Archiv für die Kategorie 'Blogs, Web & Marketing'

Die Don Quijotes und die Web-Erfolge der Anderen

Während die großen deutschen Tageszeitungen ganz offen gegen Windmühlen das Web anschreiben und dabei offensichtlich sogar die eigenen Internetableger zu schädigen bereit sind (s.u.), scheint sich der Epochenwechsel vom Print‑ ins Webzeitalter für die offensiv und zukunftsorientiert agierenden Medienhäuser bereits richtig zu lohnen. So hat mir dieser Tage ein Kollege aus dem IT-Zeitungsumfeld erzählt, dass seine Online-Publikation in diesem Jahr bereits 40 Prozent des Bereichsumsatzes erwirtschafte und damit auf der gleichen Höhe mit den (Werbe‑)Einnahme des gedruckten Magazins liege.

Das kam auch für mich überraschend schnell – alle Medienschaffenden sollten sich mit diesen Tatsachen auseinandersetzen.  Über die Internet-Bremser in den traditionellen Leitmedien muss man sich angesichts solcher Zahlen wohl nicht mehr ernsthaft aufregen.

PR wertet die Blogger auf

Mögen etablierte Medien gegen Blogger polemisieren und mögen auch einige Profi-Blogger – zu Recht – gelegentlich die (auch werblich-kommerzielle) Relevanz von Weblogs in Frage stellen. Trotzdem schreitet der Wandel im Bermudadreieck „Medien-PR-Werbung“ unaufhaltsam in Richtung individualistischer Online-Formate voran, wie mir soeben anlässlich eines Veranstaltungsangebots wieder aufgefallen ist:

Ein großes Unternehmen wird anlässlich einer Produktneuvorstellung ein dreitägiges Presseevent mit Workshops etc. veranstalten, und ausdrücklich wurde dabei erwähnt, dass der erste Tag schwerpunktmässig auf Blogger ausgerichtet ist.

PR‑/“Presseveranstaltungen“ mit Bloggern gab es durchaus schon öfter, aber in diesem Kontext und in der Dimension hat das schon eine neue Qualität. Spannend!

Schwob-Vaders Viral-Video: Ein Horror-Movie für Journalisten & Verleger?

Klar, ich fand den schwäbischen Darth Vader im folgenden Clip im ersten Moment witzig, fühlte mich aber zunächst nicht unmittelbar angesprochen von der Viral-Marketing-Thematik. Beim zweiten Hinhören musste ich jedoch stellvertretend für meine – im weitesten Sinne – Branchenkollegen dann doch schlucken.
Zitat: „Was sollen wir denn anderes machen als Print oder TV(-Werbung)?“
„Von Print‑ oder TV-Kampagne kann nicht die Rede sein – wir leben ja nicht im Mittelalter. … Unser gesamter Werbeetat geht ab sofort ins virale Marketing.“

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Führt die totale Echtzeit zum Jetztterror?

Mit dem Aufkommen von Internet-Chats wie ICQ vor gut 10 Jahren schien die letzte Barriere gefallen und der uneingeschränkten, allgegenwärtigen Echtzeitkommunikation der Weg bereitet. Im Web-2.0‑/Blog-Umfeld fand dieses Prinzip in jüngster Vergangenheit noch Radikalisierungsformen – beispielsweise Echtzeit-Häppchen-Blogging (Twitter) oder verschiedene Dienste zur permanenten User-Lokalisierung (z.B. Facebook-Status).

Während Klaus Eck kürzlich E-Mail bereits als Auslaufmodell bezeichnete und die totale Echtzeit herbeisehnt, stimmt Alexander Svensson nun ein Klagelied über den wachsenden Jetztterror an.

Eltern.de und der User als dümmste anzunehmende Content-Melkkuh

Wenn man sich mit den Umwälzungen in der Medienbranche und den Ursachen der Verlagskrise befasst, lohnt sich ein Blick auf die alte Branchenordnung, die im Wesentlichen auf einer fruchtbaren und recht exklusiven Symbiose aus Verlegern und Journalisten basierte. Die Abwanderung der Konsumenten und auch Produzenten ins Internet und die damit bröckelnden Werbeeinnahmen zwingt die Verlage nun zum Handeln – und einige stellen dabei den Journalisten als Inhaltslieferanten komplett in Frage.

