Monthly Archive for Dezember, 2007

Internet-Graff-el – er produziert es selbst

Vielleicht wollte Bernd Graff, Ressortleiter und stellvertretender Chefredakteur bei der Süddeutschen, einfach nur seine These vom Internet als einer einzigen großen Müllhalde untermauern? Auffallend kurz nachdem er nämlich als Kämpfer für den gedruckten Qualitätsjournalismus ins Feld zog und in der SZ auf einer ganzen Seite das Internet als Hort der Ahnungslosen und Denunzianten diffamierten durfte, brilliert er nun selber mit kaum zu unterbietendem journalistischem Dilettantismus. So rollte er am 16.12. dem Betreiber von Internetvictims.de, Thomas Volkmer, den roten Teppich aus und ließ ihn im Interview zum Thema "Rufschädigung im Netz" (jaja, das Web ist böse…) zu Wort kommen. Doch eben dieser Volkmer fiel in der Vergangenheit weniger als Samariter, denn mit zwielichtigen Aktivitäten auf, wie nun Kollege Thomas Knüwer vom Handelsblatt herausfand. Da Graff offenkundig Anfänger in Sachen Internetrecherche ist, hat sich Knüwer nachträglich die Mühe gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen und in einem ausführlichen Blogeintrag ein paar Fakten über Volkmer zusammenzutragen. Unter anderem schreibt er:

Allein schon das Eingeben von Internetvictims bei Google hätte Herrn Graff zu denken geben können. Denn nach der Seite selbst folgen als Suchtreffer Erklärungen von Menschen, die sich tatsächlich verleumdet fühlen, allerdings von den Internetvictims-Machern, oder ihre Zweifel an diesem Dienst haben.

Wenn das Web zu was taugt, dann auf jeden Fall zur gelegentlichen Qualitätskontrolle jener etablierten Medien, die sich bisher über allem erhaben wähnten. Es tun sich Abgründe auf …

Google-Handy: Neue Spekulationen und Fakten

12-11-07-android Interessante Neuigkeiten vom sagenumwobenen Google-Handy "Android": Während Java-Erfinder James Gosling im Interview mit Computerwoche-Chefredakteur Christoph Witte den Hype recht skeptisch kommentiert, berichten andere von ersten Sichtungen in freier Wildbahn. So sammelt etwa Vieka aufschlussreiche Details zum Stand der Software, gezeigt wird dabei auch der Software-Emulator, in dem Android bereits läuft. Auch Vieka geht allerdings noch davon aus, dass das Gerede vom Handy heiße Luft ist: "Everyone knows that there is really no Google phone". Genau das versucht Engadget mit diesem Bericht zu widerlegen. Das Foto zeigt einen frühen Prototypen eines zukünftigen Android-Handys mit Google-Maps auf dem Bildschirm.

Die Don Quijotes und die Web-Erfolge der Anderen

Während die großen deutschen Tageszeitungen ganz offen gegen Windmühlen das Web anschreiben und dabei offensichtlich sogar die eigenen Internetableger zu schädigen bereit sind (s.u.), scheint sich der Epochenwechsel vom Print‑ ins Webzeitalter für die offensiv und zukunftsorientiert agierenden Medienhäuser bereits richtig zu lohnen. So hat mir dieser Tage ein Kollege aus dem IT-Zeitungsumfeld erzählt, dass seine Online-Publikation in diesem Jahr bereits 40 Prozent des Bereichsumsatzes erwirtschafte und damit auf der gleichen Höhe mit den (Werbe‑)Einnahme des gedruckten Magazins liege.

Das kam auch für mich überraschend schnell – alle Medienschaffenden sollten sich mit diesen Tatsachen auseinandersetzen.  Über die Internet-Bremser in den traditionellen Leitmedien muss man sich angesichts solcher Zahlen wohl nicht mehr ernsthaft aufregen.

Die Doppelmoral unserer internetfeindlichen Leitmedien

Gerade lief im Radio ein Spot der Süddeutschen, in dem sie sich – mit Hinweis auf die Siemens-Korruptionsenthüllungen – in großen Tönen als die Hüterin der demokratischen Kultur in Deutschland feiert. Wer sich auf diese Weise zum Kampagnenjournalismus um der Guten Sache Willen bekennt und als nationale moralische Instanz verstanden werden möchte, von dem sollte man dann eigentlich auch erwarten können, dass er diese Maßstäbe konsequent auch auf sich anwendet. Mit eben dieser Konsequenz aber ist es bei SZ und Co. offenbar nicht so weit her, wenn man noch einmal die Geschehnisse der letzten Tage rund um die Anti-Internet-Polemiken in der SZ und der FAZ Revue passieren lässt.

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CeBIT gerettet: Halle 1 ist weg!

Nach über vier Wochen Abstinenz habe ich nun einen schönen Anlass für’s Weiterschreiben: Die CeBIT macht die Halle 1 dicht – und mit mir freuen sich die meisten Kollegen und Messe-Kenner darüber, dass wir uns nun nie wieder durch dieses beengende, unendlich scheinende, unlogische Labyrinth zwängen müssen. Danke, CeBIT!

Nur Jake trauert stellvertretend für einige CW-Kollegen. Ich kann’s verstehen, schließlich dürfen sie der Halle nun nicht mehr aufs Dach steigen und verlieren damit ein für alle Mal diese erhabene Perspektive:

Grauer Himmel über Halle 1