iPhone: Nein, doch, nein, doch, nein, doch…

Ja, mich hat diese einem religiösen Wahn nahekommende Hysterie vor und bei der iPhone-Markteinführung sehr befremdet, und was ich von den teils bescheidenen technischen Eigenschaften des iPhone halte, habe ich auch mehrfach auf diesem Blog kommentiert.

Auf der anderen Seite habe ich anlässlich dieser Ereignisse mal wieder die „Alternativen“ genauer unter die Lupe genommen und musste dabei feststellen, dass die Liste der Nachlässigkeiten, Dummheiten und verpassten Chancen auf Seiten der Konkurrenz erschreckend lang ist.

Und ja, so muss ich nun gestehen, dass ich allein vor der Designleistung von Apple einen derart großen Hut ziehe, dass die vielen Schwächen darunter nahezu völlig aus dem Blickfeld verschwinden. Bekanntlich war ich ja bisher ein eingefleischter Windows-Mobile-Nutzer – wegen der Software. Aber ich habe auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich Nokia-Hardware neidisch macht und dass ich dieser Windows-Hardware eigentlich überdrüssig bin: Jenen Minicomputern, die seit dem berühmten Compaq Ipaq zum größten Teil vom taiwanischen ODM-Hersteller HTC gefertig werden. Und die bis heute unter den Namen MDA, XDA oder VPA als schlampig designte und oft lausig zusammengeschusterte Chinahardware die Taschen von „Mobile-Workern“ verbeulen.

Mit dem Antritt des iPhone kommt nun noch ein gewisser Peinlichkeitsfaktor hinzuzu. So stellt HTC die Abwesenheit jeglichen Sinns für Ästhetik und deren Inszenierung wieder einmal unter Beweis, indem sie den „HTC Touch“ just zwei Wochen vor der iPhone-Premiere als eine Art iPhone-Konkurrenz vorstellten. Klavierlack, liebe Taiwanesen, macht noch kein gutes Design. Und dass man auf den wiederbelebten Touchsceen-Hype mit aufspringt, indem man Windows Mobile 6 mittels eines neuen, iPhone-artigen Bedienaufsatzes aufmotzt, wirkt weder originell, noch scheint mir das Ganze im Sinne des Windows-Bedienkonzepts konsequent zuende gedacht zu sein.

Ich glaube, wie schon einmal gesagt, nicht an die Alltags- und Massentauglichkeit einer reinen Touchscreen-Bedienung, aber so grundsätzlich falsch und schlecht ist sie nicht, als dass damit das iPhone-Konzept in Frage gestellt würde.

Microsoft täte gut daran, sich schleunigst um neue Hardware-Partner schauen – auch Samsung und Motorola waren mir hier trotz einiger respektabler Impulse nicht konsequent genug. Sonst könnte es nämlich eventuell doch noch passieren, dass ich der iPhone-Designversuchung erliege. Nein. Doch? Nein! Doch? …

[Über das iPhone als zerlegten Fetisch auch ein guter Beitrag auf orf.at.]

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