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Die 7 Weltwunder der E-Commerce-Adressabzocke

Weil die hiesigen Medien recht spät auf die Berichterstattung über die neuen sieben Weltwunder aufgesprungen sind, bin ich wie viele andere erst vor kurzem auf die Abstimmung aufmerksam geworden. Und natürlich wollte ich mithelfen, unserm Kini sein Schloss in den erlesenen Kreis der großen Kulturdenkmäler reinzuwählen und habe eines Abends tatsächlich die URL der virtuellen Wahlkabine in meine Browserzeile eingegeben.

Was folgte, war allerdings eine recht herbe Enttäuschung: Keinesfalls ging das „Ruckzuck rein, Neuschwanstein, Klick, OK, Fertig“, sondern es stellte sich mir ein umfangreicher Formulardschungel in den Weg. Ich sollte zunächst so ziemlich alle wichtigen persönlichen Daten eintragen, bevor ich schließlich in einem patriotischen Akt mein Kreuzchen hätte machen dürfen. Was für eine üble, drittklassige E-Commerce-Abzocke mit angeschlossener kommerzieller Adressverwertung , dachte ich mir und hab die Seite ohne weitere Angaben und Klicks schnell wieder zugemacht.

Den vielen Journalisten, die teils marktschreierisch, teils lamentierend ob des geringen deutschen Interesses über diese Schicksalswahl berichtet haben, scheint dieser Umstand verborgen geblieben zu sein. Weil sie keine Zeit für eine einfache Recherche hatten, die nicht mehr als ein paar Klicks im Browser bedurft hätte?

Immerhin wissen wir nun nachträglich, dass die ganze Inszenierung auf die private Kommerzinitaitive des Schweizer Millionärs Bernard Weber zurückgeht. Wenn er wirklich 100 Millionen Stimmen einfangen konnte, dann dürfte er allein mit den gesammelten Adressen einen netten Reibach gemacht haben. Im Nachhinein erklärt sich mir aber auch die Abstimmungszurückhaltung der Deutschen in dieser Sache.

Griaß Gott in da boarischn Wikipedia!

Iaz woas i, dass mei Dialekt „Westmittelboarisch“ is. :-)

Super! Die offizielle Wikipedia-Filiale auf bayrisch – für alle, die sie wie ich bisher noch nicht kannten. Bis heute gibt es ja keine einheitliche Verschriftlichung der bayrischen Sprache, vielleicht ändert sich das ja mit Wikipedia. Elegant gelöst wurde auch das Problem mit den vielen unterschiedlichen bayrischen Dialektvarianten: Jeder Autor gibt im Artikelkopf seine Dialektvariante an.

(via Thomas)

Sabotieren die Webzwonull-Blogger den Qualitätsjournalismus?

Die Opposition zwischen den Bloggern auf der einen (guten) Seite und den traditionellen (überkommenen) Journalisten und Medien auf der anderen Seite wird ja in manchen Blog-Debatten arg aufgebauscht. Nun liefert dazu die „Gegenseite“ wieder einmal eine Steilvorlage. So erklärte kein geringerer als der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV),  Helmut Heinen, auf dem evangelischen Kirchentag in Köln:

Web 2.0-Inhalte sind kein Journalismus

Des weiteren sagte er:

„Der Begriff vom Bürgerjournalismus ist Etikettenschwindel„. Relevante Inhalte zu generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in den verschiedenen Lebensbereichen zu moderieren, das sei ein kompliziertes Handwerk, welches nur „von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten“ erledigt werden könne.

Ich geb ihm ja in einigen Punkten Recht, aber so pauschalisierend wie er sich hier äussert erweckt er den Eindruck, sich die aktuellen Entwicklungen nicht genau angesehen zu haben oder aber aus (Verbands‑)politischen Motiven bewusst zu polarisieren. Gut, dass ich Journalist und Blogger bin…

(mehr auf CIO-Weblog)
 

Berufsblogger – nichts ist mehr unmöglich

Ich hab erst vor kurzem erfahren, dass Jon Udell nun nicht mehr als Blogger, Infoworld-Kolumnist und freier Journalist arbeitet, sondern bereits seit Dezember bei Microsoft fest angestellt ist als ein Art Berufsblogger! Die Sache ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert.

