Monthly Archive for Februar, 2008

Abstand gewinnen statt Zeitungsqualität steigern

Letzte Woche habe ich ein langjähriges Zeitungsabo gekündigt, weil ich vor allem mit der Qualität des Blattes nicht mehr zufrieden war. Soeben hat mich nun ein Vertriebsmitarbeiter des Verlags angerufen, um mich eventuell umzustimmen:

Herr Miedl, Sie haben nach langen Jahren das Zeitungsabo gekündigt. Waren Sie nicht mehr zufrieden mit der Qualität?

Richtig.

Ich schlage Ihnen folgendes Angebot vor: Wir setzten das Abo erst mal für ein paar Wochen aus, damit Sie einfach mal etwas Abstand zu unserer Zeitung gewinnen. Danach läuft das Abo dann wieder weiter.

Ich habe dankend abgelehnt und musste richtig lachen – denn so eine Verlagsidee hab ich noch nie gehört: Therapeutische Abo-Pause für die Leser statt – sagen wir mal – eine Qualtiätsoffensive der Redaktion. Eigentlich kreativ … :-)

Auch schon eine grüne Mail-Signatur?

Scheinen ja mittlerweile um sich zu greifen, solche grünen Warnhinweise in E-Mail-Signaturen:

image

Volker hat nämlich auch schon eine erhalten. Muss das denn sein, mit diesem erhobenen Zeigefinger? Und was soll uns das denn sagen? Etwa, dass diese Mail umweltverträglicher ist als der Ausdruck eben jener, oder aber, dass der Ausdruck die ohnehin schlechte Ökobilanz einer E-Mail ins unzumutbare steigern würde? Denn wirklich grün ist auch die nicht-gedruckte Mail nicht, wenn man sich allein den Stromverbrauch der ca. 50.000 Rechenzentren in Deutschland anschaut: Nach Angaben eines RZ-Experten liegt er bei ca. 500 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Spiegel Online: Qualitätsjournalisten oder Kopisten?

Jetzt, wo sich Onlinemedien zunehmend auch wirtschaftlich tragen, stellt sich natürlich auch immer öfter die Qualitätsfrage. Warum in Diskussionen darüber meist Spiegel Online zu den erstgenannten "Topmedien" zählt, konnte ich nie ganz nachvollziehen – es liegt wohl daran, dass die schon seit 1996 im Geschäft sind und sich fest in den Köpfen verankert haben.

Denn offensichtlich haben einige Leute dort ein anderes als das gängige Verständnis von "Qualitätsjournalismus", wie Don A. mit einer ziemlich peinlichen Enthüllung in seiner Blogbar zeigt: Der gestern erschienene SpOn-Artikel über den "Obama-Hype" entpuppte sich nämlich als weitgehende 1 : 1-Kopie eines Beitrags vom 8.10.2007 (!) aus der Washington Post.

Kommunikationsunfähige Erwachsene: Zuhören, erzhählen!

Ich bin gerade bei folgendem Zitat des Tages hängen geblieben:

Ich glaube, dass kein einziges Kind freiwillig gerne fernsieht.

Folke Tegetthoff

und habe mir zunächst spontan gedacht, "das kann einfach nicht stimmen", auch wenn man sich das als Eltern gerne wünschen würde. Zumindest angeregt durch diese Aussage schnell mal bei Wikipedia nach dem Autor gesucht, fand ich dort ein wirklich bemerkenswertes Zitat:

Ich halte die Arbeit mit Erwachsenen für weitaus wichtiger, als meine Arbeit für Kinder. Denn die seelische Verwahrlosung, eine ständig steigende Unkonzentriertheit, übermäßiger Konsum von TV und Computerspielen bei unseren Kindern, ist auf die wachsende Unfähigkeit zur Kommunikation unter den Erwachsenen zurückzuführen. SIE müssen die Kunst des Erzählens UND des Zuhörens wieder erlernen, um sie dann an ihre Kinder weitergeben zu können.“

Sollten wir uns alle hinter die Ohren schreiben.

Macbook Air – seriös getestet

macbookair Liegt es an Apples "Reality Distorion Field", dass man in Sachen Macbook Air nur mühsam an wirklich objektive Informationen und Tests gelangt und stattdessen ständig Dinge lesen muss wie "yes, it weighs nearly nothing"? Es geht aber auch anders, wie Kollege Wirtgen von der c’t zeigt. In seinem vorbildlichen Beitrag "Macbook Air im Kreis der Konkurrenz" liefert er eine fundierte Gegenüberstellung des Macbook Air mit allen relevanten Konkurrenten aus der Subnotebook-Kategorie. Ein sehr fairer Vergleich, der alle grundlegenden Aspekte berücksichtigt und jedem Interessierten weiterhilft.

DJV-Präsi warnt vor zu viel Meinungsfreiheit

Es gibt da diesen alten, sarkastischen Witz, wonach Meinungsfreiheit die Freiheit einer Handvoll Verleger sei, ihre Meinung in den großen Zeitungen zu publizieren. Mit einem gewissen Faible für Verschwörungstheorien könnte man dem noch hinzufügen, dass eigentlich auch Journalisten ein exklusives Recht auf Meinungsfreiheit für sich beanspruchen, indem sie ihren Beruf im Bewusstsein eines "Gatekeepers" ausüben. Tatsächlich lernt man nämlich im Studium der Kommunikationswissenschaften oder an Journalistenakademien genau das – dass Journalisten eine verantwortungsvolle Aufgabe als Gatekeeper innehaben, die sie quasi als Türsteher für Meinungen qualifiziert: Der Journalist entscheidet darüber, welche Nachrichten und Meinungen an die Öffentlichkeit gelangen, und was draußen zu bleiben hat.

Alles recht weit hergeholt, werden jetzt viele sagen – außer sie haben, wie Thomas Knüwer vom Handelsblatt, die aktuelle Ausgabe der Journalistenverbandszeitung "Journalist" gelesen. Darin polemisiert der DJV-Vorstand Michael Konken nämlich wieder einmal gegen Blogger, und lässt sich dabei zu einer bemerkenswerten Äußerung hinreißen:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anonymen Meinungsäußerung Tür und Tor, dann haben sie eine besondere Verantwortung."

was Thomas Knüwer etwas leichter verständlich auf den Punkt bringt:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs und öffnen der freien Meinungsäußerung Tür und Tor, haben sie eine besondere Verantwortung."

Und dann schreibt Konken auch noch:

"[Einige Journalisten] fühlen sich fälschlicherweise als Gründer eines neuen Journalismus, der keine Grenzen kennt. Eine Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat."

Wer der freien Meinungsäußerung Tür und Tor öffnet, ist also ein Meinungsanarchist, Herr Konken? Als DJV-Mitglied finde ich solche Äusserungen schon arg befremdlich. Mir ist nämlich neu, dass das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung einer Berufsgruppe vorbehalten ist. Woher die Gatekeeper überhaupt jene Legitimation zur Meinungskontrolle beziehen, kann mir ja vielleicht einmal ein Kommunikationswissenschaftler erklären. Politiker und Regierungen in diesem Land sind jedenfalls vom Volk legitimiert. Aber zum Glück gibt es ja jetzt das Internet.

[Nachtrag: Wolfgang Müller vom CIO-Weblog hat das Thema schon eher entdeckt und fragt sich: "Woher nimmt sich Herr Konken das Recht, bloggenden Journalisten Vorschriften über ihre Arbeitsweise zu machen?"]