Fast hätte Endemann Google gekauft …

suchmaschinen_1999 Zehn Jahre Google ist wahrlich ein guter Anlass, um mal den ein oder anderen Blick zurück in die wilden Jahre des Internet zu werfen und ein paar Erinnerungsstücke herauszukramen. Zusätzlich angespornt fühle ich mich angesichts der Legendenbildung, die gerade von einigen Medien betrieben wird. So schreibt etwa die FAZ:

Ohne Google sind Informationen wenig wert, weil sie – ganz simpel – nicht gefunden werden. Und was nicht gefunden wird, existiert nicht. … Auf die Frage, wo sich die Menschen näher über ein Thema informieren, antworten heute 51 Prozent der Deutschen „im Internet“. 1999, als es Google in Deutschland noch nicht gab, waren es 9 Prozent.

Das ist natürlich ein Unsinn, der wohl dem Drang nach einer Pointe entsprang. Denn schon ab 1995, als wir längst mit den ersten selbstgestrickten Homepages online waren, tauchten mit Yahoo, Altavista und Lycos (Links aus dem Web-Archive von 1999/2000) die ersten Suchdienste auf und machten es möglich, die im weltweiten Netz verstreuten und zunächst verlorenen Informationsinseln zu finden. Und sie machten diesen Job damals nicht schlecht. Zumindest aus der Perspektive von 1994, als das Web noch einem schwarzen Loch glich, in dem man viel spannendes vermutete, aber nichts sehen konnte und daher jede URL, die man zu fassen kriegte, verlinkte. Was kaum mehr jemand weiß: Man war damals wirklich auf Tipps und das Buschtrommelprinzip angewiesen

Das primäre Problem der damaligen Suchmaschinen war ganz klar das fehlende Geschäftsmodell. Niemand wusste, wie man die explodierende Zahl von Suchanfragen in bare Münze verwandeln konnte. Deshalb penetrierte man die User mit immer mehr Bannerwerbung und überfrachteten E-Commerce Portalen, auf denen der Suchschlitz zur eher störenden Nebensache geriet. Es sollte schließlich geklickt und gekauft werden

So gesehen war Google mit der Reduktion auf das Wesentlich erst einmal eine Befreiung von den Krebsgeschwüren des Dotcom-Booms. Und natürlich kamen dazu massive technische Weiterentwicklungen der Suche mit neuen Kriterien wie Relevanz.

Ein großer und ein aufgeblasener Deutscher

Interessante Rollen haben in den Jahren des Goldrauschs übrigens zwei Deutsche gespielt. Über den einen schreibt der FAZ-Autor recht schön:

Als Erster erkennt ein Deutscher, was hier abgeht: Andreas von Bechtolsheim, der Gründer von Sun Microsystems, kommt damals eigens mit seinem Porsche angefahren, um Page und Brin den Scheck über 100 000 Dollar zu überbringen.

Auch der Werbefuzzi Ingo Endemann aus Neuss hatte wohl so eine Ahnung vom Internet-Geschäft der Zukunft. Von Deutschland aus wollte er die Suchmaschinenwelt beglücken und 1999 gelang ihm ein selbst für damalige Verhältnisse unvorstellbarer Raketenstart an der Börse:

Beim Börsengang im März 1999 hatte der Vorstandsvorsitzende Ingo Endemann seine Aktionäre mit einem Zeichnungsgewinn von 360 Prozent beglückt. Die Internet-Aktien wurden zu umgerechnet 23 Euro ausgegeben und kletterten am ersten Börsentag auf 106 Euro. Bei 12 Millionen Aktien erreichte die damals noch profitable Werbeagentur mit 30 Mitarbeitern am ersten Börsentag einen Wert von gut 1,2 Milliarden Euro.

Wer weiß, hätte Endemann die selben Visionen gehabt wie Bechtolsheim und noch ein paar jener Risikokapitalgeber, die damals jede lachhafte Internetidee finanzierten – vielleicht wäre dann Google zu kaufen gewesen… Endemann (Bekannteste Marke Abacho.de) nervte damals übrigens die Redaktionen mit seiner penetranten PR. Cirka ein bis zweimal die Woche verschickte er eine Pressemitteilung – immer nach dem selben Muster: “Endemann eröffnet Suchmaschine für Kinder”, “Endemann gründet Suchmaschine für Senioren”, “Endemann mit größter linksrheinischer Suchmaschine” und so weiter.

Endemann war eine Suchmaschinen-Plage, die sich mit dem Dotcom-Crash zum Glück von selbst erledigt hat. Und Google hat bewiesen, dass man mit Kreativität und Substanz auf lange Sicht Erfolg haben wird.

Google polarisiert

Netter Flamewar zwischen Robert Basic und Spreeblick: Letztere beklagen sich über die Stammtischparolen gegen den Datenkraken Google, und darüber, dass sich auch Robert mit seiner Kritik an Google Chrome daran beteilige. Ein schönes Stück darüber (inklusive der Kommentare), wie sich die Rolle von Google gerade rasant verändert – vom einstigen Liebling zu einem polarisierenden Unternehmen, dem ein zunehmend scharfer Wind ins Gesicht bläst. Vor allem aus der bisher überwiegend Google-freundlichen Blog-Szene.

