Author Archive for wmiedl

Auch schon eine grüne Mail-Signatur?

Scheinen ja mittlerweile um sich zu greifen, solche grünen Warnhinweise in E-Mail-Signaturen:

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Volker hat nämlich auch schon eine erhalten. Muss das denn sein, mit diesem erhobenen Zeigefinger? Und was soll uns das denn sagen? Etwa, dass diese Mail umweltverträglicher ist als der Ausdruck eben jener, oder aber, dass der Ausdruck die ohnehin schlechte Ökobilanz einer E-Mail ins unzumutbare steigern würde? Denn wirklich grün ist auch die nicht-gedruckte Mail nicht, wenn man sich allein den Stromverbrauch der ca. 50.000 Rechenzentren in Deutschland anschaut: Nach Angaben eines RZ-Experten liegt er bei ca. 500 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr.

Spiegel Online: Qualitätsjournalisten oder Kopisten?

Jetzt, wo sich Onlinemedien zunehmend auch wirtschaftlich tragen, stellt sich natürlich auch immer öfter die Qualitätsfrage. Warum in Diskussionen darüber meist Spiegel Online zu den erstgenannten "Topmedien" zählt, konnte ich nie ganz nachvollziehen – es liegt wohl daran, dass die schon seit 1996 im Geschäft sind und sich fest in den Köpfen verankert haben.

Denn offensichtlich haben einige Leute dort ein anderes als das gängige Verständnis von "Qualitätsjournalismus", wie Don A. mit einer ziemlich peinlichen Enthüllung in seiner Blogbar zeigt: Der gestern erschienene SpOn-Artikel über den "Obama-Hype" entpuppte sich nämlich als weitgehende 1 : 1-Kopie eines Beitrags vom 8.10.2007 (!) aus der Washington Post.

Kommunikationsunfähige Erwachsene: Zuhören, erzhählen!

Ich bin gerade bei folgendem Zitat des Tages hängen geblieben:

Ich glaube, dass kein einziges Kind freiwillig gerne fernsieht.

Folke Tegetthoff

und habe mir zunächst spontan gedacht, "das kann einfach nicht stimmen", auch wenn man sich das als Eltern gerne wünschen würde. Zumindest angeregt durch diese Aussage schnell mal bei Wikipedia nach dem Autor gesucht, fand ich dort ein wirklich bemerkenswertes Zitat:

Ich halte die Arbeit mit Erwachsenen für weitaus wichtiger, als meine Arbeit für Kinder. Denn die seelische Verwahrlosung, eine ständig steigende Unkonzentriertheit, übermäßiger Konsum von TV und Computerspielen bei unseren Kindern, ist auf die wachsende Unfähigkeit zur Kommunikation unter den Erwachsenen zurückzuführen. SIE müssen die Kunst des Erzählens UND des Zuhörens wieder erlernen, um sie dann an ihre Kinder weitergeben zu können.“

Sollten wir uns alle hinter die Ohren schreiben.

Macbook Air – seriös getestet

macbookair Liegt es an Apples "Reality Distorion Field", dass man in Sachen Macbook Air nur mühsam an wirklich objektive Informationen und Tests gelangt und stattdessen ständig Dinge lesen muss wie "yes, it weighs nearly nothing"? Es geht aber auch anders, wie Kollege Wirtgen von der c’t zeigt. In seinem vorbildlichen Beitrag "Macbook Air im Kreis der Konkurrenz" liefert er eine fundierte Gegenüberstellung des Macbook Air mit allen relevanten Konkurrenten aus der Subnotebook-Kategorie. Ein sehr fairer Vergleich, der alle grundlegenden Aspekte berücksichtigt und jedem Interessierten weiterhilft.

DJV-Präsi warnt vor zu viel Meinungsfreiheit

Es gibt da diesen alten, sarkastischen Witz, wonach Meinungsfreiheit die Freiheit einer Handvoll Verleger sei, ihre Meinung in den großen Zeitungen zu publizieren. Mit einem gewissen Faible für Verschwörungstheorien könnte man dem noch hinzufügen, dass eigentlich auch Journalisten ein exklusives Recht auf Meinungsfreiheit für sich beanspruchen, indem sie ihren Beruf im Bewusstsein eines "Gatekeepers" ausüben. Tatsächlich lernt man nämlich im Studium der Kommunikationswissenschaften oder an Journalistenakademien genau das – dass Journalisten eine verantwortungsvolle Aufgabe als Gatekeeper innehaben, die sie quasi als Türsteher für Meinungen qualifiziert: Der Journalist entscheidet darüber, welche Nachrichten und Meinungen an die Öffentlichkeit gelangen, und was draußen zu bleiben hat.

