Handke und die geistige Verödung

Sigrid Löffler und Jean-Pierre Lefebvre begründen in der SZ vom 2.6. ihren Autritt aus der Heinrich-Heine-Preis-Jury. Darin finden sich einige bemerkenswerte Passagen, die das derzeitige geistige Klima in Deutschland charakterisieren:

„… Man könnte den Wirbel unter Lokalposse abbuchen – wäre da nicht der landesweit inszenierte öffentliche Empörungsschrei gegen Handke. Ein Furor automaticus, der seit zehn Jahren in das immergleich Reaktionsschema einrastet. …

Seine dissidenten Ansichten zu den Balkankriegen rechtfertigen […] keinesfalls die blindwütige Aggressivität, mit der hier ein Autor menschlich und politisch isoliert, mundtot und in seinem Werk beschädigt werden soll. …

Aber eben diese hartnäckige Abweichung eines einzelnen Schriftstellers will man nicht dulden. Die Intellektuellen, Journalisten, Politiker, die sich im vergangenen Jahrhundert so oft und so extrem geirrt (und verirrt) haben, haben sich auf korrekte und daher ungefährliche Meinungen verständigt. Handke, so muss man folgern, ist deshalb anstößig und muss exorziert werden, weil er in seiner Unabhängigkeit Ansichten äußert, die sich die Intelligenz hierzulande nicht gestatten darf und daher auch ihm nicht zugesteht.“

Botho Strauß zum Thema in der FAZ

Hirngerechte Dokumente machen Denken unmöglich

Der Wiener Philosophieprofessor Konrad Liessmann über PowerPoint, die vermeintliche Wissensgesellschaft und warum man Wissen nicht managen kann:
[…]Die Verknappung des Textes und seine Anreicherung mit Schlagworten, Symbolen, Graphiken und Tabellen, die alle auf eine schöne PowerPoint-Folie passen, avancieren zum Inbegriff eines „hirngerechten“ Dokuments .

Wie Wissen heute präsentiert wird, kann auch als Hinweis für die zunehmende Verachtung des Wissens gelesen werden. Die Unsitte, […] einfache Sätze und schwülstige Begriffe über PowerPoint zu projizieren und diese dann einfach abzulesen, stellt nicht nur ein Verachtung der Zuhörerschaft dar, sondern auch einen vollkommenen Verlust dessen, was man einstens Vortragskultur nannte.

Es gibt Präsentationsformen – und die hirngerechten Dokumente gehören dazu -, die Denken nahezu unmöglich machen. Formuliert werden dann nur mehr Überschriften und Parolen, alle Möglichkeiten, Sätzen eine logische und damit argumentierende Struktur zu verleihen, werden gekappt. Und dennoch sind die Protagonisten solcher Shows überzeugt davon, es handle sich dabei um Wissen und seine Vermittlung. […]
(via orf.at)

Kittler über Rechtschreibreformer: „verfettete Gesäße in den Ministerien”

Der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler hat in einem Telepolis-Interview wieder einmal recht erhellende, pointierte Gedanken geäussert – zum Beispiel zur Rechtschreibreform:
„Wir werden im Moment von Leuten aus dem zweiten Bildungsweg regiert und die möchten unsere Bildung aus dem ersten Bildungsweg abschaffen.“

Oder über die strengen Regeln der Programmiersprachen – im Gegensatz zu den laxen Regeln natürlicher Sprachen:
„Das ist eine neue, ganz strenge Orthografie. Insofern kann man kein Jota oder kein Tüpfelchen dran ändern, wie es Jesus von Nazareth in Bezug auf das hebräische Alphabet gesagt hat.“

Und erhellend auch seine Erklärungen zur Entstehung der deutschen Großschreibung – und den politischen Motiven der Rechtschreibreformer:
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Business Value & IT: Es bringt was

Welchen konkreten geschäftlichen Nutzen liefert eigentlich die Informationstechnologie für Unternehmen? Die Frage wird in letzter Zeit zunehmend öffentlich diskutiert – vor allem natürlich in IT-Medien.
Dass die IT enorme geschäftliche Vorteile bringen kann, hat mir vor einiger Zeit ein Steuerberater geschildert:
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Plaxo-Entschuldigung – und morgen: „Sorry, wir haben eine Milliarde Adressen verkauft…” ?

Ich kann’s nicht lassen, aber der „Gegner“ spielt mir auch in die Arme: Vor kurzem hat der Plaxo-Chef auf dem Firmen-Blog offen zugegeben, dass sein Unternehmen zum Zweck der Kundenacquise bisher Spam-Mails versendet habe – gleichzeitig bat er die Nutzergemeinde um Entschuldigung.
Vor einem Jahr hat sich das noch ganz anders angehört: Als ich in meinem Blogbeitrag auf die Spam-Aktivitäten von Plaxo hingewiesen hatte, meldete sich prompt deren „Privatlebenoffizier“ (Privacy Officer) Stacy Martin per Kommentar und bestritt vehement die Verwendung jeglicher anrüchiger Methoden wie Massen-E-Emails: „Plaxo does not send spam, maintain spam mailing lists, or support the activities of spammers.“

Scheint ja auch eine Masche zu sein, wie einige Kommentatoren meinten, dass man heute ein Geschäft erst mal jenseits von Anstand und Legalität hochzieht. Und wenn es dann halbwegs läuft, entschuldigt man sich einfach für die Sünden von gestern – fertig….

