Archiv für die Kategorie 'Medien & Journalismus'

Spiegel Online: Qualitätsjournalisten oder Kopisten?

Jetzt, wo sich Onlinemedien zunehmend auch wirtschaftlich tragen, stellt sich natürlich auch immer öfter die Qualitätsfrage. Warum in Diskussionen darüber meist Spiegel Online zu den erstgenannten "Topmedien" zählt, konnte ich nie ganz nachvollziehen – es liegt wohl daran, dass die schon seit 1996 im Geschäft sind und sich fest in den Köpfen verankert haben.

Denn offensichtlich haben einige Leute dort ein anderes als das gängige Verständnis von "Qualitätsjournalismus", wie Don A. mit einer ziemlich peinlichen Enthüllung in seiner Blogbar zeigt: Der gestern erschienene SpOn-Artikel über den "Obama-Hype" entpuppte sich nämlich als weitgehende 1 : 1-Kopie eines Beitrags vom 8.10.2007 (!) aus der Washington Post.

DJV-Präsi warnt vor zu viel Meinungsfreiheit

Es gibt da diesen alten, sarkastischen Witz, wonach Meinungsfreiheit die Freiheit einer Handvoll Verleger sei, ihre Meinung in den großen Zeitungen zu publizieren. Mit einem gewissen Faible für Verschwörungstheorien könnte man dem noch hinzufügen, dass eigentlich auch Journalisten ein exklusives Recht auf Meinungsfreiheit für sich beanspruchen, indem sie ihren Beruf im Bewusstsein eines "Gatekeepers" ausüben. Tatsächlich lernt man nämlich im Studium der Kommunikationswissenschaften oder an Journalistenakademien genau das – dass Journalisten eine verantwortungsvolle Aufgabe als Gatekeeper innehaben, die sie quasi als Türsteher für Meinungen qualifiziert: Der Journalist entscheidet darüber, welche Nachrichten und Meinungen an die Öffentlichkeit gelangen, und was draußen zu bleiben hat.

Alles recht weit hergeholt, werden jetzt viele sagen – außer sie haben, wie Thomas Knüwer vom Handelsblatt, die aktuelle Ausgabe der Journalistenverbandszeitung "Journalist" gelesen. Darin polemisiert der DJV-Vorstand Michael Konken nämlich wieder einmal gegen Blogger, und lässt sich dabei zu einer bemerkenswerten Äußerung hinreißen:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs oder Foren und öffnen der freien, oft anonymen Meinungsäußerung Tür und Tor, dann haben sie eine besondere Verantwortung."

was Thomas Knüwer etwas leichter verständlich auf den Punkt bringt:

"Betätigen sich Journalisten in Blogs und öffnen der freien Meinungsäußerung Tür und Tor, haben sie eine besondere Verantwortung."

Und dann schreibt Konken auch noch:

"[Einige Journalisten] fühlen sich fälschlicherweise als Gründer eines neuen Journalismus, der keine Grenzen kennt. Eine Meinungsanarchie, die mit Journalismus nichts zu tun hat."

Wer der freien Meinungsäußerung Tür und Tor öffnet, ist also ein Meinungsanarchist, Herr Konken? Als DJV-Mitglied finde ich solche Äusserungen schon arg befremdlich. Mir ist nämlich neu, dass das im Grundgesetz verankerte Recht auf freie Meinungsäußerung einer Berufsgruppe vorbehalten ist. Woher die Gatekeeper überhaupt jene Legitimation zur Meinungskontrolle beziehen, kann mir ja vielleicht einmal ein Kommunikationswissenschaftler erklären. Politiker und Regierungen in diesem Land sind jedenfalls vom Volk legitimiert. Aber zum Glück gibt es ja jetzt das Internet.

[Nachtrag: Wolfgang Müller vom CIO-Weblog hat das Thema schon eher entdeckt und fragt sich: "Woher nimmt sich Herr Konken das Recht, bloggenden Journalisten Vorschriften über ihre Arbeitsweise zu machen?"]

