Archive for the 'Google' Category

Mozillas schmutziges “Geheimnis” – und warum Google Firefox killen wird

Einen recht interessanten Beitrag hat Joe Wilcox im “Microsoft Watch”-Blog veröffentlicht:Warum Firefox Chrome nicht überleben wird”.

Er geht darin hart mit der “verdeckten” Finanzierung der Mozilla-Foundation ins Gericht und bezieht sich dabei auf eine Meldung, wonach 88 Prozent der Mozilla-Einnahmen von Google kämen. Firefox sei demnach nicht jenes unabhängige und uneigennützige Open-Source-Projekt, für das es gemeinhin gehalten wird, sondern stattdessen eine von Google gesteuerte Marionette.

Nachdem  Google nun mit Chrome einen eigenen Browser ins Rennen schickt, geht Wilcox davon aus, dass Google allmählich auch sein Engagement bei Mozilla herunterfahren und ihnen damit “die Luft zum Atmen nehmen werde.”

Der Browser soll also wieder mal das Betriebssystem ablösen…

… orakelt Joseph Reger, Chief Technology Officer von Fujitsu Siemens Computers, und gleich macht die Meldung die große Runde. Kommt mir irgendwie bekannt vor, denke ich, gebe den Satz in den Google-Schlitz ein, und was kommt heraus? Ein Computerwoche-Artikel von 1995, in dem Larry Ellison (der vom Oracle ;-) schon mit einer ähnlichen Prophezeiung zitiert wurde. Damals hießen die Visionen noch Powerbrowser und Network Computer – übriggeblieben ist davon gar nichts.

Außer natürlich jener Verheißung vom schlanken Web auf minimalistischer Hardware, die bis heute eine Faszination ausübt. Leider sieht die Realität aber ganz anders aus: Das Web ist zu einem Ajax-Flash-Codemonster verkommen, das noch mehr PC-Ressourcen frisst als Windows Vista. Ich kann ein Lied davon singen: Noch bis vor zwei Jahren reichte mir mein Dell X200-Subnotebook (Bj. 02, Pentium Mobile ULV 800 Mhz., Windows XP), um von Office bis Web mit allen Alltagsanwendungen flüssig zu arbeiten. Allmählich wird das Gerät jedoch zunehmend unbrauchbar, weil es auf vielen Webseiten mit 100 Prozent Prozessorauslastung die Grätsche macht. Auf die von Herrn Reger versprochenen schlanken, schnellen Systeme, die nur mit Browser auskommen, bin ich wirklich gespannt. Ich tippe mal, dass da unter einer Quad-Core-CPU nichts laufen wird.

Anonymisiert Google wirklich die User-Daten?

Nachdem nicht zuletzt Max im Kommentar die Frage aufgeworfen hat, welche Daten Google denn überhaupt speichere, erscheint mir dieser Cnet-Beitrag von Chris Soghoian recht erhellend. Soghoian bezichtigt das Suchmaschinenunternehmen der Propaganda und legt detailliert dar, welche User-Daten Google erfasst und wie sie jetzt und im Sinne der Ankündigung zukünftig damit umgehen werden:

When a user conducts a search using Google’s search engine, the company stores three main types of information in a log file: the user’s IP address (which is a unique network address given to her computer by her Internet service provider), the words that she searched for, and her cookie identifier (a unique value given to every Web-browser that visits a Google Web-property).

The simple truth is that any IP anonymization technique, no matter how strong or weak, is simply a waste of time, if cookie values are not also anonymized.

Sein Fazit:

Google’s new anonymization policy is totally worthless, and the company deserves to be called out for its deception.

[Via Basic Thinking]

Fast hätte Endemann Google gekauft …

suchmaschinen_1999 Zehn Jahre Google ist wahrlich ein guter Anlass, um mal den ein oder anderen Blick zurück in die wilden Jahre des Internet zu werfen und ein paar Erinnerungsstücke herauszukramen. Zusätzlich angespornt fühle ich mich angesichts der Legendenbildung, die gerade von einigen Medien betrieben wird. So schreibt etwa die FAZ:

Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. … Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen „im Internet“. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent.

