Wired – und: Wann war der Höhepunkt der Print-Epoche?

Wired: Das Zentralorgan des Goldenen Zeitalters

Ich kann mich noch gut an die Stimmung im Verlag Anfang 2002 erinnern: Der massive Einbruch bei den Anzeigenverkäufen hielt nun schon fast ein Jahr an und eine Besserung war nicht in Sicht. Dennoch glaubten viele noch fest daran, dass auch diese Konjunkturdelle vergehen und das Geschäft danach auf höherem Nivau als zuvor weiterlaufen würde.

Heute, sechs Jahre nach dem Dotcom- und Börsenzusammenbruch, sieht es für gedruckte Publikationen schlechter aus als je zuvor: Trotz allgemeinem Aufschwung werden erste Print-Publikationen eingestellt und ins Web verlagert. Der Printmedienmarkt – soviel, glaub ich, kann man sagen – wird nie wieder das frühere Nivau erreichen, und so wäres es mal an der Zeit, mit der Geschichtsschreibung des goldenen Print-Zeitalters zu beginnen.

Der Gedanke dazu ist mir beim Blick auf mein Wired-Archiv gekommen, das von 95 bis 2000 reicht. Als einstiges Zentralorgan der New-Economy bildet es eine interessante Quelle für Rückblicke auf den Dotcom-Boom einerseits aber auch für geschichtliche Medienbetrachtungen.

Die dickste Wired aller Zeiten erschien im Dezember 1999 (Heft 7.12) und hatte 434 Seiten. Das Inhaltsverzeichnis fand sich nach Titel und 39 Anzeigenseiten auf Seite 41. Die Anzeigenreihe begann auf Seite 2/3 mit Apple (G4), es folgten: Saab (2 S.), Nordstromshoes.com (2), TD Waterhouse (2), Canon (4), Lexus (2), Ashford.com (2), Samsung (2), Lycos (2), Eddiebauer.com (2), Adobe (2), Microsoft Office (2), e-centives.com (2) usw.

Im Juni 2000 folge das zweitdickste Heft (8.06) mit 402 Seiten (Inhalt: S. 53) und dem Titel „Keep cool: The new economy is hotter than ever“ sowie: „The Wired Index: Now more than ever, growth is a commodity“. Was kurz darauf folgte, ist bekannt…

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass der Goldrausch erst 2000 den (Medien-)Leuten hierzulande so richtig die Köpfe verdrehte. Die amerikanischen IT-Verlage hingegen rechneten aufgrund verschiedener Indikatoren in den USA bereits seit längerem mit sinkenden Umsätzen hielten sich daher bei Investitionen in ihre deutschen Töchter schon stark zurück.

Die alte Wired markiert in ihren exzessiven Auswüchsen auf jedem Fall einen wirtschaflichen Höhepunkt der Print-Epoche, der in diesem Fall thematisch und zeitlich zusammenfällt mit dem Aufstieg und Untergang der New Economy.

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