Können sich im Web journalistische Qualitätsmaßstäbe halten?

Erwartungsgemäß zieht die überraschende Einstellung der Infoworld-Printausgabe nun das Echo der Kommentatoren nach sich. Der frühere Infoworld-Redakteur und heutige Kolumnist/Blogger Ed Foster äußert ein paar interessante Gedanken zu diesem Epochenwechsel.

Of course, it’s not that there isn’t still a lot of money being spent to advertise to IT readers – it’s just that a lot of those advertising dollars are going to Google and Yahoo and others who don’t actually have anything to do with producing the content. And your local newspaper has probably found its classified ad revenue decimated by eBay or Craigslist. Other kinds of print publications – maybe all kinds of print publications – face the same conundrum.

In gewisser Weise rächt sich jetzt meines Erachtens auch die Geheimniskrämerei der Verlage bezüglich ihres klassischen Geschäftsmodells.

Denn was die wenigsten Durchschnittsbürger wissen: Die Haupteinnahmequelle im Zeitschriftenmarkt ist seit eh und je die Werbung. Mit den Werbeeinnahmen bezahlt der Verleger möglichst viele qualifizierte Redakteure, auf dass seine Zeitung dann mit möglichst attraktiven, hochwertigen Artikeln befüllt wird. Das zieht Leser an und macht das Blatt für Werber attraktiv – der Kreis schließt sich.

Dieser lange Zeit sprudelnde Geldstrom bildete die Grundlage für Qualtitätsjournalismus, denn wie überall muss man auch hier für die wirklich guten Leute etwas mehr ausgeben. Interessant ist nun der Umstand, dass Teile der früheren Werbeausgaben von Firmen  nun - wie Foster bemerkt -  nicht mehr an die Verlage und die dort angestellten Inhaltsproduzenten fließt, sondern an Firmen wie Google oder Yahoo, die zwar den Lesern den Weg zu Inhalten im Web weisen, aber selber nicht verlegerisch oder inhaltsproduzierend tätig sind.

Dieses Umverteilung schadet einerseits den Verlagen, führt aber auf der anderen Seite nicht unmittelbar zur Finanzierung von inhaltlichen, journalistischen Angeboten. Im Moment ist diese Spirale schon ein ganzes Stück in Gang gesetzt: Einstige Bollwerke des Qualitätsjounalismus wie die Süddeutsche Zeitung haben schon deutlich Federn gelassen und die Personalstärke anderer rennomierter Fach- und Publikumsblätter sinkt auch stetig.

Die spannende Frage ist, ob Web-Publikationen den vollwertigen Ersatz bilden können und dabei auch etwas von den umgelenkten Geldströmen abbekommen. Denn die Frage nach der wirtschftlichen Basis neuer Publikationsformen kann man nicht ausser acht lassen, wie auch Foster meint:

Be it on dead trees or online, either somebody pays for the creation of the content or, ultimately, it will not be created.

Fakt ist, dass sich publizistische Geschäftsmodelle grundlegend wandeln. Inhalteanbieter (Redaktionen, Journalisten) benötigen nicht mehr unbedingt einen Verleger zur Finanzierung ihrer Tätigkeit, weil sie auch über Mikro-Anzeigenmodelle wie Google Adsense Einnahmen erzielen können. Unklar ist derzeit allerdings, welche Auswirkungen dieser Trend zum Mikro-Publishing und die damit verbundenen Mikro-Erträge auf die Qualität des Journalimus haben werden. Einige Blogger sollen ja schon ganz gutes Geld mit Google-Anzeigen verdienen – ob sich daraus aber tragfähige wirtschaftlich Modelle entwickeln, die auch einen hochwertigen, glaubwürdigen Journalismus befördern, steht auf einem anderen Blatt.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar