Fahndungsaufruf: Wer hat diese Steinzeit-URL gesehen?

Die gute Nachricht: Entgegen anderslautender Behauptungen ist davon auszugehen, dass das Web auch mal vergisst. Die schlechte Nachricht: Im Zuge dieses Verfallsprozesses hat sich auch meine allererste Homepage in Nichts aufgelöst. Das einzige, was mir geblieben ist, ist diese URL – das gute alte Stück: http://www.fak14.uni-muenchen.de/~wm

1994 startete ich unter dieser Adresse die ersten Gehversuche im jungen WWW – zu früh für das Web-Archive, das ansonsten viele antike Webinhalte konserviert. Dessen Erinnerungen an diesen Server reichen immerhin bis 1997 zurück, unter anderem spuckt es noch die Liste aller damaligen persönlichen Homepages aus. In diesem Zusammenhang habe ich gleich noch ein weiteres Erinnerungsstück wiederentdeckt – meine erste E-Mail-Adresse: wm@nw80.cip.fak14.uni-muenchen.de. Klar, wertloser alter Plunder, der nicht mehr geht und vielleicht sogar als Elektroschrott zu deklarieren wäre. Aber sowas gibt man ja nicht mehr aus der Hand, darüber freuen sich sicherlich mal die Enkel.

Der Machtkampf um die vierte Gewalt im Staat fängt erst an

Hubert Burda hat in der FAZ schwere Geschütze aufgefahren: Google enteigne die Verlage, und die Online-Medien ruinierten die Geschäftsgrundlage der Medienindustrie. Deshalb forderte er unter anderem eine stattliche Kontrolle von Google, Zwangsabgaben  des Suchmaschinenbetreibers an die Verlage sowie staatliche Subventionen zum Erhalt der Medienindustrie . Damit hat er im Web eine hitzige Debatte entfacht. Ein interessantes Resümee dazu hat Anja Seeliger auf Perlentaucher verfasst:

In eigener Sache haben die einstigen Kontrolleure von Parlament, Verwaltung und Rechtsprechung ihren Anspruch aufgegeben, vierte Gewalt zu sein. Die vierte Gewalt ist jetzt im Netz.

Ebenfalls interessant auch ihre Zusammenfassung der bisher vorgebrachten Forderungen der Verleger, mit denen der Staat das Internet unter seine Kontrolle bringen soll. Der Forderungskatalog der Verlage umfasst inzwischen:

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‚googeln‘ ist deutsch und Googler sind Gaukler

Schon gewusst? ‚googeln‘ ist ein urdeutsches Wort! Seinen Ursprung hat es im mittelhochdeutschen Verb ‚gougeln‘, was ‚gaukeln‘  bedeutete. Sogar ein passendes Hauptwort gibt es dazu: Im Mittelalter bezeichnete man mit ‚gougelaere‘ den Gaukler. Demnach könnte man also fast sagen, dass, wer heute googelt, ein ‘Googler’ – also ein Gaukler – ist. Oder? (Gefunden im “Etymologischen Wörterbuch der dt. Sprache”, dem “Kluge”)  😉

Journalisten–Elite – das Wissen um GANZ oben

Es gibt keine Elite in Deutschland, die sich so sicher ist, Elite zu sein, wie die Absolventen der Deutschen Journalistenschule

sagte Christian Ude heute in seiner Rede zu 60 Jahren Deutsche Journalistenschule, wie Richard Gutjahr twittert (ja, Twitter sei Dank). Vor dem Hintergrund der Medien- und Journalismuskrise ist eine solche Aussage natürlich interessant, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Ude die aktuelle Debatte kennt. Denn implizit unterstreicht er damit, was hier auf dem Spiel steht: Es geht längst nicht  nur um wirtschaftliche Verwerfungen und monetäre Schäden, sondern auch um den Überlebenskampf einer “Säule der Gesellschaft”. Damit dürften sich jene Old-Media-Kritiker wieder bestätigt fühlen, die im Social-Media-Boom auch eine Revolte gegen die alten Gatekeeper-Eliten sehen.

Videoconferencing – made by Deutsche Reichspost anno 1934

Das erste Videotelefon: Der Fernsehsprechdienst der deutschen Reichspost

Videoconferencing ist gerade en vogue, und bei Recherchen zum Thema bin ich auf dieses interessante Fundstück gestoßen. Obiges Bild zeigt das möglicherweise erste kommerziell eingesetzte Videotelefon – den von der deutschen Reichspost ab dem Jahr 1934 (!) betriebenen “Fernsehsprechdienst” (auch “Fernsehsprechstelle”). Vom Postamt aus konnte man damals einen “Videochat” mit seinem Gesprächspartner zwischen einigen deutschen Städten wie München, Berlin, Nürnberg und Leipzig abhalten.

Damit wäre eine Darstellung der amerikanischen Bell Labs wiederlegt, die in ihrem Kundenmagazin von 1969 (PDF) für sich den (experimentellen) Start des ersten Videotelefonservices im Jahr 1956 reklamierten. (Ich hatte dazu vor einiger Zeit hier mal was geschrieben.)

Interessanterweise gibt es im Web kaum Dokumente über die Pionierleistung der Reichspost, das Bild oben stammt vom Fernsehmuseum in Wiesbaden. Eine schöne chronologische Auflistung der Geschichte des Bildtelefons bietet auch Stephan Hessberger.

The spirit of social media:

It’s about real people.

It’s about emotion.

It’s about empathy.

… schreibt Brian Solis u.a. in seinem Bericht auf Techcrunch über die “140 Characters Conference” in New York. Mit dem Titel “Is Twitter The CNN Of The New Media Generation?” bringt er die brandaktuelle Debatte ganz gut auf den Punkt – vor allem Hinsichtlich der aktuellen Ereignisse im Iran. Hierzulande sind wir wohl noch nicht so weit, hier will die (noch) meinungsbildende Klasse wohl erst einmal zu Ende diskutiert haben, ob Twitter nun von Grund auf schlecht oder vielleicht doch zu irgendwas nütze ist. (via Ossi Urchs)

Laptopisierung – Manager buckeln am Arbeitsplatz

tmp517DInteressanter Beitrag über krankmachende Ergonomiefehler bei Computern auf Tecchannel.de. Mittlerweile schein das ein Massenproblem zu sein, das sich durch den Laptop-Trend noch verstärkt. So hat mir kürzlich ein Bekannter, der als Manager bei einem Dax-Konzern arbeitet, erzählt: “Bei uns wurden die meisten PCs durch Laptops ersetzt. Allerdings haben wir keinen Dockingstationen bekommen – wir können also weder externe Tastatur noch separaten Monitor verwenden. So sitze ich nun ständig gebückt vor dem dem kleinen Display und hacke meine Zahlen in Excel rein…”

DPA total – das heißt auch: Schaufeln am eigenen Grab

DPA total: So machen sich Medienmarken überflüssig

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, das das nicht die Zukunft der Qualitätsmedien sein kann (via S. Niggemeier). Da lob ich mir Heribert Prantl, der gestern in seiner Rede beim Netzwerk Recherche (PDF) solche Fehlentwicklungen zwar gebrandmarkt, nicht aber in das Horn vieler seiner Kollegen gestoßen und Blogs und das Web als kulturzersetzende Elemente verteufelt hat. Stattdessen stellte er das Internet als neues, vielversprechendes Medium für einen neuen (Qualitäts-)Journalismus dar.

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