Nur eine kopierte Nachricht ist eine gute Nachricht

Damals, während des Web-1.0-Booms, war ich auch mal beim Aufbau eines News-orientierten Online-Auftritts dabei und wir haben natürlich alles mögliche zusammengeklaubt und die damals neue Unsitte des Abschmierens belangloser Meldungen von allen Anderen praktiziert. Irgendwie war das auch eine neue, experimentelle, radikalisierte Form von Journalismus des Nachrichtenumschlags, die sich quasi zwangsläufig aus den Möglichkeiten des Web ergab.

Mittlerweile scheint sich daraus ein journalistisches Raubrittertum entwickelt zu haben, das offenbar keiner mehr kontrollieren kann oder will, wie am Wochenende mal wieder ein Freund und Kollege bestätigte. Er zählt zu jener Kategorie von Fachjournalisten, die noch viel herum kommen und Kontakte pflegen und daher reisst er auch immer wieder exklusive, originelle Geschichten auf, über die hinterher auch andere gerne berichten.

Von den anderen zitiert zu werden wäre für ihn nun nicht das Problem, denn schließlich ist sowas ja auch gut für Renommee. Allerdings ist es mit dem Anstand im Allgemeinen und den Grundkenntnissen korrekten Zitierens und des Urheberrechts im Besonderen bei vielen Kollegen offensichtlich nicht mehr weit her. Denn immer öfter, wie er mir sagte, finde er auf Seiten der Konkurrenz Meldungen, die nachweislich nur von ihm stammen könnten, ohne dass die Autoren irgendwelche Angaben zur Quelle ihrer Informationen machten. Mahne er anschließend den Inhaltsklau an, versuche man meist, ihn mit billigen Ausreden abzuspeisen.

Es ist höchste Zeit, dass sich die Branche mal über einige (Fehl-)Entwicklungen Gedanken macht.

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