Internet-Graff-el – er produziert es selbst

Vielleicht wollte Bernd Graff, Ressortleiter und stellvertretender Chefredakteur bei der Süddeutschen, einfach nur seine These vom Internet als einer einzigen großen Müllhalde untermauern? Auffallend kurz nachdem er nämlich als Kämpfer für den gedruckten Qualitätsjournalismus ins Feld zog und in der SZ auf einer ganzen Seite das Internet als Hort der Ahnungslosen und Denunzianten diffamierten durfte, brilliert er nun selber mit kaum zu unterbietendem journalistischem Dilettantismus. So rollte er am 16.12. dem Betreiber von Internetvictims.de, Thomas Volkmer, den roten Teppich aus und ließ ihn im Interview zum Thema "Rufschädigung im Netz" (jaja, das Web ist böse…) zu Wort kommen. Doch eben dieser Volkmer fiel in der Vergangenheit weniger als Samariter, denn mit zwielichtigen Aktivitäten auf, wie nun Kollege Thomas Knüwer vom Handelsblatt herausfand. Da Graff offenkundig Anfänger in Sachen Internetrecherche ist, hat sich Knüwer nachträglich die Mühe gemacht, der Sache auf den Grund zu gehen und in einem ausführlichen Blogeintrag ein paar Fakten über Volkmer zusammenzutragen. Unter anderem schreibt er:

Allein schon das Eingeben von Internetvictims bei Google hätte Herrn Graff zu denken geben können. Denn nach der Seite selbst folgen als Suchtreffer Erklärungen von Menschen, die sich tatsächlich verleumdet fühlen, allerdings von den Internetvictims-Machern, oder ihre Zweifel an diesem Dienst haben.

Wenn das Web zu was taugt, dann auf jeden Fall zur gelegentlichen Qualitätskontrolle jener etablierten Medien, die sich bisher über allem erhaben wähnten. Es tun sich Abgründe auf …

Die Don Quijotes und die Web-Erfolge der Anderen

Während die großen deutschen Tageszeitungen ganz offen gegen Windmühlen das Web anschreiben und dabei offensichtlich sogar die eigenen Internetableger zu schädigen bereit sind (s.u.), scheint sich der Epochenwechsel vom Print‑ ins Webzeitalter für die offensiv und zukunftsorientiert agierenden Medienhäuser bereits richtig zu lohnen. So hat mir dieser Tage ein Kollege aus dem IT-Zeitungsumfeld erzählt, dass seine Online-Publikation in diesem Jahr bereits 40 Prozent des Bereichsumsatzes erwirtschafte und damit auf der gleichen Höhe mit den (Werbe‑)Einnahme des gedruckten Magazins liege.

Das kam auch für mich überraschend schnell – alle Medienschaffenden sollten sich mit diesen Tatsachen auseinandersetzen.  Über die Internet-Bremser in den traditionellen Leitmedien muss man sich angesichts solcher Zahlen wohl nicht mehr ernsthaft aufregen.

Die Doppelmoral unserer internetfeindlichen Leitmedien

Gerade lief im Radio ein Spot der Süddeutschen, in dem sie sich – mit Hinweis auf die Siemens-Korruptionsenthüllungen – in großen Tönen als die Hüterin der demokratischen Kultur in Deutschland feiert. Wer sich auf diese Weise zum Kampagnenjournalismus um der Guten Sache Willen bekennt und als nationale moralische Instanz verstanden werden möchte, von dem sollte man dann eigentlich auch erwarten können, dass er diese Maßstäbe konsequent auch auf sich anwendet. Mit eben dieser Konsequenz aber ist es bei SZ und Co. offenbar nicht so weit her, wenn man noch einmal die Geschehnisse der letzten Tage rund um die Anti-Internet-Polemiken in der SZ und der FAZ Revue passieren lässt.

