in die Hand genommen und sich dabei zur Überraschung vieler ungewöhlich ungeniert als einerseits Voyeure und andererseits Selbstdarsteller hervorgetan. (Auch ich habe übrigens 1999 schon mal in einer Redaktion gearbeitet, in der wir den ganzen Tag lang über das Web beobachtet werden konnten. Man gewöhnt sich an sowas und merkt es bald schon nicht mehr…)

Mit Diensten wie Google Earth oder Windows Live Local ist schon vorgezeichnet, wie die Geschichte weitergeht: In zehn bis spätestens 20 Jahren wird das „Internet der Dinge“ Realität sein und wir werden uns ganz selbstvertändlich in jeden Gegenstand der Welt (und vielleicht in jede Person) aus der Satellitenperspektive per Suchmaschine heran oder hineinzoomen können.

Was diese Entwicklung für die persönliche Freiheit bedeutet, halte ich für eine der wichtigsten politischen Themen der nächsten Jahre. Um diesen Themenkomplex fundiert und mit all seiner Tragweite diskutieren zu können, bedarf es allerdings keiner Datenschutzbeauftragten als Wasserstandsmelder für Ströme, die weit weg von uns plätschern, sondern einer aufgeklärten Öffentlichkeit, die sich aller technischer Möglichkeiten und deren Konsequenzen bewusst ist.

Ich bin überzeugt davon, dass ein Teil dieser Aufklärung darin besteht, dass man als Computernutzer die verschiedenen Möglichkeiten der Technik selber nutzt, um den Kulturwandel am eingenen Leib und Geist wahrzunehmen – ob das eine eigene Webcam in Haus oder Hof ist, ob das die allgegenwärtige Handycam ist oder eine Ortungs-Gadget, das auf dem Weblog permanent seinen aktuellen Standort verrät.

Nach dieser langen Vorrede komme ich nun endlich auf das oben platzierte Bild zu sprechen: In der Überwachunsgtechnik stellen solche Roboter eine neue Qualitätsstufe dar, weil sie viel gezielter als statische Überwachungskameras agieren können. Wie mir dazu erklärt wurde, werden sie schon heute auf unübersichtlichen, großen Arealen wie dem Hamburger Hafen eingesetzt. Vielleicht patroullieren sie schon bald in unseren Städten.

Aus technischer Sicht empfinde ich eine gewisse Faszination, aus politischer Sicht bin ich gespannt, welchen fundamentalen Wandel uns dieser wohl unaufhaltsame Trend bescheren wird. Die Herren und Damen Datenschutzbeauftragten und die auf sie fokussierte Datenschutzbeauftragtenberichterstattung, mit der die Mainstream-Medien glauben, das Problem erschöpfend zu erfassen, werden wir als Antiquität wohl bald im Museum sehen. Persönliche Freiheit ist ein viel zu ernstes Thema, als dass wir es ein paar Beamten überlassen können.

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