Am letzten Mittwoch, auf der OMD in Düsseldorf, stachen mir die neuen Kampagnenplakate des Verlegerverbands VDZ ins Auge: "Content Counts" stand da in großen Lettern, und der Verband verfolgt damit die sehr lobenswerte Absicht, Imagewerbung für hochwertige redaktionelle Inhalte zu betreiben. Auf das Wort "Content" hätte man dabei aber besser verzichten sollen, denn damit spannt man einen Begriff vor den Werbekarren, der seit dem Dotcom-Hype leider nicht mehr die wertneutrale englische Entsprechung von "Inhalt" darstellt, sondern in vielen Fällen "Trash" bedeutet.
Monthly Archive for September, 2007
Eine sehr vertrauenserweckende Mail kam gerade herein:
„Aktivieren Sie bitte Ihre Kodekarte von der Volksbank bis zum 1.Oktober“
„Sehr geehrte Kunde,
Citrix-Terminalserver spielen heute in praktisch jedem großen Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Windows-Desktops und –Anwendungen. Manche Großbanken betreiben 1000 und mehr Citrix-Server und sorgen dafür, dass Citrix mittlerweile zu den großen (unbekannten) Softwareplayern mit Milliardenumsatz zählt. Nun habe ich ein nettes historisches Fundstück aufgegabelt. Jon Udell hat in Byte 1991 einen Testbericht über die das erste Produkt von Citrix – den Metaframe-Vorgänger Citrix Multiuser für OS/2 – veröffentlicht.
Darin schreibt er unter anderem:
Weiterlesen von ‚Citrix 1991: "Eine anachronistische Software"‘
PJ Germain hat seine Top-10-Plugins für Wordpress zusammengestellt. Sehr empfehlenswert – die meisten davon hab ich auch im Einsatz.
Der anderer Riesen-Hype, der nebenbei auch eine aggressiv auftretende techno-religiöse Bewegung hervorgebracht hat, ist Desktop-Linux. Aktuelle Studien sprechen von derzeit 1 bis 2 Prozent weltweitem Marktanteil, und während Kollege Ludger kürzlich mal wieder fehlende Killerapplikationen als Hauptgrund für die geringer Verbreitung verantwortlich machte, weist Infoworld-Kolumnist Randall Kennedy auf einen interessanten neuen Aspekt hin: So habe der Linux-Entwickler Con Kolivas, ein bisher erfolgreicher Verfechter optimierter Linux-Desktop-Derivate, aufgrund ideologischer Auseinandersetzungen seinen Job an den Nagel gehängt. Offenbar bevorzuge die dominierende Fraktion um Linus Thorvalds den Weg der Enterprise-Optimierung, während längst fällige Verbesserungen im Multimediabereich und beim Speichermanagement nicht in die Kernelentwicklung aufgenommen würden.
Nüchterne Zahlen gegen den kollektiven Rausch: Laut heutiger SZ hat Apple 74 Tage gebraucht, um 1 Million iPhones zu verkaufen. Nokia erreicht innerhalb von 24 Stunden die selbe Absatzmenge. Braucht es also jetzt schon Apple-Hasser-Blogs (hier & hier), um jene kritische Gegenöffentlichkeit zu organisieren, die die Medien offenbar vernachlässigen?
Der nächste hirnlose Hype bahnt sich übrigens gerade seinen medialen Weg: Laut „Insidern“ (!) soll das Google-Handy in Vorbereitung sein. Schon beim iPhone frage ich mich ja, wie Apple mit seinerm Hochpreisgerät ausserhalb der Freak-Nische den durchschnittlichen SMS-Knips-Handy-User ködern will. Die Jobs-Truppe kann sich aber wegen ihres markttreibenden Coolness-Faktors wenigstens eines Minimalerfolgs sicher sein. Den kann ich bei der Paarung Google und Smartphone weder im Ansatz erkennen, noch kann ich mir irgendwelche technischen Features vorstellen, die nicht schon da wären. Und das Handy als Informations-Device? Es sollen ja immerhin einige Leute die WAP-Seiten von Aldi regelmäßig genutzt haben (und Forrester hat 2000 einen „späten Erfolg von WAP“ prognostiziert :-)).