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Content ist ein Unwort!

vdz_content Am letzten Mittwoch, auf der OMD in Düsseldorf, stachen mir die neuen Kampagnenplakate des Verlegerverbands VDZ ins Auge: "Content Counts" stand da in großen Lettern, und der Verband verfolgt damit die sehr lobenswerte Absicht, Imagewerbung für hochwertige redaktionelle Inhalte zu betreiben. Auf das Wort "Content" hätte man dabei aber besser verzichten sollen, denn damit spannt man einen Begriff vor den Werbekarren, der seit dem Dotcom-Hype leider nicht mehr die wertneutrale englische Entsprechung von "Inhalt" darstellt, sondern in vielen Fällen "Trash" bedeutet.

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Wie man Print-Perlen im Online-Nirvana verjubelt

Und dann versteckt die Süddeutsche auch noch regelmäßig ihre Perlen in ihrem undurchschaubaren Online-Dickicht: Gustav Seibt hat in der Montagausgabe in seinem „Nachruf auf die Privatsphäre“ (wie üblich) einige scharfsinnige Überlegungen zum allgemeinen Niedergang der Privatsphäre im Computerzeitalter angestellt (und dabei m.E. auch Denkanstöße wider einen vorschnellen Stasi-2.0-Aktivismus geliefert).

In den vergangenen Tagen habe ich mehrmals erfolglos versucht, diesen Beitrag in der Online-Ausgabe zu finden. Nun taucht der Artikel unter jetzt.de – jenem verkrampften Online-Reanimationsversuch der früheren Jugendmagazin-Beilage – doch noch auf. Was er da zu suchen hat, und warum er nicht – wenn es denn schon kein Online-Feuilleton gibt – in der „Kultur“-Rubrik zu finden ist, und warum man auf SZ-Online weder unter dem Begriff „Privatsphäre“ zum Ziel kommt noch überhaupt jemals was mit der SZ-Suchmaschine findet – ich will es eigentlich nicht mehr wissen. Dieser Verlag, der zum Verkauf ansteht, von der Printkrise wie alle gebeutelt ist und Online trotzdem seit Jahren nur Halbherziges zustandebringt, steckt offenbar in einer sehr, sehr tiefen Sinnkrise.

PR‑ oder Redaktions-GAU

Peinlich, peinlich: Die PR-Berater des Finanzinvestors Rubenstein (Carlyle-Group) versprechen gleich sechs großen Zeitungen (FAZ, SZ, Welt, FDT, Handelsblatt und Börsenzeitung) ein „EXKLUSIVES“ Interview. Jede der Redaktionen lässt sich darauf ein, und zur Überraschung aller bringen die jeweils fünf Konkurrenzblätter am Mittwoch auf ihren Titelseiten die selbe Geschichte.

Was schlimmeres kann einem eigentlich als Redakteur nicht passieren, und darum wird Rubenstein/Carlyle in nächster Zeit wohl mit wenig wohlwollender Berichterstattung rechnen müssen. Entweder waren hier extreme PR-Dilettanten am Werk, oder aber, der Coup wird fürstlich honoriert und man geht auch noch davon aus, dass der amerikanische Auftraggeber nichts von beleidigten deutschen Redakteuren mitbekommt.

via Handelsblatt-Blogger Knüwer und Ziesemer

Wieder die SZ: Trash-News wg. Kosteneinsparungen

Andere Eltern beneiden mich darum, dass meine Kinder seit dem frühen Grundschulalter begeisterte (Zeitungs‑)Leser sind. Wenn ich allerdings den inhaltlichen Niedergang einer Zeitung wie der Süddeutschen betrachte, die gemeinhin für seriös und damit irgendwie auch jugendfrei gehalten wird, dann komme ich schon schwer ins Grübeln: „Frau zündet Penis von Ihrem Ex-Mann an“, prangt zum Beispiel heute auf der Panorama-Seite und nun soll es also gegebenenfalls meine Aufgabe sein, solche Ergüsse von Trash-Journalisten irgendwie den Kindern zu erklären?

