iPhone: Die „Gottmaschine“ macht seinen Machern Angst

iPhoneMarketingmäßig ist für Apple wie immer alles im grünen Bereich: Der Erscheinungstermin des iPhone (ja, 29.6.) wird gerade über alle Kanäle rausposaunt und zeitgleich wurden drei sehr schöne gemachte Werbe-Videos über das Produkt veröffentlicht. Doch offenbar kriegen ob des enormen Hypes mittlerweile jene Leute kalte Füsse, denen man die Geräte im Falle enttäuschter Erwartungen hinterher tausenfach um die Ohren hauen wird. So berichtet John Markoff in der New York Times, dass einige Apple-Manager hinter vorgehaltener Hand die Sorge geäussert hätten, die erste Käufergeneration könnte von dem Multifunktionshandy („the God machine“) enttäuscht sein. (via fscklog)

Über Ausweichstrategien habe man sich demnach auch schon intensiv Gedanken gemacht. So soll unter anderem ein Programmierwerkzeug erscheinen, dass die Portierung von Mac-Software auf das iPhone ermöglichen soll.

Ich habe ja bereits vor einiger Zeit hier meine Skepsis bezüglich dieses Technologie-Wolpertingers zum Ausdruck gebracht und bin nun natürlich auch auf die ersten Erfahrungen im Alltagsbetrieb gespannt. Alle Trends sprechen aus meiner Sicht dagegen, dass das iPhone seinem Ruf als massentaugliches Multitalent gerecht werden wird. PDAs mit großen Touchscreens und Finger-/Stiftbedienung befinden sich ohnehin auf dem Rückzug, seit Blackberry die Minitastatur populär gemacht hat.

Ich kann diesen Trend auch an mir selber nachvollziehen: Nach nunmehr sieben Jahren intensiver Pocket-PC-Nutzung und einigen MDA-PDA-Telefonen bin ich der Touch-Screens mittlerweile überdrüssig geworden. Sie bieten keinerlei haptisches Bedien-„Feedback“ und geben dem Benutzer damit ständig das Gefühl, nicht genau oder fest genug geklickt, gefahren oder geschrieben zu haben. Selbst an das Wählen von Telefonnummern auf dem verhältnismässig großen virtuellen Tasten konnte ich mich bis heute nicht recht gewöhnen. Genau dieses zentrale Touchscreen-Problem scheint mir bei den iPhone-Spots mit Hilfe einer übermäßigen Ästehtisierung kaschiert zu werden und könnte sich im echten Betrieb zur Hauptfrustrationsquelle entwickeln. Mein nächstes PDA-Handy wird jedenfalls aus diesen Gründen ein Smartphone mit Tastatur, aber ohne Touchscreen sein.

Aber warten wir doch einfach mal ab, wie sich das iPhone in bälde im echten Massentest schlagen wird.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. iPhone wird mancherorts ironisch als „Coup dÉtat“ bezeichnet, hoffentlich geht das durchdachte Hype-Marketing nicht nach hinten los…Ich denke, in Europa wird es ohne UMTS bei einem hochpreisigen Produkt ziemlich schwierig.
    Die Deutschen beurteilen oftmals sehr technikliebend – ob sie beim iPhone über entscheidende Schwächen (wie Einheit von Stromversorgung und Gerät, kein SIM-Slot, vorerst kein iChat, etc.) hinwegsehen, wird vom Grad der Berieselung der Fangemeinde abhängen Pro-iPhone-Sprüchen und -Slogans abhängen. Und von den Vertragskonditionen des zukünftigen Apple-Mobilfunkpartners.

  2. Die von Dir angeführten – und nicht geradezu vernachlässigenden – Schwächen kommen ja zu den von mir benannten noch dazu. Ich möchte gerade nicht in der Haut der Apple-Marketingverantwortlichen stecken. Sicherlich ist Hype für das Marketing eine tolle Sache, aber im aktuellen Fall scheint mir da was aus dem Ruder gelaufen zu sein, was keiner mehr kontrollieren kann.