Will mich Google Chrome belehren? Oder warum sonst serviert er mir die alte Microsoft-Spionage-Klamotte?

googlechrome_heise

Beim Testen von Google Chrome bin ich gerade auf ein sehr sonderbares Verhalten gestoßen: Während ich in der intelligenten Adresszeile "heise.de” eingebe, erscheint in der heruntergeklappten Vorschlagsliste (Google-Suggest-Dienst) nicht etwa der Link auf die Heise-Startseite, sondern ein tief in das Telepolis-Archiv zeigender Verweis auf einen neun Jahre alten Artikel. Thema: Wie die NSA eine Hintertür in Windows einbaute. Ein Zufall ist das ja wohl nicht. Eher schon ein – in meinen Augen peinliches – Ablenkungsmanöver nach dem Motto: “Schaut her, die eigentlichen Datenspione sitzen in Redmond.” Sind das erste Anzeichen von Nervosität angesichts der lauter werdenden Kritik an Googles Datensammelwut? Zumindest wirkt es immer etwas uncool und verkrampft, wenn sich der Ertappte mit Verfehlungen anderer zu entschuldigen versucht.

Auf einem anderen Testsystem konnte ich dieses Verhalten übrigens nicht reproduzieren, aber der Vorschlag muss von Google kommen, denn dieser Beitrag war mir bisher unbekannt und kann sich daher auf keinen Fall in irgendeinem Cache befunden haben.

Die interessante Frage ist nun, ob Google diesen Vorschlag gezielt mir persönlich präsentiert, weil ich womöglich in deren System mit Tags wie “Google-Kritiker” oder “Datenschützer” belegt bin? Vielleicht hat ja noch jemand ähnliche Beobachtungen machen können.

Google weiß auch ohne Browser-Seriennummer schon sehr viel

Nachdem Google mit der Seriennummer im neuen Browser Chrome auf recht aggressive Art die totale Überwachbarkeit des Internet-Nutzers vorantreibt, habe ich mal wieder in mein Gmail-Postfach reingeschaut, um nachzusehen, was die eigentlich schon alles von mir wissen. Und dabei ist mir aufgefallen, daß dort in der Mail-Datenbank auch jede Chat-Sitzung mit Google-Talk gespeichert wird. Das sollte jeder wissen, der dieses Tool benutzt. Klar, kann man in den Optionen des Programms deaktivieren. Aber wie bei Google üblich steht die Default-Einstellung erst einmal auf “Gib uns alles, was Du hast”.

google talk

Klimaskeptiker, Verschwörungen – und dann fällt “Die Welt” noch auf den Fake-Tornado herein

Auch die Welt fällt auf den Tornado-Fake herein

Manchmal ist es schon schwer, in dieser virtuellen Welt richtig von falsch und wahr von unwahr zu unterscheiden. Haben denn diese Klimaskeptiker vielleicht recht, die – wie die Welt gerade berichtet –, behaupten, dass es sich beim “Klimawandel” um ein globales Finanzprojekt zum Abschöpfen von Steuergeldern handelt. Oder sind das einfach nur Scharlatane?

Eigentlich ein ernstes Thema. Aber wie ernst soll man es denn nehmen, wenn dem Beitrag als Argumentationshilfe ein furchteinflößendes Foto zur Seite gestellt wird, das sich hinterher als Fake erweist? Angeblich soll diese aufsehenerregende Aufnahme, mit der Welt-Online ihren Artikel ziert, jenen Wirbelsturm vom 10. Juni darstellen, bei dem in Iowa etliche Menschen ums Leben gekommen sind. Doch wie auf einigen amerikanischen Blogs und Websites zu lesen ist, handelt es sich hierbei um eine Fälschung, die einige Wochen lang unwidersprochen durch die US-Mainstreammedien geisterte. Einer Erklärung von Meteorologynews.com zufolge handelt es sich bei der Abbildung in Wirklichkeit um einen “supercell thunderstorm”:

Rather than a tornado, the image appears to be of a shelf cloud or other feature of a well-structured supercell thunderstorm.

Einige andere Kommenatoren tippen auf Photoshop.

Gute Nerven: Österreicher pariert Haiangriff

[Edit: Sehr ärgerlich: Das Onlinemagazin Ocean7 hat den hier verlinkten Clip kommentarlos vom Netz genommen. Zu sehen war ein zum Glück harmlos verlaufender Angriff eines Weißspitzenhais (Longimanus) im Roten Meer auf einen österreichischen Taucher, den dieser mit seiner Kamera abwehren konnnte.]

Als Ersatz hier zwei haarscharfe Begegnungen mit dieser „fiesen Mömmes“ (O-Ton Sven, s.u. 🙂 ):

„Biss in die Flosse“

„Knapp vorbei“
 

[Hier der alte Text und das Bild zum alten Video:]

… und die letzten Sekunden genau beobachten: unten der Hai, oben die Beine von zwei Schwimmern! (Quelle: Bericht auf Ocean7 Online, 6/2008)

Hier kommt der Hai

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