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Schwob-Vaders Viral-Video: Ein Horror-Movie für Journalisten & Verleger?

Klar, ich fand den schwäbischen Darth Vader im folgenden Clip im ersten Moment witzig, fühlte mich aber zunächst nicht unmittelbar angesprochen von der Viral-Marketing-Thematik. Beim zweiten Hinhören musste ich jedoch stellvertretend für meine – im weitesten Sinne – Branchenkollegen dann doch schlucken.
Zitat: „Was sollen wir denn anderes machen als Print oder TV(-Werbung)?“
„Von Print‑ oder TV-Kampagne kann nicht die Rede sein – wir leben ja nicht im Mittelalter. … Unser gesamter Werbeetat geht ab sofort ins virale Marketing.“

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Manche nennen es Wirtschaftsimperialismus

SO EIN ZUFALL! Vorgestern habe ich noch kryptisch über die ungehinderte Betätigung von US-Strafverfolgern in Deutschland geschrieben (und es gab Gründe für diese verklausulierte Darstellung). Und heute befasst sich der Oberinvestigator der Süddeutschen, Hans Leyendecker, mit diesem Thema im  Aufmacher der Wochenendbeilage. Titel: „Was Manager fürchten sollten„. Dabei erwähnt er auch Details zu jenem Fall, der mir zu Ohren gekommen ist: Zwei von insgesamt vier inhaftierten Infineon-Topmanagern saßen in einem US-Gefängnis ein, ohne dass sie mit den Preisabsprachen zu tun hatten (“Bauernopfer“).

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Zeitungen definieren (noch) die Relevanz

Die SZ lästert mal wieder über die Irrelevanz der deutschen Bloggerszene (und veröffentlicht den Text gleich zweimal Online). An sich wäre das nichts neues, nur, dass dieses Mal Stefan Niggemeyer einen offenen Leserbrief an den Autor auf seinem Blog veröffentlicht. Zumindest in einer Hinsicht entpuppt sich das als interessantes Experiment: Während die SZ-Doppelveröffentlichung bisher nur 9 beziehungsweise 5 Kommentare auf sich ziehen kann, verbucht Niggemeyers Polemik bereits 101 Kommentare.

Ist die bedrohte Meinungsfreiheit im Internet den (alten) Medien wurscht?

Dass die Meinungsfreiheit nach wie vor den Status eines der höchsten Rechtsgüter in der freiheitlichen Gesellschaft genießt, liegt maßgeblich am unermüdlichen Einsatz der Medienschaffenden/Journalisten für dieses Grundrecht. Nachdem nun aber seit einiger Zeit Blogger und Forenbetreiber durch Gerichtsurteile und Abmahnungen in Bezug auf Haftung für Kommentare massiv unter Druck gesetzt wurden und Stefan Niggemeier aktuell gerade mit einem absurden Fall von Kommentarhaftung konfrontiert ist, stellt sich immer öfter die Frage, wie es um die einstige Solidarität der Journalisten in dieser Frage bestellt ist.

Timo Thalmann stellt dazu einige interessante (Verschwörungs?)-Überlegungen an, und wärmt damit auch wieder einmal die alte Rivalität zwischen den etablierten Medien und den Bloggern auf:

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Wikipedia-Sprachen: Deutsch an zweiter Stelle

Die Wikipedia gibt es mittlerweile in ca. 250 Sprachen, wobei natürlich die englische „Ur“-Wikipedia mit derzeit ca. 1,9 Millionen Artikeln den umfangreichsten Bestand aufweist. Welche Bedeutung haben aber die anderen Sprachversionen? Die deutsche Variante, die nur vier Monate nach dem Original im Mai 2001 startete, ist mit derzeit 616.000 Artikeln konstant an zweiter Stelle, gefolgt von der französischen (534.000), der polnischen (408.000) der japanischen (396.000), der italienischen (327.000) und der niederländischen (!) (322.000).

