Entern die Verlage die Blogwelt oder schaffen sie neue Vermarktungsmodelle?

Olaf Kolbrück stellt die These in den Raum, dass die etablierten Verlage im Rahmen ihrer zunehmenden Blogging- und Web-2.0-Aktivitäten allmählich die Herrschaft in der Blogger-Szene übernehmen und dann in 2-3 Jahren auch A-Lister wie Basicthinking und Co. rauskegeln werden. Der damit adressierte Robert Basic hält dem entgegen, dass das nicht funktionieren wird, weil die Leser zukünftig keine Content-Aggregatoren mehr benötigen und sich stattdessen selbständig in den Mikronischen ihre Informationen besorgen werden.

Während viele Verlage derzeit tatsächlich schon recht wild rumbloggen (und manche trotzdem die Pleite  nicht abwenden können), verstehen einige Medienhäuser mittlerweile ganz gut, was da draussen passiert und beschreiten ganz andere Wege. Die IDG-Abteilung Computerworld zum Beispiel hat erkannt, dass ein Verleger in erster Linie ein Vermarkter ist. Dieser Erkenntnis dürfte das neue Weblog-Vermarktungsmodell von Techdispenser entsprungen sein.

Die Idee dahinter ist hier gut erklärt: Es geht darum, basierend auf redaktioneller Kompetenz Informationen aus thematisch fokussierten IT-Blogs zu aggregieren. Die teilnehmenden Blogger, die für den qualitätsgeprüften Inhalt sorgen, werden im Gegenzug am Umsatz beteiligt und platzieren auf ihren Blogs auch Anzeigen, die der Verlagsvertrieb beisteuert.

Damit reduziert der Verlag ganz einfach seine Fertigungstiefe (das kennt man  aus der Autoindustrie) und konzentriert sich auf seine Kernkompetenz, das Vermarkten von hochwertigen Inhalten, die nun halt von aussen kommen. Die Idee ist brilliant, und zwar meines Erachtens auch aus der Sicht von Journalisten, weil auf einer solchen Basis wieder eine faire Partnerschaft zwischen Verleger und Journalisten möglich ist. Während die letzen Jahre eigentlich von Dumping-Honoraren und Contentverwurstung gekennzeichnet waren, zeichnet sich hier ja vielleicht wieder ein lukratives Modell für Qualitätsjournalismus ab.