Das ist natürlich ein Unsinn, der wohl dem Drang nach einer Pointe entsprang. Denn schon ab 1995, als wir längst mit den ersten selbstgestrickten Homepages online waren, tauchten mit Yahoo, Altavista und Lycos (Links aus dem Web-Archive von 1999⁄2000) die ersten Suchdienste auf und machten es möglich, die im weltweiten Netz verstreuten und zunächst verlorenen Informationsinseln zu finden. Und sie machten diesen Job damals nicht schlecht. Zumindest aus der Perspektive von 1994, als das Web noch einem schwarzen Loch glich, in dem man viel spannendes vermutete, aber nichts sehen konnte und daher jede URL, die man zu fassen kriegte, verlinkte. Was kaum mehr jemand weiß: Man war damals wirklich auf Tipps und das Buschtrommelprinzip angewiesen

Das primäre Problem der damaligen Suchmaschinen war ganz klar das fehlende Geschäftsmodell. Niemand wusste, wie man die explodierende Zahl von Suchanfragen in bare Münze verwandeln konnte. Deshalb penetrierte man die User mit immer mehr Bannerwerbung und überfrachteten E-Commerce Portalen, auf denen der Suchschlitz zur eher störenden Nebensache geriet. Es sollte schließlich geklickt und gekauft werden

So gesehen war Google mit der Reduktion auf das Wesentlich erst einmal eine Befreiung von den Krebsgeschwüren des Dotcom-Booms. Und natürlich kamen dazu massive technische Weiterentwicklungen der Suche mit neuen Kriterien wie Relevanz.

Ein großer und ein aufgeblasener Deutscher

Interessante Rollen haben in den Jahren des Goldrauschs übrigens zwei Deutsche gespielt. Über den einen schreibt der FAZ-Autor recht schön:

Als Erster erkennt ein Deutscher, was hier abgeht: Andreas von Bechtolsheim, der Gründer von Sun Microsystems, kommt damals eigens mit seinem Porsche angefahren, um Page und Brin den Scheck über 100 000 Dollar zu überbringen.

Auch der Werbefuzzi Ingo Endemann aus Neuss hatte wohl so eine Ahnung vom Internet-Geschäft der Zukunft. Von Deutschland aus wollte er die Suchmaschinenwelt beglücken und 1999 gelang ihm ein selbst für damalige Verhältnisse unvorstellbarer Raketenstart an der Börse:

Beim Börsengang im März 1999 hatte der Vorstandsvorsitzende Ingo Endemann seine Aktionäre mit einem Zeichnungsgewinn von 360 Prozent beglückt. Die Internet-Aktien wurden zu umgerechnet 23 Euro ausgegeben und kletterten am ersten Börsentag auf 106 Euro. Bei 12 Millionen Aktien erreichte die damals noch profitable Werbeagentur mit 30 Mitarbeitern am ersten Börsentag einen Wert von gut 1,2 Milliarden Euro.

Wer weiß, hätte Endemann die selben Visionen gehabt wie Bechtolsheim und noch ein paar jener Risikokapitalgeber, die damals jede lachhafte Internetidee finanzierten – vielleicht wäre dann Google zu kaufen gewesen… Endemann (Bekannteste Marke Abacho.de) nervte damals übrigens die Redaktionen mit seiner penetranten PR. Cirka ein bis zweimal die Woche verschickte er eine Pressemitteilung – immer nach dem selben Muster: “Endemann eröffnet Suchmaschine für Kinder”, “Endemann gründet Suchmaschine für Senioren”, “Endemann mit größter linksrheinischer Suchmaschine” und so weiter.

Endemann war eine Suchmaschinen-Plage, die sich mit dem Dotcom-Crash zum Glück von selbst erledigt hat. Und Google hat bewiesen, dass man mit Kreativität und Substanz auf lange Sicht Erfolg haben wird.

Argumentationsakrobaten gesucht

Auf der einen Seite Google hochjubeln und andererseits zur Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung aufrufen (Motto: “Gegen die totale Protokollierung von Telefon, Handy, E-Mail und Internet”). Wie geht das zusammen? Seinen kritisch fragenden Kommentatoren wollte oder konnte der Spreeblick das bisher jedenfalls nicht erklären.

Google polarisiert

Netter Flamewar zwischen Robert Basic und Spreeblick: Letztere beklagen sich über die Stammtischparolen gegen den Datenkraken Google, und darüber, dass sich auch Robert mit seiner Kritik an Google Chrome daran beteilige. Ein schönes Stück darüber (inklusive der Kommentare), wie sich die Rolle von Google gerade rasant verändert – vom einstigen Liebling zu einem polarisierenden Unternehmen, dem ein zunehmend scharfer Wind ins Gesicht bläst. Vor allem aus der bisher überwiegend Google-freundlichen Blog-Szene.