Eine ausführliche statistische Auswertung inklusive farblich dargestellter Wachstumsraten aller Sprachen gibt es hier, eine Zusammenfassung aller Wikipedia-Statistiken hier.

Unter den deutschen Dialekten sind die alemannische (Schweiz bis Schwaben, 3125 Artikel) und die niedersächsische (plattdeutsch, 10.335 Artikel) schon lange dabei und recht groß. Die bairische Wikipedia, die sehr viel später – im Mai 2006 – eröffnet wurde und derzeit 951 Artikel zählt, wächst zur Zeit überdurchschnittlich schnell.

Aufblasen, bis die Dampfleitung platzt

Ich kann mich an die Erzählungen eines Freundes erinnern, der früher mal in New York lebte, und von gelgentlichen Dampfexplosionen und fliegenden Kanaldeckeln berichtete. Und zwar im Stil von: sowas passiert dort halt manchmal und ist für die New-Yorker kein Grund zur Aufregung.

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Nur eine kopierte Nachricht ist eine gute Nachricht

Damals, während des Web-1.0-Booms, war ich auch mal beim Aufbau eines News-orientierten Online-Auftritts dabei und wir haben natürlich alles mögliche zusammengeklaubt und die damals neue Unsitte des Abschmierens belangloser Meldungen von allen Anderen praktiziert. Irgendwie war das auch eine neue, experimentelle, radikalisierte Form von Journalismus des Nachrichtenumschlags, die sich quasi zwangsläufig aus den Möglichkeiten des Web ergab.

Mittlerweile scheint sich daraus ein journalistisches Raubrittertum entwickelt zu haben, das offenbar keiner mehr kontrollieren kann oder will, wie am Wochenende mal wieder ein Freund und Kollege bestätigte. Er zählt zu jener Kategorie von Fachjournalisten, die noch viel herum kommen und Kontakte pflegen und daher reisst er auch immer wieder exklusive, originelle Geschichten auf, über die hinterher auch andere gerne berichten.

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IT im (SZ‑)Feuilleton: Die Maus ist böse

Einige deutsche Intellektuelle haben durchaus schon in den 90er Jahren die unaufhaltsam heranwalzende Kulturrevolution der Informationstechnologie erkannt. In den Feuilletons gaben aber dennoch jene Kulturpessimisten den Ton an, die die Beherrschung polemischer Stilformen dem Aneignen von IT-Kenntnissen vorzogen. Wer sich auf den Stand der Debatten bringen wollte, las denn auch besser die amerikanischen Hurraschreier von Wired als die deutschen Miesepeter – erstere besaßen wenigstens das nötige Grundwissen.

Dass sich daran nicht viel geändert hat, konnte man gestern wieder im Feuilleton der Süddeutschen nachlesen (hier zum kostenpflichgtigen Download).

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Eltern.de und der User als dümmste anzunehmende Content-Melkkuh

Wenn man sich mit den Umwälzungen in der Medienbranche und den Ursachen der Verlagskrise befasst, lohnt sich ein Blick auf die alte Branchenordnung, die im Wesentlichen auf einer fruchtbaren und recht exklusiven Symbiose aus Verlegern und Journalisten basierte. Die Abwanderung der Konsumenten und auch Produzenten ins Internet und die damit bröckelnden Werbeeinnahmen zwingt die Verlage nun zum Handeln – und einige stellen dabei den Journalisten als Inhaltslieferanten komplett in Frage.

