Open-Sourcer: Revoluzzer oder Bürokraten?

Vor ein paar Jahren noch galt Microsoft als der Linux- und Open-Source-Feind schlechthin. Doch die Zeiten ändern sich, und so haben die Redmonder nun das Teufelszeug in Gestalt zweier offiziell anerkannter Open-Source-Lizenzen ins Programm genommen. Besonders charmant daran erscheint deren Einfachheit: Beide Lizenzvarianten bestehen aus lediglich drei Paragraphen, die wohl jeder Entwickler verstehen dürfte. Den Hinweis dazu lieferte heute der Open-Source- und Linux-Stratege im Hause Microsoft, Sam Ramji, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Ich habe aus diesem Anlass mal einen Blick auf die „Heilige Schrift“ des fundamentalistischen Teils der Open-Source-Szene, die GPL, geworfen und stelle fest: Das Schriftstück, um das der harte Kern der OS-Szene seit Jahren ein riesen Tohuwabohu macht, ist das reinste Bürokratiemonster. Derartige Schriftstücke überlässt man besser seinem Anwalt – und wie viele Entwickler haben das schon getan? (hier die deutsche Übersetzung)

Die GPL-Verfechter verstehen sich ja bekanntlich als Freiheitskämpfer – als solche sollten sie sich dann aber mal Gedanken über eine angemessene, allgemein verständliche Kommunikation machen. Sonst wird’s nämlich nichts mit einer breiten Befreiungsbewegung. Ich bin jedenfalls gespannt, wie dieses Lager nun auf jene neue, minimalistische Konkurrenz-Lizenz von Microsoft reagiert.

Noch was zum Thema: Linux sei aus patentrechtlicher Sicht „völlig wasserdicht und unangreifbar„, hat mir ein Bekannter (und Open-Source-Afficionado) immer wieder weiß machen wollen. So sicher scheint das nun aber doch nicht mehr zu sein: Offenbar steht nämlich Red Hat und Novell gerade ein größerer Patentrechtsstreit ins Haus, wie IT-Jungle meldet.

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