Die 7 Weltwunder der E-Commerce-Adressabzocke

Weil die hiesigen Medien recht spät auf die Berichterstattung über die neuen sieben Weltwunder aufgesprungen sind, bin ich wie viele andere erst vor kurzem auf die Abstimmung aufmerksam geworden. Und natürlich wollte ich mithelfen, unserm Kini sein Schloss in den erlesenen Kreis der großen Kulturdenkmäler reinzuwählen und habe eines Abends tatsächlich die URL der virtuellen Wahlkabine in meine Browserzeile eingegeben.

Was folgte, war allerdings eine recht herbe Enttäuschung: Keinesfalls ging das „Ruckzuck rein, Neuschwanstein, Klick, OK, Fertig“, sondern es stellte sich mir ein umfangreicher Formulardschungel in den Weg. Ich sollte zunächst so ziemlich alle wichtigen persönlichen Daten eintragen, bevor ich schließlich in einem patriotischen Akt mein Kreuzchen hätte machen dürfen. Was für eine üble, drittklassige E-Commerce-Abzocke mit angeschlossener kommerzieller Adressverwertung , dachte ich mir und hab die Seite ohne weitere Angaben und Klicks schnell wieder zugemacht.

Den vielen Journalisten, die teils marktschreierisch, teils lamentierend ob des geringen deutschen Interesses über diese Schicksalswahl berichtet haben, scheint dieser Umstand verborgen geblieben zu sein. Weil sie keine Zeit für eine einfache Recherche hatten, die nicht mehr als ein paar Klicks im Browser bedurft hätte?

Immerhin wissen wir nun nachträglich, dass die ganze Inszenierung auf die private Kommerzinitaitive des Schweizer Millionärs Bernard Weber zurückgeht. Wenn er wirklich 100 Millionen Stimmen einfangen konnte, dann dürfte er allein mit den gesammelten Adressen einen netten Reibach gemacht haben. Im Nachhinein erklärt sich mir aber auch die Abstimmungszurückhaltung der Deutschen in dieser Sache.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Und kam schon die erste Spam?
    z.B. Reiseangebote ins Allgäu oder Puzzle von Schloß Neuschwanstein oder eine König Ludwig Biographie oder …