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Warum die Print-Online-Verschmelzung wohl nicht klappen wird

Was haben sich die Verlage in den letzten 10 Jahren nicht alles einfallen lassen, um ihre angestammten Produkte, die Zeitungen, in die Online-Welt hinüber zu retten zu übertragen. So haben wir zum Beispiel Webseiten gesehen, die den Zeitungsseiten möglichst originalgetreu nachgebaut wurden. Sowas funktioniert natürlich nicht, schon allein des Layouts wegen, das sich nicht in einen 800 × 600-Bildschirm quetschen lässt. Wir haben massenhaft „E-Paper“-Versuche gesehen, bei denen die Zeitung 1 : 1 als PDF-Download angeboten wurde. Sowas funktioniert unter anderem deshalb nicht, weil man das entweder auf A4 in einem verfälschten, einseitig bedruckten Format selber ausdrucken müsste oder am Bildschirm wieder das lästige Formatproblem hätte.

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Sabotieren die Webzwonull-Blogger den Qualitätsjournalismus?

Die Opposition zwischen den Bloggern auf der einen (guten) Seite und den traditionellen (überkommenen) Journalisten und Medien auf der anderen Seite wird ja in manchen Blog-Debatten arg aufgebauscht. Nun liefert dazu die „Gegenseite“ wieder einmal eine Steilvorlage. So erklärte kein geringerer als der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV),  Helmut Heinen, auf dem evangelischen Kirchentag in Köln:

Web 2.0-Inhalte sind kein Journalismus

Des weiteren sagte er:

„Der Begriff vom Bürgerjournalismus ist Etikettenschwindel„. Relevante Inhalte zu generieren, strukturieren, aufbereiten und die Debatten in den verschiedenen Lebensbereichen zu moderieren, das sei ein kompliziertes Handwerk, welches nur „von talentierten und gut ausgebildeten Journalisten“ erledigt werden könne.

Ich geb ihm ja in einigen Punkten Recht, aber so pauschalisierend wie er sich hier äussert erweckt er den Eindruck, sich die aktuellen Entwicklungen nicht genau angesehen zu haben oder aber aus (Verbands‑)politischen Motiven bewusst zu polarisieren. Gut, dass ich Journalist und Blogger bin…

(mehr auf CIO-Weblog)
 

Schrift-Bilder in Perfektion

Daxline von Hans Reichel

Auf Spiegel Online ein Interview mit dem erfolgreichsten deutschen Schriftdesigner Hans Reichel. Schriftbilder eines Schriftbildners, die auch mich auf Anhieb begeistern.

Seitenaufbau Ost: Winfuture.de

Wahrscheinlich muss man aus dem Osten kommen, um mit derart unbeirrbarem Enthusiasmus und Durchhaltevermögen eine solche Website nach oben zu bringen. Wie mir Sebastian Kuhbach, Gründer und Chef von Winfuture.de und sein Redakteur Roland Quandt letzte Woche erzählten, wurde dieses IT-Portal rund um Microsoft-Themen vor sieben Jahren in Halle zunächst als Programmierprojekt gestartet. Mit einem Riesenaufwand zimmerten Sebastian und zwei weiter Entwickler erst einmal ein komplett neues Content-Managementsystem, bevor der erste Artikel online gehen konnte. Jeder andere Websitebetreiber oder Verleger würde ein solches Vorhaben wohl als verrückt abkanzeln und stattdessen auf ein fertiges CMS zurückgreifen.

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Online & Journalismus – ein Widerspruch?

Mit dem beginnenden Dotcom-Boom fingen vor 10 Jahren die ersten Verlage an, Websites aufzubauen. Gleichzeitig schossen auch die Multifunktionsportale wie Pilze aus dem Boden, die allesamt dasselbe Pottpurri aus Suchmaschine, E-Commerce und News rausknallten. Content sollte plötzlich King sein, weil man ja mit irgendetwas seine Seiten füllen musste. Bloß Geld durft der König keins kosten, weil es damals noch kein funktionierendes Geschäftsmodell für Online-Journalismus gab. Und so nahm die Unsitte mit den schnellen, kurzlebigen „News“ seinen Lauf, bei denen  eigentlich nur jeder vom anderen abschmiert.

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Warum erfährt man Plattners Ethik über US-Medien?