Alles recht weit hergeholt, werden jetzt viele sagen – außer sie haben, wie Thomas Knüwer vom Handelsblatt, die aktuelle Ausgabe der Journalistenverbandszeitung "Journalist" gelesen. Darin polemisiert der DJV-Vorstand Michael Konken nämlich wieder einmal gegen Blogger, und lässt sich dabei zu einer bemerkenswerten Äußerung hinreißen:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anonymen Meinungsäußerung Tür und Tor, dann haben sie eine besondere Verantwortung."

was Thomas Knüwer etwas leichter verständlich auf den Punkt bringt:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs und öffnen der freien Meinungsäußerung Tür und Tor, haben sie eine besondere Verantwortung."

Und dann schreibt Konken auch noch:

"[Einige Journalisten] fühlen sich fälschlicherweise als Gründer eines neuen Journalismus, der keine Grenzen kennt. Eine Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat."

Wer der freien Meinungsäußerung Tür und Tor öffnet, ist also ein Meinungsanarchist, Herr Konken? Als DJV-Mitglied finde ich solche Äusserungen schon arg befremdlich. Mir ist nämlich neu, dass das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung einer Berufsgruppe vorbehalten ist. Woher die Gatekeeper überhaupt jene Legitimation zur Meinungskontrolle beziehen, kann mir ja vielleicht einmal ein Kommunikationswissenschaftler erklären. Politiker und Regierungen in diesem Land sind jedenfalls vom Volk legitimiert. Aber zum Glück gibt es ja jetzt das Internet.

[Nachtrag: Wolfgang Müller vom CIO-Weblog hat das Thema schon eher entdeckt und fragt sich: "Woher nimmt sich Herr Konken das Recht, bloggenden Journalisten Vorschriften über ihre Arbeitsweise zu machen?"]

"XP darf nicht sterben!" vs. "Hau wech den Scheiß!"

Als die Kollegen von Infoworld vorletzte Woche diese seltsame Kampagne zur Rettung von Windows XP gestartet haben, war ich ehrlich gesagt schon etwas irritiert: Was soll bitteschön dieses sentimentale Geflenne um ein Betriebssystem, mit dem ich vor ca. 7 Jahren (XP-Beta) täglich zu arbeiten begonnen hatte und das ich mittlerweile einfach nicht mehr sehen kann? Auch wenn es mal ein echter Meilenstein war. Dieses Kasperltheater erleben wir in einer Zeit, in der selbst die eher wertkonservativ gesinnten Linux-Kollegen im Wochenrhytmus dem neuesten Kernelrelease à la 2.6.4.9.0.8.15 hinterher hecheln.

Ich habe ja den Verdacht, dass jemand in der Redaktion auf Teufel komm raus eine "Verbraucherschutz"-Kampagne reiten möchte. Und bei so etwas zählen vor allem Getöse und Aufruhr, und weniger der Austausch von Argumenten. Diesen XP‑Ludditen entgegnet nun J. Peter Bruzzese  – ebenfalls in Infoworld (!) – mit einer Lobeshymne auf Vista. Darin führt er einige gute und interessante Argumente ins Feld.

Er hat Recht: Niemand zwingt irgend jemanden zu irgendwas, und wem es nicht zu blöd ist, der darf sich auch heute und in zehn Jahren noch Windows 95 installieren. Und unter anderem weist hier einer einmal deutlich darauf hin, dass die Inkompatibilitäten von Vista weniger mit Bosheiten von Microsoft denn mit der Nachlässigkeit und Ignoranz mancher Entwickler und Softwarehersteller zu tun haben. Lesenswert!

Macbook "hot" air: Sie nennen es Innovation

Unter dem üblichen Beifall der Öffentlichkeit hat Apple auf der Macworld wieder mal was neues vorgestellt: Das "Macbook air" als dünnstes Notebook der Welt. Schaut man sich Ausstattung näher an und liest bei den einschlägigen Mac-Kennern nach, dann hat Steve Jobs vor allem viel heiße Luft abgelassen. Technologisch jedenfalls bleibt die Flunder weit hinter den heutigen Möglichkeiten zurück, wenn ich mal mein Sony Vaio SZ3VWP dagegenhalte. Der Vergleich bietet sich an, weil beide das selbe Displayformat 13,3 Zoll besitzen. Meins hab ich seit einem ¾ Jahr, die SZ-Serie gibt es schon ca. 1 ½ Jahre, und es wiegt genau 330 Gramm mehr als das Macbook. Dafür bietet das Vaio deutlich mehr Inhalt, nämlich eine Core2-CPU mit 2,2 Ghz. (air: 1,8 Ghz.), DVD-RW (air: keins), Express-Card, PCMCIA, LAN, Modem (air: nichts davon!) – und vor allem die unschlagbare Kombigrafik Nvidia 7400 plus Intels integrierten Grafikchip. Übrigens: 1,8-Zoll-Festplatten (air) sind elend langsam im Verglich zu 2,5-Zoll-Pendants (SZ).