Irgend etwas stimmt nicht an diesem Bild. Richtig – seit wann schauen Heck und Front eines Autos in die selbe Richtung? Ebenso irreal erscheint die Tatsache, dass der Bruchpilot nach dieser Zerreißprobe mit einem Baum unverletzt dem Wrack entstiegen ist. Unvorstellbar. Weitere Bilder – inklusive einem mit dem Fahrer – gibt’s hier.
Audi hat übrigens zur IAA gleich mit einem neuen, noch leistungsstärkeren RS6 nachgelegt.
Der Verfall der Privatsphäre durch das Internet sei eine gefährliche Entwicklung, und unüberlegter Exhibitionismus im Web könne schädlich für die berufliche Karriere sein – sagen die einen.
„Na und, das sind nun mal die üblichen Begleiterscheinungen, wenn sich was Neues durchsetzt“, entgegnet Stefan Münz den „Mainstream-Kritikern“.
Mögen etablierte Medien gegen Blogger polemisieren und mögen auch einige Profi-Blogger – zu Recht – gelegentlich die (auch werblich-kommerzielle) Relevanz von Weblogs in Frage stellen. Trotzdem schreitet der Wandel im Bermudadreieck „Medien-PR-Werbung“ unaufhaltsam in Richtung individualistischer Online-Formate voran, wie mir soeben anlässlich eines Veranstaltungsangebots wieder aufgefallen ist:
Ein großes Unternehmen wird anlässlich einer Produktneuvorstellung ein dreitägiges Presseevent mit Workshops etc. veranstalten, und ausdrücklich wurde dabei erwähnt, dass der erste Tag schwerpunktmässig auf Blogger ausgerichtet ist.
PR‑/“Presseveranstaltungen“ mit Bloggern gab es durchaus schon öfter, aber in diesem Kontext und in der Dimension hat das schon eine neue Qualität. Spannend!
Und dann versteckt die Süddeutsche auch noch regelmäßig ihre Perlen in ihrem undurchschaubaren Online-Dickicht: Gustav Seibt hat in der Montagausgabe in seinem „Nachruf auf die Privatsphäre“ (wie üblich) einige scharfsinnige Überlegungen zum allgemeinen Niedergang der Privatsphäre im Computerzeitalter angestellt (und dabei m.E. auch Denkanstöße wider einen vorschnellen Stasi-2.0-Aktivismus geliefert).
In den vergangenen Tagen habe ich mehrmals erfolglos versucht, diesen Beitrag in der Online-Ausgabe zu finden. Nun taucht der Artikel unter jetzt.de – jenem verkrampften Online-Reanimationsversuch der früheren Jugendmagazin-Beilage – doch noch auf. Was er da zu suchen hat, und warum er nicht – wenn es denn schon kein Online-Feuilleton gibt – in der „Kultur“-Rubrik zu finden ist, und warum man auf SZ-Online weder unter dem Begriff „Privatsphäre“ zum Ziel kommt noch überhaupt jemals was mit der SZ-Suchmaschine findet – ich will es eigentlich nicht mehr wissen. Dieser Verlag, der zum Verkauf ansteht, von der Printkrise wie alle gebeutelt ist und Online trotzdem seit Jahren nur Halbherziges zustandebringt, steckt offenbar in einer sehr, sehr tiefen Sinnkrise.
…und sogar ein Lied gibt’s dafür, wie das Video zeigt.
Nach meinem Sommerurlaub in Italien gehts hier erst mal weiter mit den üblichen Katastrophenmeldungen. (Ich bin ja schließlich Journalist, ich kann nicht anders … ;-))
Und nein, das ist jetzt keinesfalls als Rache an den Italienern gemeint für irgendwelche Vorfälle im Urlaub.
Die Löschaktion ist übrigens hier zu sehen:


![Fiat_500_Monster[1]](http://miedl.net/wp-content/uploads/2007/09/fiat-500-monster1.jpg)
Gesagt (haben andere)
Astrid + Kollegen,
triple-xxxx,
a,
Isabell, Timm Fliegert,
lex,
Benni,
Jake, Markus,
chris501,