Eltern.de und der User als dümmste anzunehmende Content-Melkkuh

Wenn man sich mit den Umwälzungen in der Medienbranche und den Ursachen der Verlagskrise befasst, lohnt sich ein Blick auf die alte Branchenordnung, die im Wesentlichen auf einer fruchtbaren und recht exklusiven Symbiose aus Verlegern und Journalisten basierte. Die Abwanderung der Konsumenten und auch Produzenten ins Internet und die damit bröckelnden Werbeeinnahmen zwingt die Verlage nun zum Handeln – und einige stellen dabei den Journalisten als Inhaltslieferanten komplett in Frage.

Offenbar inspiriert von explodierenden Communities wie Flickr oder YoutTube haben die meisten Verlage längst die Idee des „User-generated Content“ aufgegriffen. Sie haben erkannt, dass ihnen dort die selbstorganisierten User mit ihren Inhalten die alte Medien-Domäne streitig machen – nämlich große Zuschauer-/Leserzahlen auf sich zu lenken. Und nun hoffen Sie, mit dem selben Rezept diese wachsenden Zuschauerströme endlich auch auf eigene Plattformen umlenken zu können.

Nun ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass sich die Verleger dem unausweichlichen Wandel stellen, unkonventionelle Experimente durchführen und auch das wachsende Fotohandy- und PC-bewehrte Publikum einbinden. Dass man aber den Lieferanten, der früher „Journalist“ hieß und hohe Wertschätzung sowie anständige Entlohnung genoss, nun austauscht gegen eine für dumm gehaltene User-Melkkuh, der man per AGB sämtliche Rechte an ihren hochgeladenen Inhalten abspricht, um diese Inhalte später gewinnbringend vermarkten zu können, ist mit Zynismus, Geldgier und Respektlosigkeit nur zurückhaltend umschrieben.

Für Gruner+Jahr ist sowas aber offenbar kein Problem, wenn es darum geht, seine Plattform Eltern.de endlich mit User-generated-Content aufzumotzen. An der Blogbar ist nachzulesen, welch haarsträubende AGBs sich die Juristen dieses einst renommierten Hauses haben einfallen lassen.

Als Abonnent der Zeitschrift „Eltern“ bleibt mir schlicht die Spucke weg und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand eine gute Marke möglichst spektakulär an die Wand fahren möchte. Denn in diesem Fall geht es nicht nur um billige Taschenspielertrick zum kostenlosen Contenterwerb, sondern hier geht es auch um einen miesen Handel mit sehr privaten Inhalten – mit Bildern von Kindern und Jugendlichen -, die sich der Verlag unter den Nagel reissen möchte. Um sich zukünftig Fotohonorare für darbende Printobjekte zu sparen?

Die zurückrudernde Redaktion hat sich übrigens auch schon zu Wort gemeldet.

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Da bin ich froh niemals diese Plattform genutzt zu haben. Irgendwie würde ich mich als Elternteil ziemlich vergewaltigt vorkommen. Was ich jedoch sehr schön finde, das Sowas nicht mehr unentdeckt und todgeschwiegen werden kann, der Blogsphäre sei dank.
    Das sind mal Themen die nicht oft genugt kopiert und vervielfältigt werden können.

    PS: Wäre schöner wenn es mal mehr positive Sachen zu schreiben gäbe, aber irgendwie bekommt man aus dem Bereich Kommerz & Wirtschaft nur noch negative Publicity rüber. Sollte einem zu denken geben…