Zum einen zeigt dieser Fall, welche ungeahnten Möglichkeiten sich für Blogger/bloggende Experten mittlerweile bieten können. Während hierzulande in den einschlägigen Nabelschaublogs immer noch Grundsatzdebatten darüber geführt werden, was alles eine unmoralische Kommerzialisierung von Blogs darstellen könnte oder wie beschränkt/bescheiden die Möglichkeiten des Geldverdienens mit Blogs doch seien, machen die Amerikaner schon die nächsten und übernächsten Schritte.

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Absender-PR: Wenn nur die Agentur die Message versteht…

Mit dem Begriffspaar „Absenderwerbung“ und „Empfängerwerbung“ unterscheidet die aktuelle „Spießer Alfons“-Kolumne zwischen Werbung, die eigenlich nur der Auftraggeber wahrnimmt und solcher, die den Leser tatsächlich anspricht. Die Gegenüberstellung gefällt mir gut, weil sie nämlich auch auf die Bereiche PR und Kundenzeitschriften übertagbar ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele Pressemitteilungen täglich umgehend in Redaktions‑ und Outlookpapierkörbe wandern, weil selbst ein wohlwollender Journalist nach dem fünften Satz immer noch nicht verstanden hat, was ihm die aussendende Agentur/Firma eigentlich mitteilen möchte. Was ich aus Erfahrung weiß, ist, dass der Prozentsatz sofort gelöschter/weggeworfener Mitteilungen recht hoch ist.

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Infoworld, immer schön an den Leser denken – und der will offenbar Papier!

Die Einstellung der renommierten Infoworld-Printausgabe zugunsten einer reinen Online-IT-Publikation hatte sicherlich Signalwirkung in der Verlagsbranche und wurde von den Protagonisten selbst als Pionierleistung dargestellt. Möglicherweise ist der Verlag in seiner Online-Euphorie damit aber etwas über das Ziel hinausgeschossen, oder wie ist nach nur wenigen Wochen die halbe Rolle rückwärts zu erklären?

Nachdem nämlich offenbar etliche Leser wenig begeistert darüber waren, nun keine gedruckte Zeitung mehr geliefert zu bekommen, wie der Chefredakteur Steve Fox eingesteht, habe man sich jetzt dazu entschlossen, die besten Inhalte wöchentlich zu einer PDF-Edition „InfoWorld Express“ zusammenzufassen. Das klingt ja alles ganz nett, könnte man aber auch als eine recht beschönigende Fomulierung dafür verstehen, dass der Online-Schuss  eigentlich böse nach hinten losging. Mir fallen an der Sache einige Ungereimtheiten auf:

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Geld verdienen mit Blogs: Der Rubel beginnt zu rollen

Robert Basic hat dieser Tage mal wieder aufgelistet, was er derzeit mit seinem Blog an (Werbe‑)Einnahmen erzielt. Angesichts seines enormen Bekanntheitsgrads und der Spitzenplatzierung in Rankings wie den „Top-100-Business-Blogs“ und anderen war ich doch etwas überrascht über seinen relativ geringen Monatsumsatz – er erhält derzeit ca. 950 Euro aus drei Werbeprogrammen (Linklift, Google Adsense und TextLinkAds). Im Gegensatz dazu gibt es etwa in den Vereinigten Staaten bereits viele, die schon recht gut vom Bloggen allein leben können.

Allerdings hab ich von zwei Bekannten kürzlich recht interessante Zahlen gehört, die auch für die deutsche Bloggerszene Anlass zu Hoffnung geben.

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Entern die Verlage die Blogwelt oder schaffen sie neue Vermarktungsmodelle?