SAP-Gründer Hasso PlattnerEphraim Schwartz hat SAP-Günder Hasso Plattner über die Wirtschaftsperspektiven im Nahen Osten gefragt und eine interessante Antwort erhalten: „Die gesamte arabische Welt wird nicht direkt von SAP bedient, sondern über einen Lizenznehmer in Marokko.“ SAP wollte dort nicht selber präsent sein, und als Begründug nennt Plattner eine früher gefällte Grundsatzentscheidung, die das schwierige Verhältnis von Deutschland, Israel und der arbischen Welt berücksichtige. Mehr wollte Plattner dazu nicht sagen.

Schwartz lobt Plattner für seine ethische Grundhaltung, die dieser offenbar  bei bestimmten geschäftliche Entscheidungen zu Grunde lege. Damit stehe er in krassem Gegensatz zu Firmen wie Yahoo, die um des schnellen Profits Willen sogar Dissidenten an die Chinesische Regierung verraten.

Infoworld, immer schön an den Leser denken – und der will offenbar Papier!

Die Einstellung der renommierten Infoworld-Printausgabe zugunsten einer reinen Online-IT-Publikation hatte sicherlich Signalwirkung in der Verlagsbranche und wurde von den Protagonisten selbst als Pionierleistung dargestellt. Möglicherweise ist der Verlag in seiner Online-Euphorie damit aber etwas über das Ziel hinausgeschossen, oder wie ist nach nur wenigen Wochen die halbe Rolle rückwärts zu erklären?

Nachdem nämlich offenbar etliche Leser wenig begeistert darüber waren, nun keine gedruckte Zeitung mehr geliefert zu bekommen, wie der Chefredakteur Steve Fox eingesteht, habe man sich jetzt dazu entschlossen, die besten Inhalte wöchentlich zu einer PDF-Edition „InfoWorld Express“ zusammenzufassen. Das klingt ja alles ganz nett, könnte man aber auch als eine recht beschönigende Fomulierung dafür verstehen, dass der Online-Schuss  eigentlich böse nach hinten losging. Mir fallen an der Sache einige Ungereimtheiten auf:

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Entern die Verlage die Blogwelt oder schaffen sie neue Vermarktungsmodelle?

Olaf Kolbrück stellt die These in den Raum, dass die etablierten Verlage im Rahmen ihrer zunehmenden Blogging‑ und Web-2.0-Aktivitäten allmählich die Herrschaft in der Blogger-Szene übernehmen und dann in 2–3 Jahren auch A-Lister wie Basicthinking und Co. rauskegeln werden. Der damit adressierte Robert Basic hält dem entgegen, dass das nicht funktionieren wird, weil die Leser zukünftig keine Content-Aggregatoren mehr benötigen und sich stattdessen selbständig in den Mikronischen ihre Informationen besorgen werden.

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Wired – und: Wann war der Höhepunkt der Print-Epoche?

Wired: Das Zentralorgan des Goldenen Zeitalters

Ich kann mich noch gut an die Stimmung im Verlag Anfang 2002 erinnern: Der massive Einbruch bei den Anzeigenverkäufen hielt nun schon fast ein Jahr an und eine Besserung war nicht in Sicht. Dennoch glaubten viele noch fest daran, dass auch diese Konjunkturdelle vergehen und das Geschäft danach auf höherem Nivau als zuvor weiterlaufen würde.

Heute, sechs Jahre nach dem Dotcom‑ und Börsenzusammenbruch, sieht es für gedruckte Publikationen schlechter aus als je zuvor: Trotz allgemeinem Aufschwung werden erste Print-Publikationen eingestellt und ins Web verlagert. Der Printmedienmarkt – soviel, glaub ich, kann man sagen – wird nie wieder das frühere Nivau erreichen, und so wäres es mal an der Zeit, mit der Geschichtsschreibung des goldenen Print-Zeitalters zu beginnen.

