Die Macht von Twitter – als Agendasetter

Vielleicht wollte Johannes B. Kerner ja genau das beweisen: “Twitter ist wie die  Pest” (Video), warf er in die traute Dienstagabend-Talkrunde mit ergrauten Journalistenkollegen ein und legte nach: “Es ist völlig sinn- und gehaltlos für journalistisches Arbeiten.” Am nächsten Tag brach für ihn tatsächlich die Pest aus – seine Polemik wurde so lange rauf und runtergetweetet, bis sogar Welt.de über seine Inkompetenz berichtete. Man gewinnt fast den Eindruck, als würde mit der Anzahl der Twitter-Tiraden aus der Ecke der Traditionsmedien auch die Wucht der Returns aus der Twitter-Welt anwachsen. Wie dem auch sei, dieses aktuelle Beispiel zeigt in jedem Fall, dass die Frage über Sinn und Qualität von Twitter längst obsolet geworden ist: Twitter ist da, und Dank seiner Mitglieder erweist es sich immer mehr als Medium, mit dem man Themen auf die (journalistische) Agenda bringen kann. Und genau hier liegt wohl des Pudels Kern von all der Schelte: Medien und Journalisten betrachteten Agenda-Setting in der Vergangenheit als ihr Monopol, doch nun wandert auch diese (geschäfts)kritische Funktion hinaus ins weite Web. Man darf schon gespannt sein, wie massiv Twitter am kommenden Wahlsonntag in die Agenda der Mainstreammedien reinpfuschen wird.

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