Als die Kollegen von Infoworld vorletzte Woche diese seltsame Kampagne zur Rettung von Windows XP gestartet haben, war ich ehrlich gesagt schon etwas irritiert: Was soll bitteschön dieses sentimentale Geflenne um ein Betriebssystem, mit dem ich vor ca. 7 Jahren (XP-Beta) täglich zu arbeiten begonnen hatte und das ich mittlerweile einfach nicht mehr sehen kann? Auch wenn es mal ein echter Meilenstein war. Dieses Kasperltheater erleben wir in einer Zeit, in der selbst die eher wertkonservativ gesinnten Linux-Kollegen im Wochenrhytmus dem neuesten Kernelrelease à la 2.6.4.9.0.8.15 hinterher hecheln.
Ich habe ja den Verdacht, dass jemand in der Redaktion auf Teufel komm raus eine "Verbraucherschutz"-Kampagne reiten möchte. Und bei so etwas zählen vor allem Getöse und Aufruhr, und weniger der Austausch von Argumenten. Diesen XP‑Ludditen entgegnet nun J. Peter Bruzzese – ebenfalls in Infoworld (!) – mit einer Lobeshymne auf Vista. Darin führt er einige gute und interessante Argumente ins Feld.
Er hat Recht: Niemand zwingt irgend jemanden zu irgendwas, und wem es nicht zu blöd ist, der darf sich auch heute und in zehn Jahren noch Windows 95 installieren. Und unter anderem weist hier einer einmal deutlich darauf hin, dass die Inkompatibilitäten von Vista weniger mit Bosheiten von Microsoft denn mit der Nachlässigkeit und Ignoranz mancher Entwickler und Softwarehersteller zu tun haben. Lesenswert!
Unter dem üblichen Beifall der Öffentlichkeit hat Apple auf der Macworld wieder mal was neues vorgestellt: Das "Macbook air" als dünnstes Notebook der Welt. Schaut man sich Ausstattung näher an und liest bei den einschlägigen Mac-Kennern nach, dann hat Steve Jobs vor allem viel heiße Luft abgelassen. Technologisch jedenfalls bleibt die Flunder weit hinter den heutigen Möglichkeiten zurück, wenn ich mal mein Sony Vaio SZ3VWP dagegenhalte. Der Vergleich bietet sich an, weil beide das selbe Displayformat 13,3 Zoll besitzen. Meins hab ich seit einem ¾ Jahr, die SZ-Serie gibt es schon ca. 1 ½ Jahre, und es wiegt genau 330 Gramm mehr als das Macbook. Dafür bietet das Vaio deutlich mehr Inhalt, nämlich eine Core2-CPU mit 2,2 Ghz. (air: 1,8 Ghz.), DVD-RW (air: keins), Express-Card, PCMCIA, LAN, Modem (air: nichts davon!) – und vor allem die unschlagbare Kombigrafik Nvidia 7400 plus Intels integrierten Grafikchip. Übrigens: 1,8-Zoll-Festplatten (air) sind elend langsam im Verglich zu 2,5-Zoll-Pendants (SZ).
Auch beim Vergleich mit ein paar anderen Konkurrenten könnte es für Apple peinlich werden. Toshibas Portegee R500 wiegt ohne DVD-RW 770 Gramm, mit DVD-RW 1 Kilo, Sonys Designhit Vaio TZ ist zwar von der CPU her langsamer, verfügt aber bei 1,2 Kilo Gewicht über DVD-RW und vielen andere Extras. Andere interessante Leichtgewichte gibt es noch von Lenovo, Dell,HP oder Samsung.
Den Vogel schießt Apples Luftikus aber sicherlich mit seinem versiegelten, nicht austauschbaren Akku ab. Das kann ein teurer Spaß werden – Volker Weber berichtet aus Erfahrung von einer durchschnittlichen Akku-Lebensdauer von 12 bis 18 Monaten bei Mac-Laptops, ich persönlich habe bisher bei Dell im Dauereinsatz eine Akkulebensdauer von ca. 3 Jahren erlebt. Wer noch nach weiteren Haaren in der Macbook-Suppe sucht, wird bei Volker im Kommentarbereich noch einiges finden.
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