Wahltag – Zahltag für die Twitter-Basher?

Kommt nochmal was in Sachen Twitter-Bashing? Bei der Süddeutschen dürfte ja inzwischen jeder mal dran gewesen  sein – zuletzt Johannes Boie vergangene Woche mit dem x-ten Versuch, Twitter als überschätztes Instrument für Selbstdarsteller zu entlarven. Über die tieferen Gründe dieser permanenten Tiraden lässt sich wohl nur spekulieren: Ist es der Abwehrkampf jener Zunft der sprichwörtlich “rasenden Reporter”, die angesichts von Twitter-Blitzmeldungen heute wie lahme Enten dastehen? Oder fürchten die einstigen Leitmedien den Verlust der Meinungs- und Deutungshoheit in der Öffentlichkeit?

Wie auch immer – etwa zeitgleich hat der Bundeswahlleiter Roderich Egeler im Hinblick auf die Bundestagswahl noch einmal seine Strafdrohung erneuert: Wer am Wahltag die sogenannten “Exit-Poll”-Hochrechnungen vorzeitig über Twitter verbreite, müsse mit einer Geldbusse von 50.000 Euro rechnen. Die Gefahr eines neuerlichen “Twitter-Verrats” aus Politkreisen heraus (wie bei der Bundespräsidentenwahl oder den letzten Landtagswahlen) dürfte damit weitgehend gebannt sein.

Gleichzeitig aber steigt mit der medialen Warnkampagne auch die Aufmerksamkeit von Twitter enorm. Spaßvögel oder Saboteure dürften sich inzwischen herausgefordert fühlen, am Wahltag mit Hilfe von Fake-Accounts vermeintliche Hochrechnungen in Umlauf zu bringen. Eine hohe Aufmerksamkeit für Experimente aller Art ist heute schon so gut wie sicher. Twitter wird also mit ziemlicher Sicherheit zu den spannendsten Elementen des Wahltags gehören. Und damit möglicherweise einigen Journalisten die Show stehlen. Vielleicht ereifern sich ja die Twitter-Kritiker aus einer Ahnung heraus, dass der Wahltag ihr Zahltag sein könnte…

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