Olaf Kolbrück stellt die These in den Raum, dass die etablierten Verlage im Rahmen ihrer zunehmenden Blogging‑ und Web-2.0-Aktivitäten allmählich die Herrschaft in der Blogger-Szene übernehmen und dann in 2–3 Jahren auch A-Lister wie Basicthinking und Co. rauskegeln werden. Der damit adressierte Robert Basic hält dem entgegen, dass das nicht funktionieren wird, weil die Leser zukünftig keine Content-Aggregatoren mehr benötigen und sich stattdessen selbständig in den Mikronischen ihre Informationen besorgen werden.

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Wired – und: Wann war der Höhepunkt der Print-Epoche?

Wired: Das Zentralorgan des Goldenen Zeitalters

Ich kann mich noch gut an die Stimmung im Verlag Anfang 2002 erinnern: Der massive Einbruch bei den Anzeigenverkäufen hielt nun schon fast ein Jahr an und eine Besserung war nicht in Sicht. Dennoch glaubten viele noch fest daran, dass auch diese Konjunkturdelle vergehen und das Geschäft danach auf höherem Nivau als zuvor weiterlaufen würde.

Heute, sechs Jahre nach dem Dotcom‑ und Börsenzusammenbruch, sieht es für gedruckte Publikationen schlechter aus als je zuvor: Trotz allgemeinem Aufschwung werden erste Print-Publikationen eingestellt und ins Web verlagert. Der Printmedienmarkt – soviel, glaub ich, kann man sagen – wird nie wieder das frühere Nivau erreichen, und so wäres es mal an der Zeit, mit der Geschichtsschreibung des goldenen Print-Zeitalters zu beginnen.

Der Gedanke dazu ist mir beim Blick auf mein Wired-Archiv gekommen, das von 95 bis 2000 reicht.  Als einstiges Zentralorgan der New-Economy bildet es eine interessante Quelle für Rückblicke auf den Dotcom-Boom einerseits aber auch für geschichtliche Medienbetrachtungen.

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Wie wird man eigentlich Trendforscher?

Scott eVest: Genaugenommen ein alter HutIndem man zum Beispiel mit solchen flachen Phrasen um sich wirft?

Der tolle Effekt ist, dass in Media 3.0 das Involvement maximal ist. In Web 1.0 hatten wir es mit einer Lean-back-Situation zu tun…. (Danke, Jake.) 

Der Trendforscher Nils Müller liefert in diesem Interview auch noch ein paar andere Aussagen, die mich stutzig machen:

Gerät und Mensch werden immer stärker verschmelzen, Beispiel Wearable Computing, also Kleidungsstücke, in die Geräte zur Musikwiedergabe eingearbeitet sind.

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Weil nämlich zum Beispiel Nicholas Negroponte solche Prognosen schon vor zwölf Jahren in Wired veröffentlicht hat. Und entsprechende Klamotten gibts tatsächlich schon seit mindestens sechs Jahren zu kaufen.

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Kunden wissen oft mehr über ein Produkt als dessen Verkäufer

Einen sehr interessanten Beitrag über Werbung, Märkte und die Veränderung der Konsumgewohnheiten im vernezten Internetzeitalter hat Mark Pohlmann auf dem Themenblog veröffentlicht. Darin findet sich unter anderem die treffende Aussage: „Kunden wissen oft viel mehr über ein Produkt als dessen Verkäufer.“ Wer das noch nicht in aller Deutlichkeit erlebt hat, sollte sich mal in Foren wie motor-talk.de umsehen – dort tauschen sich beispielsweise Autokenner aus. Wer den Kauf eines neuen (oder gebrauchten) Wagens beabsichtigt, erfährt dort garantiert 100-mal mehr, als ihm ein Autoverkäufer vermitteln kann. Hab ich selber erlebt.

Nicht zu voreilig, Print-Totengräber

Ich gehöre einerseits zu jenen Leuten, die bereits Mitte der 90er den baldigen Niedergang (nicht Untergang!) von Printpublikationen vorhergesagt hatten. Und ich habe mich dazu in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten (die ich demnächst hier veröffentlichen werde) bereits vor über 10 Jahren recht weit aus dem Fenster gelehnt.

Dass es jetzt einigen Verlagen nicht schnell genug damit gehen kann, das Bedrucken toter Bäume aufzugeben, macht mich allerdings auch etwas stutzig. Es gibt nämlich durchaus einige spezifische Qualitäten gedruckter Publikationen, die sich durch virtuelle Produkte nicht ersetzen lassen – etwa Haptik oder “First-Life-Präsenz“, um nur ein paar zu nennen.