Ich sehe mich nun übrigens in meiner alten These bestärkt, wonach Plaxo mit den mittlerweile über eine Milliarde geprüften Adressen seiner Nutzer was ganz anderes im Schilde führt. Ich bin mal gespannt, ob wir noch weitere Entschuldigung hören werden – im Sinne von „Sorry, aber der Adressenpool unserer Nutzer war unser einziges Asset – wir mussten ihn verkaufen.“ oder „Sorry, Plaxo ist Pleite und über die Verwertung unserer riesigen Adressdatenbank verfügt nun der Konkursverwalter.“

Warum nicht mal wieder… Plaxo!?

Über Sinn und Nutzen von Blogs wird ja viel diskutiert – meine Aktivitäten hier habe ich allein aus Zeitmangel zurückfahren müssen. Dennoch hab ich beim Blick in meine Blog-Statistik soeben erfreut feststellen können, dass die Zugriffszahlen ansteigen 🙂 Hauptbringer der Klicks (die meisten über Google) sind meine eigentlich schon etwas angestaubten Beiträge über die Adressensammler (und -händler?… 😉 von Plaxo. Bei Google rangiere ich mit dem Begriff „Plaxo“ z.Zt. sogar auf Rang eins oder zwei :-))
Das freut einen Blogger natürlich – ich muss zugeben, dass sich da bei mir allmählich so etwas wie sportlicher Ehrgeiz einstellt. Und tatsächlich hat ein kurzer Check der Faktenlage im Fall Plaxo wieder einmal eine kleine, interessante Neuigkeit ergeben:
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Windows Live: Microsoft lässt Kätzchen aus dem Sack

Windows Live war bisher eine nette, interessante Spielerei im Umfeld der vielen Web-2.0-Aktivitäten. Dass sich Microsoft allein wegen des prominenten Markenauftritts kaum mit etwas „Nettem“ begnügen würde, war eigentlich klar. Gestern wurden die Redmonder auf einer Präsentationsveranstaltung in München konkreter: Rund um Windows Live wurde ein ganzes Bündel an neuen oder renovierten Services vorgestellt, die ganz offensichtlich gegen Google, Ebay, Skype, Yahoo und Co. gerichtet sind. Interessant war auch die Organisationsform der Veranstaltung: Es war eine Art Pressekonferenz für Blogger – in der Einladung hieß es explizit, dass nur Blogger eingeladen sind – und keine Presse 🙂
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Die Sache mit dem Speichern

„Gespeichertes Wissen [ist] immer veraltet. Kein Mensch würde mit ständigem Blick auf den Rückspiegel durchs Land fahren, aber Data Warehouse und Wissensmanagement-Experten empfehlen das.“
Quelle

Hoch spannend oder höchst spannend?

Spiegel-Online zu den veralteten Strommasten von RWE: „…Hoch- und Höchstspannungsnetz wird bereits seit mehr als 65 Jahren genutzt“

Und ich hatte bisher – wie wohl viele meiner Zeitgenossen – immer geglaubt, bei Hochspannung ist das obere Ende der Skala, sozusagen der Olym der Elektrizität erreicht. Aber offenbar haben wir uns, oberflächlich wie wir oft sind, keine Vorstellung vom Leistungspotenzial des Stroms an sich und der sich seiner annehmenden Industrie gemacht und uns dem jahrlangen Irrglauben hingegeben, dass bei – sagen wir einfach mal – 100 Millionen Schicht im Schacht ist. Jetzt aber erfahren wir durch einen ganz nebenebei eingestreuten Hinweis des Spiegel-Redakteurs, dass da nach oben hin noch ordentlich Luft ist, dass es im Höchstlei(s)tungsbereich vielleicht 500 Millionen, vielleicht aber auch einige Milliarden (oder noch mehr) sein könnten. Ob Volt, Watt, Ohm oder vielleicht sogar Newton oder Röntgen, scheint dann ja wohl eher nebensächlich zu sein – wir sollten hier mal nicht kleinlich sein.

Google oder MSN Search? Es tut sich was

Dass sich Microsoft sehr anstrengt, um gegen Google aufzuholen, hat sich rumgespochen – qualitativ schlägt sich MSN Search seit etwa einem Jahr ganz respektabel. Da Google aber nicht auf der Brennsupp’n daherg’schwommen ist, wie man in Bayern zu sagen pflegt, wird MSN viel Mühe haben, Marktanteile dazuzugewinnen. Abgesehen davon: search.msn.de ist verglichen mit google.de viel zu kompliziert, und wer msn.de eintippt, kriegt einen News-Verhau serviert – haben seinerzeit nicht Altavista, Lycos und Co. mit ähnlich Zielgruppen-ignorierenden Konzepten Google den Weg bereitet?

Weil ich dennoch aus beruflichen Gründen manchmal Google-Alternativen teste, bin ich gerade auf einen interessanten qualitativen Unterschied gestoßen:
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