Auch beim Vergleich mit ein paar anderen Konkurrenten könnte es für Apple peinlich werden. Toshibas Portegee R500 wiegt ohne DVD-RW 770 Gramm, mit DVD-RW 1 Kilo, Sonys Designhit Vaio TZ ist zwar von der CPU her langsamer, verfügt aber bei 1,2 Kilo Gewicht über DVD-RW und vielen andere Extras. Andere interessante Leichtgewichte gibt es noch von Lenovo, Dell,HP oder Samsung.

Den Vogel schießt Apples Luftikus aber sicherlich mit seinem versiegelten, nicht austauschbaren Akku ab. Das kann ein teurer Spaß werden – Volker Weber berichtet aus Erfahrung von einer durchschnittlichen Akku-Lebensdauer von 12 bis 18 Monaten bei Mac-Laptops, ich persönlich habe bisher bei Dell im Dauereinsatz eine Akkulebensdauer von ca. 3 Jahren erlebt. Wer noch nach weiteren Haaren in der Macbook-Suppe sucht, wird bei Volker im Kommentarbereich noch einiges finden.

Internet-Graff-el – er produziert es selbst

Vielleicht wollte Bernd Graff, Ressortleiter und stellvertretender Chefredakteur bei der Süddeutschen, einfach nur seine These vom Internet als einer einzigen großen Müllhalde untermauern? Auffallend kurz nachdem er nämlich als Kämpfer für den gedruckten Qualitätsjournalismus ins Feld zog und in der SZ auf einer ganzen Seite das Internet als Hort der Ahnungslosen und Denunzianten diffamierten durfte, brilliert er nun selber mit kaum zu unterbietendem journalistischem Dilettantismus. So rollte er am 16.12. dem Betreiber von Internetvictims.de, Thomas Volkmer, den roten Teppich aus und ließ ihn im Interview zum Thema "Rufschädigung im Netz" (jaja, das Web ist böse…) zu Wort kommen. Doch eben dieser Volkmer fiel in der Vergangenheit weniger als Samariter, denn mit zwielichtigen Aktivitäten auf, wie nun Kollege Thomas Knüwer vom Handelsblatt herausfand. Da Graff offenkundig Anfänger in Sachen Internetrecherche ist, hat sich Knüwer nachträglich die Mühe gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen und in einem ausführlichen Blogeintrag ein paar Fakten über Volkmer zusammenzutragen. Unter anderem schreibt er:

Allein schon das Eingeben von Internetvictims bei Google hätte Herrn Graff zu denken geben können. Denn nach der Seite selbst folgen als Suchtreffer Erklärungen von Menschen, die sich tatsächlich verleumdet fühlen, allerdings von den Internetvictims-Machern, oder ihre Zweifel an diesem Dienst haben.

Wenn das Web zu was taugt, dann auf jeden Fall zur gelegentlichen Qualitätskontrolle jener etablierten Medien, die sich bisher über allem erhaben wähnten. Es tun sich Abgründe auf …

Google-Handy: Neue Spekulationen und Fakten

12-11-07-android Interessante Neuigkeiten vom sagenumwobenen Google-Handy "Android": Während Java-Erfinder James Gosling im Interview mit Computerwoche-Chefredakteur Christoph Witte den Hype recht skeptisch kommentiert, berichten andere von ersten Sichtungen in freier Wildbahn. So sammelt etwa Vieka aufschlussreiche Details zum Stand der Software, gezeigt wird dabei auch der Software-Emulator, in dem Android bereits läuft. Auch Vieka geht allerdings noch davon aus, dass das Gerede vom Handy heiße Luft ist: "Everyone knows that there is really no Google phone". Genau das versucht Engadget mit diesem Bericht zu widerlegen. Das Foto zeigt einen frühen Prototypen eines zukünftigen Android-Handys mit Google-Maps auf dem Bildschirm.

Die Don Quijotes und die Web-Erfolge der Anderen

Während die großen deutschen Tageszeitungen ganz offen gegen Windmühlen das Web anschreiben und dabei offensichtlich sogar die eigenen Internetableger zu schädigen bereit sind (s.u.), scheint sich der Epochenwechsel vom Print‑ ins Webzeitalter für die offensiv und zukunftsorientiert agierenden Medienhäuser bereits richtig zu lohnen. So hat mir dieser Tage ein Kollege aus dem IT-Zeitungsumfeld erzählt, dass seine Online-Publikation in diesem Jahr bereits 40 Prozent des Bereichsumsatzes erwirtschafte und damit auf der gleichen Höhe mit den (Werbe‑)Einnahme des gedruckten Magazins liege.

Das kam auch für mich überraschend schnell – alle Medienschaffenden sollten sich mit diesen Tatsachen auseinandersetzen.  Über die Internet-Bremser in den traditionellen Leitmedien muss man sich angesichts solcher Zahlen wohl nicht mehr ernsthaft aufregen.