Ich hab erst vor kurzem erfahren, dass Jon Udell nun nicht mehr als Blogger, Infoworld-Kolumnist und freier Journalist arbeitet, sondern bereits seit Dezember bei Microsoft fest angestellt ist als ein Art Berufsblogger! Die Sache ist in mehrerlei Hinsicht bemerkenswert.

Zum einen zeigt dieser Fall, welche ungeahnten Möglichkeiten sich für Blogger/bloggende Experten mittlerweile bieten können. Während hierzulande in den einschlägigen Nabelschaublogs immer noch Grundsatzdebatten darüber geführt werden, was alles eine unmoralische Kommerzialisierung von Blogs darstellen könnte oder wie beschränkt/bescheiden die Möglichkeiten des Geldverdienens mit Blogs doch seien, machen die Amerikaner schon die nächsten und übernächsten Schritte.

Mit dem Begriffspaar „Absenderwerbung“ und „Empfängerwerbung“ unterscheidet die aktuelle „SpieĂźer Alfons“-Kolumne zwischen Werbung, die eigenlich nur der Auftraggeber wahrnimmt und solcher, die den Leser tatsächlich anspricht. Die GegenĂĽberstellung gefällt mir gut, weil sie nämlich auch auf die Bereiche PR und Kundenzeitschriften ĂĽbertagbar ist. Ich möchte nicht wissen, wie viele Pressemitteilungen täglich umgehend in Redaktions- und Outlookpapierkörbe wandern, weil selbst ein wohlwollender Journalist nach dem fĂĽnften Satz immer noch nicht verstanden hat, was ihm die aussendende Agentur/Firma eigentlich mitteilen möchte. Was ich aus Erfahrung weiĂź, ist, dass der Prozentsatz sofort gelöschter/weggeworfener Mitteilungen recht hoch ist.

Die Einstellung der renommierten Infoworld-Printausgabe zugunsten einer reinen Online-IT-Publikation hatte sicherlich Signalwirkung in der Verlagsbranche und wurde von den Protagonisten selbst als Pionierleistung dargestellt. Möglicherweise ist der Verlag in seiner Online-Euphorie damit aber etwas über das Ziel hinausgeschossen, oder wie ist nach nur wenigen Wochen die halbe Rolle rückwärts zu erklären?

Nachdem nämlich offenbar etliche Leser wenig begeistert darĂĽber waren, nun keine gedruckte Zeitung mehr geliefert zu bekommen, wie der Chefredakteur Steve Fox eingesteht, habe man sich jetzt dazu entschlossen, die besten Inhalte wöchentlich zu einer PDF-Edition „InfoWorld Express“ zusammenzufassen. Das klingt ja alles ganz nett, könnte man aber auch als eine recht beschönigende Fomulierung dafĂĽr verstehen, dass der Online-Schuss  eigentlich böse nach hinten losging. Mir fallen an der Sache einige Ungereimtheiten auf:

Robert Basic hat dieser Tage mal wieder aufgelistet, was er derzeit mit seinem Blog an (Werbe-)Einnahmen erzielt. Angesichts seines enormen Bekanntheitsgrads und der Spitzenplatzierung in Rankings wie den „Top-100-Business-Blogs“ und anderen war ich doch etwas überrascht über seinen relativ geringen Monatsumsatz – er erhält derzeit ca. 950 Euro aus drei Werbeprogrammen (Linklift, Google Adsense und TextLinkAds). Im Gegensatz dazu gibt es etwa in den Vereinigten Staaten bereits viele, die schon recht gut vom Bloggen allein leben können.

Allerdings hab ich von zwei Bekannten kürzlich recht interessante Zahlen gehört, die auch für die deutsche Bloggerszene Anlass zu Hoffnung geben.

Olaf Kolbrück stellt die These in den Raum, dass die etablierten Verlage im Rahmen ihrer zunehmenden Blogging- und Web-2.0-Aktivitäten allmählich die Herrschaft in der Blogger-Szene übernehmen und dann in 2-3 Jahren auch A-Lister wie Basicthinking und Co. rauskegeln werden. Der damit adressierte Robert Basic hält dem entgegen, dass das nicht funktionieren wird, weil die Leser zukünftig keine Content-Aggregatoren mehr benötigen und sich stattdessen selbständig in den Mikronischen ihre Informationen besorgen werden.

Scott eVest: Genaugenommen ein alter HutIndem man zum Beispiel mit solchen flachen Phrasen um sich wirft?

Der tolle Effekt ist, dass in Media 3.0 das Involvement maximal ist. In Web 1.0 hatten wir es mit einer Lean-back-Situation zu tun…. (Danke, Jake.) 

Der Trendforscher Nils MĂĽller liefert in diesem Interview auch noch ein paar andere Aussagen, die mich stutzig machen:

Gerät und Mensch werden immer stärker verschmelzen, Beispiel Wearable Computing, also Kleidungsstücke, in die Geräte zur Musikwiedergabe eingearbeitet sind.

Kommt mir irgendwie bekannt vor. Weil nämlich zum Beispiel Nicholas Negroponte solche Prognosen schon vor zwölf Jahren in Wired veröffentlicht hat. Und entsprechende Klamotten gibts tatsächlich schon seit mindestens sechs Jahren zu kaufen.