Archiv für die Kategorie 'Feuilleton'

Manche nennen es Wirtschaftsimperialismus

SO EIN ZUFALL! Vorgestern habe ich noch kryptisch über die ungehinderte Betätigung von US-Strafverfolgern in Deutschland geschrieben (und es gab Gründe für diese verklausulierte Darstellung). Und heute befasst sich der Oberinvestigator der Süddeutschen, Hans Leyendecker, mit diesem Thema im  Aufmacher der Wochenendbeilage. Titel: „Was Manager fürchten sollten„. Dabei erwähnt er auch Details zu jenem Fall, der mir zu Ohren gekommen ist: Zwei von insgesamt vier inhaftierten Infineon-Topmanagern saßen in einem US-Gefängnis ein, ohne dass sie mit den Preisabsprachen zu tun hatten (“Bauernopfer“).

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Willst Du die Welt verändern?

Jobs, Sculley, Wozniak„Als Steve Jobs John Sculley von Pepsi abwarb, forderte er ihn heraus: ‘Willst du Zuckerwasser an Erwachsene verkaufen, oder willst du die Welt verändern?’“
Steward Brand, The Well

(weitere antike Apple-Bilder und Broschüren)

Sony fordert 100.000 €: Gerechte Strafe oder Kriminalisierung einer ganzen Generation?

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Ausser mir haben sich vorgestern Abend auch die ca. 150 anwesenden Schülereltern im falschen Film gewähnt, als ein Hauptkommissar von der Kripo Erding im Rahmen einer schulischen Infoveranstaltung über „Jugend und Medienkonsum“ aus dem Ermittlungsalltag im Bereich Computerkriminalität berichtete. Darin ging es beispielsweise um einen 11-Jährigen, der im elterlichen Keller über einen PC mit eigenem DSL-Anschluss verfügte, vollgestopft mit Raubkopien und Videos übelster Machart – sowie einem Tresor daneben, in dem er illegales vor jeglichem Zugriff sicher verwahrte.
Während man für die hier geschilderte Razzia noch Verständnis aufbringt, stimmen einen andere Alltagsszenarien doch recht nachdenklich.
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„König Leser”: Schreiben kann jeder – aber liest das wer?

Bei der Frage nach seiner besonderen berufliche Qualifikation gerät man als Journalist des öfteren in eine eigenartige Rechfertigungssituation: Schreiben könne in alfabetisierten Kulturen doch jeder und Aufsätze verfasse man schließlich schon in der Grundschule. Nicht zuletzt deshalb fühlen sich viele Zeitgenossen zum Autor oder (Leser‑)Reporter berufen.

In fachjournalistischen Disziplinen wie dem IT-Journalismus kommt noch ein anderer Aspekt zum Tragen: Journalisten sind meist keine ausgebildeten Techniker und daher sind sie in der Regel auf fachkundige Informanten wie Informatiker, Analysten oder IT-Manager angewiesen. Da drängt sich – zunehmend auch in Redaktionen mit schrumpfendem Budget – die Frage auf, warum nicht gleich die Techniker selbst in die Tasten hauen und den Fachjournalismus selber in die Hand nehmen sollten?
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Dienstwagen von Mercedes, Fachartikel von Aldi

Werbeagenturen sind eindeutig der Lieblingsfeind von 1. Journalisten, 2. Kundenzeitschriftenverlagen (CP) und 3. (journalistisch vorgeprägten) PR‑ und Kommunikationsprofis, wie mir in den letzten Tagen bei Gesprächen mit Leuten aus diesem Umfeld wieder mal aufgefallen ist. Für diese Abneigung gibt es je nach Interessenlage unterschiedliche, aber miteinander zusammenhängende Gründe.

Der eine – ein Freund – war Kommunikationsverantwortlicher eines DAX-Konzerns mit fundiertem journalistischen Background. Er berichtete mir, dass er bei der Ausschreibung für ein Mitarbeitermagazin _wieder_einmal_ erschüttert war von der unterdurchschnittlichen journalistischen Kompetenz, die viele Agenturen aus dem diffusen PR/Werbeumfeld an den Tag legen. Nachdem sich beim „Pitch“ der eine Schlusskandidat in seiner Präsentation darauf beschränkte, dazulegen, wie toll seine „Agentur“ sei, habe quasi zwangsläufig der zweite Verbliebene, ein Verlag für Kundenzeitschriften, den Zuschlag für das Magazinprojekt erhalten.
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„Zeitungen haben ihre Qualität reduziert”

Heute bringt das Handelsblatt ein Interview mit dem Herausgeber des Wall Street Journal, Gordon Crovitz. Darin finden sich einige interessante Aussagen über die Zukunft der Printmedien vor dem Hintergrund des Internet-Booms – so unter anderem folgende Passage:

F: Welche Fehler machen die Zeitungen?
A: Viele große Zeitungen haben ihre journalistische Qualität reduziert. Internetversierte Leser, insbesondere jüngere, finden jedoch sehr schnell heraus, wie sie die gleichen Informationen einer solchen Zeitung online schneller und bequemer erhalten können.

