Tempelhof: Wunder der Wahl-Arithmetik

Nackte Zahlen sind wenig wert, es kommt darauf an, sie auch medienwirksam zu deuten. Das zeigt aktuell der Berliner Volksentscheid über die Schließung des Tempelhofer Flughafens. Zwar haben 60,2 Prozent der Urnengeher (530.231 Stimmen) für den Weiterbetrieb gestimmt – von solchen Wahlergebnissen wagt heute nicht einmal mehr die CSU zu träumen. Doch anders als bei politischen Wahlen kommt es beim Volksentscheid nicht auf die Mehrheit der abgegebenen Stimmen an, sondern es ist Stimmenmehrheit und Zustimmung von mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten, also hier 610.000 Stimmen, erforderlich. Die Wahlbeteiligung lag bei 36,1 Prozent der Stimmberechtigten.

Und so kann sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zufrieden hinstellen und erklären: "Deutlich mehr als drei Viertel der Berliner [haben] entweder mit Nein gestimmt oder sich erst gar nicht beteiligt." Dazu ein interessanter Vergleich: Bei der letzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat Wowereits SPD mit 30 Prozent der Zweitstimmen die Wahl gewonnen. Bei einer Wahlbeteiligung von 58 Prozent waren das zirka 425.000 Stimmen. Damit haben eigentlich deutlich viel mehr als drei Viertel aller Berliner gegen Wowereit gestimmt, oder? :-)

Je nach politischer Präferenz legen sich natürlich auch die heutigen Medienberichte das Ergebnis in die eine oder andere Richtung zurecht, indem sie Zahlen weglassen oder diese in einer andern Reihenfolge präsentieren. Aber bekanntlich hat Zahlenmystik ja eine lange Tradition…

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Das zeigt, was Wählen von Nichtwählen unterscheidet. Wer nicht wählt, darf sich über politische Entscheidungen nicht beklagen.