Will mich Google Chrome belehren? Oder warum sonst serviert er mir die alte Microsoft-Spionage-Klamotte?

googlechrome_heise

Beim Testen von Google Chrome bin ich gerade auf ein sehr sonderbares Verhalten gestoßen: Während ich in der intelligenten Adresszeile "heise.de” eingebe, erscheint in der heruntergeklappten Vorschlagsliste (Google-Suggest-Dienst) nicht etwa der Link auf die Heise-Startseite, sondern ein tief in das Telepolis-Archiv zeigender Verweis auf einen neun Jahre alten Artikel. Thema: Wie die NSA eine Hintertür in Windows einbaute. Ein Zufall ist das ja wohl nicht. Eher schon ein – in meinen Augen peinliches – Ablenkungsmanöver nach dem Motto: “Schaut her, die eigentlichen Datenspione sitzen in Redmond.” Sind das erste Anzeichen von Nervosität angesichts der lauter werdenden Kritik an Googles Datensammelwut? Zumindest wirkt es immer etwas uncool und verkrampft, wenn sich der Ertappte mit Verfehlungen anderer zu entschuldigen versucht.

Auf einem anderen Testsystem konnte ich dieses Verhalten übrigens nicht reproduzieren, aber der Vorschlag muss von Google kommen, denn dieser Beitrag war mir bisher unbekannt und kann sich daher auf keinen Fall in irgendeinem Cache befunden haben.

Die interessante Frage ist nun, ob Google diesen Vorschlag gezielt mir persönlich präsentiert, weil ich womöglich in deren System mit Tags wie “Google-Kritiker” oder “Datenschützer” belegt bin? Vielleicht hat ja noch jemand ähnliche Beobachtungen machen können.

Google weiß auch ohne Browser-Seriennummer schon sehr viel

Nachdem Google mit der Seriennummer im neuen Browser Chrome auf recht aggressive Art die totale Überwachbarkeit des Internet-Nutzers vorantreibt, habe ich mal wieder in mein Gmail-Postfach reingeschaut, um nachzusehen, was die eigentlich schon alles von mir wissen. Und dabei ist mir aufgefallen, daß dort in der Mail-Datenbank auch jede Chat-Sitzung mit Google-Talk gespeichert wird. Das sollte jeder wissen, der dieses Tool benutzt. Klar, kann man in den Optionen des Programms deaktivieren. Aber wie bei Google üblich steht die Default-Einstellung erst einmal auf “Gib uns alles, was Du hast”.

google talk

Google-Handy: Neue Spekulationen und Fakten

12-11-07-android Interessante Neuigkeiten vom sagenumwobenen Google-Handy "Android": Während Java-Erfinder James Gosling im Interview mit Computerwoche-Chefredakteur Christoph Witte den Hype recht skeptisch kommentiert, berichten andere von ersten Sichtungen in freier Wildbahn. So sammelt etwa Vieka aufschlussreiche Details zum Stand der Software, gezeigt wird dabei auch der Software-Emulator, in dem Android bereits läuft. Auch Vieka geht allerdings noch davon aus, dass das Gerede vom Handy heiße Luft ist: "Everyone knows that there is really no Google phone". Genau das versucht Engadget mit diesem Bericht zu widerlegen. Das Foto zeigt einen frühen Prototypen eines zukünftigen Android-Handys mit Google-Maps auf dem Bildschirm.

PR-Coup nach Google-Art – dann klappt’s auch mit der Zensur

Dass Googles Erfolg maßgeblich auf anhaltend raffinierten PR‑ und Marketingaktivitäten beruht, lässt sich an der aktuellen Kampagne gegen die Gesetzesinitiative zur Überwachung des Telekommunikations‑ und Internetverkehrs wieder einmal wunderbar besichtigen. Der Aufhänger ist geschickt gewählt, nachdem in letzter Zeit viel Negatives über die Datensammelwut von Google berichetet wurde. Nun geht das Unternehmen in die Gegenoffensive und greift dabei ein Thema auf, das in Deutschland kontrovers diskutiert wird und stilisiert sich dabei geschickt als Opfer innenpolitscher Sicherheitsmaßnahmen. Man droht mit nichts geringerem als der Schließung des populären E-Mail-Dienstes Gmail/Google, falls die Bundesregierung nicht von ihren „bösen“ Absichten zur E-Mail‑Überwachung lassen sollte.

So kann man Guerrilla-PR also auch aufziehen: Man nimmt die nicht zu vernachlässignede Masse der Gmail-Nutzer als Geiseln, droht der Regierung mit deren (E-Mail‑)Liquidierung und konstruiert den Sachverhalt auf Anhieb so, dass sich die bedrohten User gleich auch noch mit der Sache der Geiselnehmer identifizieren.

Florian Rötzer hat aus diesem Anlass auf Telepolis mal wieder rekapituliert, welchen Dreck Google eigentlich so alles in Sachen Meinungsfreiheit und Datenschutz am Stecken hat und stellt dabei unter anderem fest, dass sich der Suchmaschinenkonzern nicht nur in China dem Regime andient, sondern auch in Deutschland fleißig zensiert.