Nicht zu voreilig, Print-Totengräber

Ich gehöre einerseits zu jenen Leuten, die bereits Mitte der 90er den baldigen Niedergang (nicht Untergang!) von Printpublikationen vorhergesagt hatten. Und ich habe mich dazu in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten (die ich demnächst hier veröffentlichen werde) bereits vor über 10 Jahren recht weit aus dem Fenster gelehnt.

Dass es jetzt einigen Verlagen nicht schnell genug damit gehen kann, das Bedrucken toter Bäume aufzugeben, macht mich allerdings auch etwas stutzig. Es gibt nämlich durchaus einige spezifische Qualitäten gedruckter Publikationen, die sich durch virtuelle Produkte nicht ersetzen lassen – etwa Haptik oder „First-Life-Präsenz“, um nur ein paar zu nennen.

Erst kürzlich hatte ich diesbezüglich ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines großen Internet-Dienstleisters, der mir sein vermeintlich paradoxes Marketing-Konzept erläuterte: Obwohl er einem reinen Internet-Unternehmen vorsteht, betreibt er im Marketing bewusst aufwändige und kostspielige Printkammpagnen in Form von Zeitschriftenanzeigen und vielseitigen Beilagen (Sichtwort „c’t-Ausschütteln“ ;-).

Der Erfolg schlägt sich seiner Aussage nach nicht nur in der Kundengewinnung und Kundeninformation nieder. Gleichzeitig setze er mit dieser Strategie nämlich viele Konkurrenten unter massiven Zugzwang, die bisher der Meinung waren, dass ein Internet-Unternehmen konsequenterweise auch nur über das Internet Marketing und Kommunikation betreiben müsse. Einige Mitbewerber würden mittlerweile sogar mit Printkampagnen nachziehen.

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