Erst kürzlich hatte ich diesbezüglich ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines großen Internet-Dienstleisters, der mir sein vermeintlich paradoxes Marketing-Konzept erläuterte: Obwohl er einem reinen Internet-Unternehmen vorsteht, betreibt er im Marketing bewusst aufwändige und kostspielige Printkammpagnen in Form von Zeitschriftenanzeigen und vielseitigen Beilagen (Sichtwort „c’t-Ausschütteln“ ;-).

Der Erfolg schlägt sich seiner Aussage nach nicht nur in der Kundengewinnung und Kundeninformation nieder. Gleichzeitig setze er mit dieser Strategie nämlich viele Konkurrenten unter massiven Zugzwang, die bisher der Meinung waren, dass ein Internet-Unternehmen konsequenterweise auch nur über das Internet Marketing und Kommunikation betreiben müsse. Einige Mitbewerber würden mittlerweile sogar mit Printkampagnen nachziehen.

Wenig Zugriffe, viel Werbeeinnahmen?

MilleSind das die ersten Anzeichen einer neuen Qualitätsdebatte? Robert Basic verlinkt auf einen Beitrag, der die Vorteile von sehr zielgruppenfokussierten Blogs anreißt. Eine Seite über Finanzthemen soll mit 28 Seitenaufrufen an einem Tag 18,18 Dollar erwirtschaften. Womit jener anhaltende Hype widerlegt wäre, dass nur mit Traffic und noch mehr Traffic (und seichten, billigen Inhalten) im Web Geld zu erwirtschaften sei.

Für mich ist das eine logische Entwicklung: Sofern man glaubhaft nachweisen kann, dass die Leserschaft eines Blogs (oder einer Website oder eines Newsletter) sehr zahlungskräftig ist und sich für bestimmte Themen interessiert, lassen sich auch investitionsfreudige Werbesponsoren finden. Ausserdem wird in der nach Wachstum gierenden Netzwelt gerne übersehen, das es auch in der alten Printwelt hochprofitable Publikationen mit kleiner Auflage gab und gibt. In Deutschland gibt es mehrere Verlagsimperien, die ihr Geld mit einer Vielzahl kleiner, fokussierter, teurer Branchenblätter machen. Diese Entwicklung kommt ja jetzt vielleicht ins Web.

Vermarkter, bitte herhören: Dies hier ist ein kleiner, aber feiner Blog…

Microsoft, so läuft das nicht im Web!

Windows LiveWie kürzlich zu hören war, hat Microsoft laut Nielsen/Netratings (PDF) weiter Marktanteile unter den US-Suchmaschinen verloren, und Steve Ballmer denkt nun schon daran, Firmen für die Nutzung der Microsoft-Suchmaschine zu belohnen. Der A-Blogger und Ex-Microsoftie Robert Scoble liefert Erklärungsversuche, weshalb die bisherige Internet-Strategie der Redmonder nicht aufgeht.

Das ist alles richtig, aber trotzdem viel zu kompliziert gedacht, denn zunächst muss Microsoft seine Hausaufgaben bei den ganz grundlegenden, einfachen Dingen machen, bevor man an die ganz großen Entwürfe rangeht. Ich habe hier schon einmal gesagt, dass der Kardinalfehler darin besteht, dass es für die Microsoft-Suchmaschine keinen einheitlichen, einfachen, idiotensicheren Namen gibt – wegen meiner Moogle ;-), das wäre immer noch besser als die aktuelle Adressierung.

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Können sich im Web journalistische Qualitätsmaßstäbe halten?

Erwartungsgemäß zieht die überraschende Einstellung der Infoworld-Printausgabe nun das Echo der Kommentatoren nach sich. Der frühere Infoworld-Redakteur und heutige Kolumnist/Blogger Ed Foster äußert ein paar interessante Gedanken zu diesem Epochenwechsel.