Der Gedanke dazu ist mir beim Blick auf mein Wired-Archiv gekommen, das von 95 bis 2000 reicht.  Als einstiges Zentralorgan der New-Economy bildet es eine interessante Quelle für Rückblicke auf den Dotcom-Boom einerseits aber auch für geschichtliche Medienbetrachtungen.

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Nicht zu voreilig, Print-Totengräber

Ich gehöre einerseits zu jenen Leuten, die bereits Mitte der 90er den baldigen Niedergang (nicht Untergang!) von Printpublikationen vorhergesagt hatten. Und ich habe mich dazu in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten (die ich demnächst hier veröffentlichen werde) bereits vor über 10 Jahren recht weit aus dem Fenster gelehnt.

Dass es jetzt einigen Verlagen nicht schnell genug damit gehen kann, das Bedrucken toter Bäume aufzugeben, macht mich allerdings auch etwas stutzig. Es gibt nämlich durchaus einige spezifische Qualitäten gedruckter Publikationen, die sich durch virtuelle Produkte nicht ersetzen lassen – etwa Haptik oder “First-Life-Präsenz“, um nur ein paar zu nennen.

Erst kürzlich hatte ich diesbezüglich ein Gespräch mit dem Geschäftsführer eines großen Internet-Dienstleisters, der mir sein vermeintlich paradoxes Marketing-Konzept erläuterte: Obwohl er einem reinen Internet-Unternehmen vorsteht, betreibt er im Marketing bewusst aufwändige und kostspielige Printkammpagnen in Form von Zeitschriftenanzeigen und vielseitigen Beilagen (Sichtwort „c’t-Ausschütteln“ ;-).

Der Erfolg schlägt sich seiner Aussage nach nicht nur in der Kundengewinnung und Kundeninformation nieder. Gleichzeitig setze er mit dieser Strategie nämlich viele Konkurrenten unter massiven Zugzwang, die bisher der Meinung waren, dass ein Internet-Unternehmen konsequenterweise auch nur über das Internet Marketing und Kommunikation betreiben müsse. Einige Mitbewerber würden mittlerweile sogar mit Printkampagnen nachziehen.

Können sich im Web journalistische Qualitätsmaßstäbe halten?

Erwartungsgemäß zieht die überraschende Einstellung der Infoworld-Printausgabe nun das Echo der Kommentatoren nach sich. Der frühere Infoworld-Redakteur und heutige Kolumnist/Blogger Ed Foster äußert ein paar interessante Gedanken zu diesem Epochenwechsel.

Of course, it’s not that there isn’t still a lot of money being spent to advertise to IT readers – it’s just that a lot of those advertising dollars are going to Google and Yahoo and others who don’t actually have anything to do with producing the content. And your local newspaper has probably found its classified ad revenue decimated by eBay or Craigslist. Other kinds of print publications – maybe all kinds of print publications – face the same conundrum.

In gewisser Weise rächt sich jetzt meines Erachtens auch die Geheimniskrämerei der Verlage bezüglich ihres klassischen Geschäftsmodells.

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Zeitung eingestampft: Infoworld gibts nur noch online

infoworld.gifIch habs von Jake erfahren – ansonsten wird man hierzulande wohl kaum Notiz davon nehmen. Trotzdem ist der Schritt des IDG-Verlags, seine renommierte US-IT-Wochenzeitschrift Infoworld einzustellen, eine kleine Revolution. Die Schwesterzeitschrift meines Ex-Arbeitgebers Computerwoche (1974 gegründet) wird nun nach 29 Jahren von seinem einstigen Online-Ableger vollständig ersetzt.

Mehr oder weniger ambitionierte Online-Strategien verfolgen ja tatsächlich schon viele Verlage, doch dass eine Website eine etablierte Printpublikation vollständig ersetzt und dabei auch einen entsprechenden Umsatz  einfährt, ist neu. Ich bin gespannt, wann wir hierzulande die ersten Nachahmer sehen werden.