Auf die Frage, wie die Zeitungen darauf reagieren sollen, sagt Crovitz, dass die Redaktionen weniger Nachrichten und mehr erklärenden Journalismus bringen müssen. Konkret würde so etwas für die Verleger bedeuten, dass sie mehr in die journalistische Qualität investieren müssten. Wieviele in Deutschland werden das tun, jetzt, wo alle ihre strategische Planung auf das nach wie vor wirtschaftlich riskante Web-Publishing verlagert haben?

Medien 1.0: Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff (1835)

Wer garantiert eigentlich für Qualitätsjournalismus?

Früher, als die Medienwelt noch in Ordung war, konnte man sich an zwei Polen orientieren: Auf der einen Seite die Publikumsverlage, die das Massenpublikum mit dem Versprechen einer unabhängigen Tages‑ und Fachberichterstattung an sich banden und damit eine ordentliche wirtschaftliche Grundlage auch für die Redakteure und freien Journalisten bieten konnten. Daneben entwickelten sich im Lauf der Zeit auch die Geschäfte des rivalisierenden, „Marketing-getriebenen“ Mediensektors, der bei PR-Textern beginnt und bei Produzenten von Kundenmagazinen endet. Diesem haftete dabei stets der zweifelhafte Ruf an, dass er mit Hilfe von Auftragsschreibern das Ziel verfolge, reine Industrieinteressen zu vertreten.
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Sind PR-Einträge eine Wikipedia-Manipulation?

Unter dem Titel „PR verschmutzte Wikipedia“ hat Kollege Lars Reppesgaard bereits im August die Frage aufgeworfen, in wiefern man einer PR-Zunft noch trauen könne, die permanent ihre Grenzen überschreite. Er bezog sich dabei auf eine Meldung, wonach die amerikanische PR-Agentur MyWikiBiz.com ganz offen „professionell geschriebene“ Wikipedia-Artikel anbietet.

Dazu muss ich zunächst eines sagen: Auch die deutsche Wikipedia wird fleißig mit PR-Texten bestückt, wie ich aus einer sicheren Quelle weiß.
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Spiegel Online 1996: Erinnerung an die Internet-Steinzeit

Wenn man bedenkt, dass vor zehn Jahren viele Leute gerade mal gelernt haben, was das Internet und das WWW sind und die Mehrheit noch wenig oder keine Ahnung davon hatte, wird einem erst das Ausmaß der kulturellen und lebensweltlichen Veränderung klar, die in dieser kurzen Zeit stattgefunden haben.

Die ersten amateurhaften Gehversuche der Internet-Stars von heute sieht man ganz schön an der ersten Seite von Spiegel Online, die im Juni 1996 online gegangen ist und von den Betreibern als Antiquität zur Schau gestellt wird.
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Andere Schlussfolgerungen aus "Grass": Intellektuelle Gerontokratie

Ich habe es zwei Einträge weiter unten „geistige Verödung“ genannt und in die gleiche Kerbe sehe ich nun Eva Menasse und Michael Kumpfmüller in ihrem SZ-Feuilleton-Beitrag in der Süddeutschen (17.8.) schlagen – unter dem Titel „Wider die intellektuelle Gerontokratie – Ein Plädoyer für weniger Grass und mehr Nahost in der Debatte“. (Leider nur für Abonnenten zugänglich)

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Handke und die geistige Verödung

Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefebvre begründen in der SZ vom 2.6. ihren Autritt aus der Heinrich-Heine-Preis-Jury. Darin finden sich einige bemerkenswerte Passagen, die das derzeitige geistige Klima in Deutschland charakterisieren:

„… Man könnte den Wirbel unter Lokalposse abbuchen – wäre da nicht der landesweit inszenierte öffentliche Empörungsschrei gegen Handke. Ein Furor automaticus, der seit zehn Jahren in das immergleich Reaktionsschema einrastet. …

Seine dissidenten Ansichten zu den Balkankriegen rechtfertigen […] keinesfalls die blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot und in seinem Werk beschädigt werden soll. …

Aber eben diese hartnäckige Abweichung eines einzelnen Schriftstellers will man nicht dulden. Die Intellektuellen, Journalisten, Politiker, die sich im vergangenen Jahrhundert so oft und so extrem geirrt (und verirrt) haben, haben sich auf korrekte und daher ungefährliche Meinungen verständigt. Handke, so muss man folgern, ist deshalb anstößig und muss exorziert werden, weil er in seiner Unabhängigkeit Ansichten äußert, die sich die Intelligenz hierzulande nicht gestatten darf und daher auch ihm nicht zugesteht.“

Botho Strauß zum Thema in der FAZ

Hirngerechte Dokumente machen Denken unmöglich

Der Wiener Philosophieprofessor Konrad Liessmann über PowerPoint, die vermeintliche Wissensgesellschaft und warum man Wissen nicht managen kann:
[…]Die Verknappung des Textes und seine Anreicherung mit Schlagworten, Symbolen, Graphiken und Tabellen, die alle auf eine schöne PowerPoint-Folie passen, avancieren zum Inbegriff eines „hirngerechten“ Dokuments .

