Cycosmos – selektive Blicke zurück auf den Dotcom-Größenwahn

Eine ganze Halle auf der IFA und auf der CeBIT mieten? Eine Firma, die sich sowas leistet, muss unvorstellbar groß sein, vermutlich größer als Microsoft, IBM oder Sony. Denn nicht mal die hatten (geschweige denn haben) Budgets für derart monströse Messepräsenzen. Oder man muss ein Startup-Fliegenschiss im Jahr 1999 sein und Cycosmos heißen. Damals, mitten im Dotcom-Goldrausch, als die Investorenmillionen nur so sprudelten und die Marketingverantwortlichen die nach oben offenen Skala des Größenwahns permanent neu ausloteten, wollte dieses “Cyber-Community”-Experiment neue Akzente setzen und präsentierte sich auf mehreren Messen in komplett mit Neonlichtern und PC-Terminals ausgestatteten Hallen. Ich hatte 1999 auf der IFA das Vergnügen und wanderte mit herunterhängender Kinnlade durch die Cycosmos-Installation. Geholfen hat’s übrigens nichts, denn Cycosmos ist wie die meisten Geldvernichter der damalige Zeit so um 2001 wieder von der Bildfläche verschwunden. Der damals beauftragte Messebauer Sommerlatte zehrt übrigens noch heute von soviel Gigantomanie und stellt die Bilder seines Schaffens auf seiner Referenzen-Seite aus.Cycosmos-Größenwahn IFA 1999

Im Internet nicht darstellbar? Zum Glück gibt’s die Zeitung.

[G]erade in der Zeit des Internets [müssen] Angebote da sein, die etwas tiefer graben und Zusammenhänge deutlich machen, die nicht im Internet darstellbar sind.

…sagt der auch als Mr. Recherche bekannte Hans Leyendecker von der SZ. Wäre interessant, zu erfahren, was er meint mit “im Internet nicht darstellbar”. Liest man weiter in diesem Interview bei Meedia, kommen Zweifel auf, ob Leyendecker mit Internet das selbe meint wie die meisten hier:

Ich beobachte das nicht so genau. Vieles im Internet lese ich nicht. Ich finde, dort herrscht oft so ein menschenverachtender Ton und das mag ich nicht.

Das erinnert fast schon an das legendäre Kinderinterview mit H.C. Ströbele: “Ins Internet bin ich einmal gegangen.”

Recht passend dann auch noch die Frage des Interviewer zur peinlichen Recherchepanne des SZ-Magazins, die Stefan Niggemeier kürzlich aufdeckte. Hierzu kommt von Leyendecker nur ausweichendes:

Ich habe das nicht näher verfolgt, aber bei dem Text von diesem Felix Salmon, den sie ansprechen, scheint es ja wohl so zu sein, dass die Einordnung ein wenig unglücklich war. Niggemeier hat eine Gemeinde und das ist verführerisch.

Es geht auch ohne Zeitung

Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, stimmt in der Debatte um Qualitätsjournalismus nicht in den Jammerchor vieler Kollegen ein. In einem Interview mit dem Inforadio Berlin sagt er:

Demokratie ist nicht an Papier gebunden, Demokratie ist auch nicht notwendigerweise an kommerziell erfolgreiche Medien gebunden.

Unser Auftrag ist, die Öffentlichkeit zu informieren, und nicht, die Medienbranche zu retten.

Kann Qualitätsjournalismus ohne Zeitung überleben?

Zur Zeit machen sich viele helle Köpfe öffentlich Gedanken über die Zukunft der Zeitungen und des Journalismus. Man kann viele Schlüsse daraus ziehen – einer ist sicherlich, dass es um die wirtschaftliche Lage der Zeitungen auch hierzulande nicht mehr allzu gut bestellt ist. Selbst bei der Süddeutschen sollen ja einem Bericht des aktuellen DJV-Magazins zufolge erst vor kurzem 30(!) Redakteure mit Abfindungen zum Ausstieg bewegt worden sein.

Wie es mit dem Qualitätsjournalismus weitergehen und wie er vor allem finanziert werden soll, erörtert Miriam Meckel in einem aktuellen FAZ-Beitrag. Allerdings baut auch Sie ihre Argumentation auf altbekannten Plattitüden über das inhaltsleere, geschwätzige Internet auf:

Stattdessen berichten Bürger für Bürger, indem sie ihre Lebenserfahrung und die Beobachtungen ihrer Lebenswelt im Netz veröffentlichen. … [Diese] Bürgerberichterstattung [beruht] auf nichts anderem als der permanenten Reproduktion und Neukombination von vorhandenen Informationen, wie sie im Netz längst üblich ist.

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Sun – Aufstieg und Fall eines IT-Giganten in Bildern

Sun – in den 90ern war das Mythos pur. Der Name stand für Fortschritt durch IT, und ohne deren Server wäre der Internet-Boom nicht denkbar gewesen. Ein Uni-IT-Kollege von damals und Web-Afficionado der ersten Stunde legte sich Anfang der 90er für zuhause eine gebrauchte Sun-Workstation für 20.000 Mark zu – inklusive einer damals sündteueren Telekom-Standleitung. Er betrieb damit einen Webserver mit eigener Domain und bediente erste Web-Kunden per Remote-Access. Für uns PC-Frickler war das wie die bemannte Marsmisson – der unerreichbare Technologie-Olymp zu einer Zeit, als man sich mit Modem schon als Kulturrevolutionär fühlte und der Rest der Bevölkerung E-Mail noch für eine falsch geschriebene Topfbeschichtung hielt.

Der strahlende Glanz von einst ist längst verblasst und nun wird also der Datenbankpate Larry Ellison als Abwracker einen unrühmlichen Schlusstrich ziehen. Infoworld hat noch einmal in den Archiven gekramt und lässt die Geschichte des legendären, von Andreas von Bechtolsheim (nicht McNealy!, lt. Infoworld) gegründeten Unternehmens in Bildern Revue passieren.

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Web-Werbung ist tot – wie dann Geld verdienen?

Interessanter Beitrag zum (erneuten) Scheitern von Werbung als Geschäftsmodell im Internet und die Misere der Medienhäuser und Publizierenden auf Seobook :

When copies are free, you need to sell things which can not be copied".

Wenn man von Werbung also nicht leben kann und (hochwertige) Inhalte ohnehin beliebig kopiert werden können, was gibt es dann für Alternativen, um im Web Geld zu verdienen? Interessante Antworten liefert ein Artikel auf “The Technium”:

So what can’t be copied? Technium proposes adopting some of the following qualities:

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