Ist die bedrohte Meinungsfreiheit im Internet den (alten) Medien wurscht?

Dass die Meinungsfreiheit nach wie vor den Status eines der höchsten Rechtsgüter in der freiheitlichen Gesellschaft genießt, liegt maßgeblich am unermüdlichen Einsatz der Medienschaffenden/Journalisten für dieses Grundrecht. Nachdem nun aber seit einiger Zeit Blogger und Forenbetreiber durch Gerichtsurteile und Abmahnungen in Bezug auf Haftung für Kommentare massiv unter Druck gesetzt wurden und Stefan Niggemeier aktuell gerade mit einem absurden Fall von Kommentarhaftung konfrontiert ist, stellt sich immer öfter die Frage, wie es um die einstige Solidarität der Journalisten in dieser Frage bestellt ist.

Timo Thalmann stellt dazu einige interessante (Verschwörungs?)-Überlegungen an, und wärmt damit auch wieder einmal die alte Rivalität zwischen den etablierten Medien und den Bloggern auf:

Demnach sehen sich Profi-Journalisten zuerst durch die anhaltende Medienkrise und nun auch durch die neue Konkurrenz aus den Internet (Blogger etc.) in ihrer Existenz bedroht. Aus diesem Grund hätten sie keinerlei Interesse an einer öffentlichen Debatte über die bedrohte Meinungsfreiheit im Internet. Belegen könne man diese Haltung durch jüngste Äusserungen von Manfred Bissinger („Blogs sind hingerotzt“) und Hans-Ulrich Jörges („Dreck von unten„).

Überspitzt formuliert lautete Thalmanns Fazit: Die etablierten Medien verweigern aus Existenzangst die Solidarität mit Bloggern und haben grundsätzlich kein Interesse daran, sich für Meinungsfreiheit im Internet einzusetzen.

Wenn ich mich an die durchaus feindselige Haltung, ja Agitation der etablierten (Print-)Medien gegenüber dem Internet vor etwa einem Jahrzehnt zurückerinnere, dann erscheinen mir deratige Überlegungen auch in der heutigen Situation nicht abwegig. Die spannende Frage wäre dann, ob und wie sich das Web auch ohne die Hilfe der alten Medien die bürgerlichen Freiheitsrechte erkämpfen kann.