Abstand gewinnen statt Zeitungsqualität steigern

Letzte Woche habe ich ein langjähriges Zeitungsabo gekündigt, weil ich vor allem mit der Qualität des Blattes nicht mehr zufrieden war. Soeben hat mich nun ein Vertriebsmitarbeiter des Verlags angerufen, um mich eventuell umzustimmen:

Herr Miedl, Sie haben nach langen Jahren das Zeitungsabo gekündigt. Waren Sie nicht mehr zufrieden mit der Qualität?

Richtig.

Ich schlage Ihnen folgendes Angebot vor: Wir setzten das Abo erst mal für ein paar Wochen aus, damit Sie einfach mal etwas Abstand zu unserer Zeitung gewinnen. Danach läuft das Abo dann wieder weiter.

Ich habe dankend abgelehnt und musste richtig lachen – denn so eine Verlagsidee hab ich noch nie gehört: Therapeutische Abo-Pause für die Leser statt – sagen wir mal – eine Qualtiätsoffensive der Redaktion. Eigentlich kreativ … :-)

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. War nicht mehr schwer zu erraten, oder? :-) Und das nach immerhin fast 20 Jahren passivem und aktivem Abo. Die spannende Frage ist für mich jetzt, ob man überhaupt noch eine Zeitung braucht. Wenn, dann wohl am ehesten ein Lokalblatt. Genau auf diesem Gebiet hat die Süddeutsche mit ihren Lokalbeilagen den massivsten Qualitätsabbau betrieben. Diese Landkreisbeilagen sind nur noch Zeitungsruinen, da kriegt man mittlerweile aus den kostenlosen Werbeblättern fast schon mehr mit.

  2. Das ist in München ähnlich wie in Erding: Wenn man Nachrichten aus seinem Viertel (Kindergärten/Straßenbaumaßnahmen/Lokalpolitik) sucht, muss man die Werbegazetten lesen. Inzwischen habe ich dabei aber auch kein schlechtes Gewissen mehr. Die SZ hat ihr Alleinstellungsmerkmal aufgegeben, weil sie es sich nicht mehr leisten will. Und online ist sie eine Zumutung.

  3. Ja, das ist eine Tragödie: habe gestern eine Viertelstunde vor eine Landkreiskarte verbracht, um zu verstehen, ob mich die verbal in der SZ Landkreisausgabe beschriebene Sperre der Flughafentangente auf dem Weg von/zur Arbeit behindert und konnte es nicht entschlüsseln. Einfach eine Karte abdrucken, gesperrte Strecke markierten = News you can use…aber davon sind sie in den Landkreisausgaben mittlerweile meilenweit entfernt. Das mit der Ruine stimmt. Habe vorhin zufällig die Landkreis ED und MUC Ausgabe verglichen, da findet man diverse Artikel wieder, die hin- und hergetauscht werden. Lokal umfasst bei der SZ mittlerweile eine Radius von 100km.

    Sie investieren in Edelfedern im politischen und Wirtschaftsteil und vergraulen damit ihre lokale Leserschaft…ob das langfristig gutgeht und noch dazu bei dem Internetangebot wage ich auch zu bezweifeln. Und übrigens leidet die Qualität auch bei den Cross-Marketing-Produkten, wenn ich dazu auf meinen Blog verweisen darf: http://www.pflugblatt.de/weintagebuch/2008/01/31/zwei-sz-pakete-wenig-wein-fr-viel-geld/