Während die Wikipedia von manchen Idealisten als die Einlösung kollektivistischer Träume betrachtet wird, haben viele andere die Macht des darin gespeicherten Wortes längst erkannt und füttern die Wikipedia gezielt mit eigenen Informationen. Nun liegt es meines Erachtens durchaus in der Natur der Sache, dass eine offene Enzyklopädie mit interessengeleiteten Inhalten gefüllt wird, (hier habe ich schon mal über PR-induzierte Texte in der Wikipedia geschrieben). Als problematisch betrache ich allerdings den Umstand, dass besonders bei weltanschaulich oder kommerziell relevanten Themen nicht nachvollziehbar ist, von welcher Seite die jeweiligen Informationen oder Modifikationen stammen.
Mit Herkunft-verschleiernden Korrekturen oder Manipulationen der Wikipedia könnte nun aber Schluss sein:
Der soeben von Virgil Griffith gestartete WikiScanner deckt nämlich gnadenlos auf, woher Wikipedia-Einträge oder -Ãnderungen stammen, indem er anhand der IP-Adressen halbwegs zuverlässige Rückschlüsse auf die Organisation des Urhebers zieht. Eine Verschleierung mittels Anonymisierdiensten werde übrigens laut Grifith von Wikipedia unterdrückt, so dass diese Option der Verschleierung erschwert sei.
Wired hat gestern in einen ersten größeren Beitrag darüber berichtet, wie Wal-Mart, der Wahlmaschinen-Hersteller Diebold oder die CIA auf die englische Wikipedia eingewirkt haben. Und hier sammelt Wired weitere Erkenntnisse, die nun die ersten Nutzer des Wikipedia-Scanners bereits gesammelt haben.
In seinen WikiScanner-FAQ spricht Griffith auch davon, dass eine deutsche Variante des Scanners möglich sei. Das könnte richtig spannend werden – wobei Alexander Svensson bereits die NRW-Landesregierung als Urheber für einige eher belanglose Einträge in der englischen Wikipedia ausmachen konnte.
[Nachtrag 17.8.] Spiegel Online widmet dem Thema nun ganze 6 Seiten und hat von Griffith die Infomation erhalten, dass ein deutscher WikiScanner schon bald verfügbar sein wird.


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