Of course, it’s not that there isn’t still a lot of money being spent to advertise to IT readers – it’s just that a lot of those advertising dollars are going to Google and Yahoo and others who don’t actually have anything to do with producing the content. And your local newspaper has probably found its classified ad revenue decimated by eBay or Craigslist. Other kinds of print publications – maybe all kinds of print publications – face the same conundrum.

In gewisser Weise rächt sich jetzt meines Erachtens auch die Geheimniskrämerei der Verlage bezüglich ihres klassischen Geschäftsmodells.

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Zeitung eingestampft: Infoworld gibts nur noch online

infoworld.gifIch habs von Jake erfahren – ansonsten wird man hierzulande wohl kaum Notiz davon nehmen. Trotzdem ist der Schritt des IDG-Verlags, seine renommierte US-IT-Wochenzeitschrift Infoworld einzustellen, eine kleine Revolution. Die Schwesterzeitschrift meines Ex-Arbeitgebers Computerwoche (1974 gegründet) wird nun nach 29 Jahren von seinem einstigen Online-Ableger vollständig ersetzt.

Mehr oder weniger ambitionierte Online-Strategien verfolgen ja tatsächlich schon viele Verlage, doch dass eine Website eine etablierte Printpublikation vollständig ersetzt und dabei auch einen entsprechenden Umsatz  einfährt, ist neu. Ich bin gespannt, wann wir hierzulande die ersten Nachahmer sehen werden.

Podcast und Web-Videos: Die Mediensteinzeit lässt grüßen

Es gibt Steinzeittechnologien, die es – verkleidet in trendigem Outfit – wieder zu einer großen medialen Inszenierung bringen. Die an allen Ecken im Web sprießenden Podcasts beispielsweise sind so ein Fall. Schon aus technischer Sicht sind sie eine Banalität: Simple Audiodateien, die per Mausklick auf den PC heruntergeladen und angehört werden können. Sowas hatte ich schon 1994 auf meiner ersten handgestrickten Website im Angebot. Durch wirklich raffiniertes Trittbrettmarketing – man entlehnte die Vorsilbe dem hippen i“Pod“-Kult – wurde daraus im Handumdrehen Web-2.0-Radio.

Und noch was wichtiges hab ich daran auszusetzen:
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„König Leser”: Schreiben kann jeder – aber liest das wer?

Bei der Frage nach seiner besonderen berufliche Qualifikation gerät man als Journalist des öfteren in eine eigenartige Rechfertigungssituation: Schreiben könne in alfabetisierten Kulturen doch jeder und Aufsätze verfasse man schließlich schon in der Grundschule. Nicht zuletzt deshalb fühlen sich viele Zeitgenossen zum Autor oder (Leser‑)Reporter berufen.

In fachjournalistischen Disziplinen wie dem IT-Journalismus kommt noch ein anderer Aspekt zum Tragen: Journalisten sind meist keine ausgebildeten Techniker und daher sind sie in der Regel auf fachkundige Informanten wie Informatiker, Analysten oder IT-Manager angewiesen. Da drängt sich – zunehmend auch in Redaktionen mit schrumpfendem Budget – die Frage auf, warum nicht gleich die Techniker selbst in die Tasten hauen und den Fachjournalismus selber in die Hand nehmen sollten?
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Wer garantiert eigentlich für Qualitätsjournalismus?

Früher, als die Medienwelt noch in Ordung war, konnte man sich an zwei Polen orientieren: Auf der einen Seite die Publikumsverlage, die das Massenpublikum mit dem Versprechen einer unabhängigen Tages‑ und Fachberichterstattung an sich banden und damit eine ordentliche wirtschaftliche Grundlage auch für die Redakteure und freien Journalisten bieten konnten. Daneben entwickelten sich im Lauf der Zeit auch die Geschäfte des rivalisierenden, „Marketing-getriebenen“ Mediensektors, der bei PR-Textern beginnt und bei Produzenten von Kundenmagazinen endet. Diesem haftete dabei stets der zweifelhafte Ruf an, dass er mit Hilfe von Auftragsschreibern das Ziel verfolge, reine Industrieinteressen zu vertreten.
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Sind PR-Einträge eine Wikipedia-Manipulation?