Wie Wissen heute präsentiert wird, kann auch als Hinweis für die zunehmende Verachtung des Wissens gelesen werden. Die Unsitte, […] einfache Sätze und schwülstige Begriffe über PowerPoint zu projizieren und diese dann einfach abzulesen, stellt nicht nur ein Verachtung der Zuhörerschaft dar, sondern auch einen vollkommenen Verlust dessen, was man einstens Vortragskultur nannte.

Es gibt Präsentationsformen – und die hirngerechten Dokumente gehören dazu –, die Denken nahezu unmöglich machen. Formuliert werden dann nur mehr Überschriften und Parolen, alle Möglichkeiten, Sätzen eine logische und damit argumentierende Struktur zu verleihen, werden gekappt. Und dennoch sind die Protagonisten solcher Shows überzeugt davon, es handle sich dabei um Wissen und seine Vermittlung. […]
(via orf.at)

Kittler über Rechtschreibreformer: „verfettete Gesäße in den Ministerien”

Der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler hat in einem Telepolis-Interview wieder einmal recht erhellende, pointierte Gedanken geäussert – zum Beispiel zur Rechtschreibreform:
„Wir werden im Moment von Leuten aus dem zweiten Bildungsweg regiert und die möchten unsere Bildung aus dem ersten Bildungsweg abschaffen.“

Oder über die strengen Regeln der Programmiersprachen – im Gegensatz zu den laxen Regeln natürlicher Sprachen:
„Das ist eine neue, ganz strenge Orthografie. Insofern kann man kein Jota oder kein Tüpfelchen dran ändern, wie es Jesus von Nazareth in Bezug auf das hebräische Alphabet gesagt hat.“

Und erhellend auch seine Erklärungen zur Entstehung der deutschen Großschreibung – und den politischen Motiven der Rechtschreibreformer:
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Hoch spannend oder höchst spannend?

Spiegel-Online zu den veralteten Strommasten von RWE: „…Hoch‑ und Höchstspannungsnetz wird bereits seit mehr als 65 Jahren genutzt“

Und ich hatte bisher – wie wohl viele meiner Zeitgenossen – immer geglaubt, bei Hochspannung ist das obere Ende der Skala, sozusagen der Olym der Elektrizität erreicht. Aber offenbar haben wir uns, oberflächlich wie wir oft sind, keine Vorstellung vom Leistungspotenzial des Stroms an sich und der sich seiner annehmenden Industrie gemacht und uns dem jahrlangen Irrglauben hingegeben, dass bei – sagen wir einfach mal – 100 Millionen Schicht im Schacht ist. Jetzt aber erfahren wir durch einen ganz nebenebei eingestreuten Hinweis des Spiegel-Redakteurs, dass da nach oben hin noch ordentlich Luft ist, dass es im Höchstlei(s)tungsbereich vielleicht 500 Millionen, vielleicht aber auch einige Milliarden (oder noch mehr) sein könnten. Ob Volt, Watt, Ohm oder vielleicht sogar Newton oder Röntgen, scheint dann ja wohl eher nebensächlich zu sein – wir sollten hier mal nicht kleinlich sein.

Meine Rede

Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken.
Arthur Schopenhauer

Echtes Geld




Echtes Geld

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Werbekampagne aus der Titanic (etwa Ende der 80er)

Krass oder konkret: Bremst Bildung wirklich?

„Bildung bremst“ lautete mal ein Slogan des Komikerduos Erkan & Stefan. Das war natürlich provokant gemeint und solange es aus dem Mund der krassen Brainchecker kommt, befremdet das nicht wirklich. Anders sieht es aber aus, wenn eine Kolumnistin in der FTD diese Aussage als ernsthafte These verfolgt. Lucy Kellaway hat am Freitag in ihrer Kolumne unter dem Titel ‚Intelligenz schadet der Firma‘ dargelegt, dass hohe Begabung und eine erstklassige Hochschulbildung entgegen unserer allgemeinen Überzeugung möglicherweise im Beruf gar nichts nutzen und sogar schädlich für die Karriere sein sollen.
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