Unter dem Titel „PR verschmutzte Wikipedia“ hat Kollege Lars Reppesgaard bereits im August die Frage aufgeworfen, in wiefern man einer PR-Zunft noch trauen könne, die permanent ihre Grenzen überschreite. Er bezog sich dabei auf eine Meldung, wonach die amerikanische PR-Agentur MyWikiBiz.com ganz offen „professionell geschriebene“ Wikipedia-Artikel anbietet.

Dazu muss ich zunächst eines sagen: Auch die deutsche Wikipedia wird fleißig mit PR-Texten bestückt, wie ich aus einer sicheren Quelle weiß.
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Silicon Alley, Web 1.0: Webdesign von i/o 360

i/o 360 - Web-Design 1996

In Anlehnung an die Boom-Area der IT-Pioniere, das Silicon Valley, hat sich Mitte der 90er mit dem ersten Web-Boom der Begriff „Silicon Alley“ etabliert. Er bezeichnete eine Gegend in Manhattan, New York, in der sich damals unzählige Internetfirmen angesiedelt hatten. Wikipedia listet einige der bedeutendsten Silicon-Alley-Firmen der damaligen Zeit auf.
In Erinnerung ist mir noch eine der herausragenden Design-Schmieden von damals geblieben – i/o 360 fiel vor allem durch eine unglaublich coole Website und einen Generator für ASCII-Art auf.
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Spiegel Online 1996: Erinnerung an die Internet-Steinzeit

Wenn man bedenkt, dass vor zehn Jahren viele Leute gerade mal gelernt haben, was das Internet und das WWW sind und die Mehrheit noch wenig oder keine Ahnung davon hatte, wird einem erst das Ausmaß der kulturellen und lebensweltlichen Veränderung klar, die in dieser kurzen Zeit stattgefunden haben.

Die ersten amateurhaften Gehversuche der Internet-Stars von heute sieht man ganz schön an der ersten Seite von Spiegel Online, die im Juni 1996 online gegangen ist und von den Betreibern als Antiquität zur Schau gestellt wird.
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Wenn Pressesprecher Journalisten bewerten..

…geht das in die Hose. Wie Thomas Pleil auf PR-Blogger berichtet, hat der Bundesverband der deutschen Pressesprecher erstmals einen Negativpreis für schlechten Journalismus, den „Faulen Apfel“ verliehen. Die Zunft der Öffentlichkeitsarbeiter dürfte sich damit einen Bärendienst erwiesen haben, wenn man mal einerseits das Verhältnis zwischen PR und Journalismus und andererseits das Image von PR berücksichtigt.
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Empfindsame Rebellen. Oder: Bloghygiene mit Febreeze Febreze

Auf dem Markt für Rebellen ohne Markt geht es bisweilen heiss her. Überall da, wo Blogger Alphonso letzte Zuckungen der New Economy vermutet, wird aus allen Rohren geschossen, bis kein Gras mehr wächst. Eine recht dünne Haut zeigt der Betreiber aber offenbar, wenn das Echo auf seine Attacken mal in seinem Zuhause erfolgt. Das wird dann als „auf den Teppich kotzen“ bezeichnet, und der Kommentar wird „runtereditiert“ bis auf die ersten paar Wörter. Nun hab ich aber den betreffenden Kommentar zufällig „raufeditiert“ auf mein Laptop (Vorsicht ist die Mutter des Web-Interface) und gespeichert und möchte ihn den Interessierten hier präsentieren, auf dass sich jeder ein Bild über den Schmuddelcharakter meiner Replik machen kann:
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Totale Amnesie: Durchschnittlich lebt eine Webseite nur 44 Tage!

Als teilweise verhängnisvolle Entwicklung bezeichnet Neil Beagrie von der British Library die Digitalisierung aller Informationen. In einem interessanten Interview mit der SAP-eigenen Online-Publikation SAP Info weist er unter anderem darauf hin, dass digitale Informationen im Gegensatz zu früheren medialen Aufzeichnungen wie Büchern nicht mehr rein zufällig überleben werden. Zudem haben Berechnungen ergeben, dass die durchschnittliche Lebensdauer einer Webseite nur 44 Tage betrage – einschließlich bedeutender Datenressourcen.
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