Windows LiveWie kürzlich zu hören war, hat Microsoft laut Nielsen/Netratings (PDF) weiter Marktanteile unter den US-Suchmaschinen verloren, und Steve Ballmer denkt nun schon daran, Firmen für die Nutzung der Microsoft-Suchmaschine zu belohnen. Der A-Blogger und Ex-Microsoftie Robert Scoble liefert Erklärungsversuche, weshalb die bisherige Internet-Strategie der Redmonder nicht aufgeht.

Das ist alles richtig, aber trotzdem viel zu kompliziert gedacht, denn zunächst muss Microsoft seine Hausaufgaben bei den ganz grundlegenden, einfachen Dingen machen, bevor man an die ganz großen Entwürfe rangeht. Ich habe hier schon einmal gesagt, dass der Kardinalfehler darin besteht, dass es für die Microsoft-Suchmaschine keinen einheitlichen, einfachen, idiotensicheren Namen gibt – wegen meiner Moogle ;-), das wäre immer noch besser als die aktuelle Adressierung.

Erwartungsgemäß zieht die überraschende Einstellung der Infoworld-Printausgabe nun das Echo der Kommentatoren nach sich. Der frühere Infoworld-Redakteur und heutige Kolumnist/Blogger Ed Foster äußert ein paar interessante Gedanken zu diesem Epochenwechsel.

Of course, it’s not that there isn’t still a lot of money being spent to advertise to IT readers – it’s just that a lot of those advertising dollars are going to Google and Yahoo and others who don’t actually have anything to do with producing the content. And your local newspaper has probably found its classified ad revenue decimated by eBay or Craigslist. Other kinds of print publications – maybe all kinds of print publications – face the same conundrum.

In gewisser Weise rächt sich jetzt meines Erachtens auch die Geheimniskrämerei der Verlage bezüglich ihres klassischen Geschäftsmodells.

Es gibt Steinzeittechnologien, die es – verkleidet in trendigem Outfit – wieder zu einer großen medialen Inszenierung bringen. Die an allen Ecken im Web sprießenden Podcasts beispielsweise sind so ein Fall. Schon aus technischer Sicht sind sie eine Banalität: Simple Audiodateien, die per Mausklick auf den PC heruntergeladen und angehört werden können. Sowas hatte ich schon 1994 auf meiner ersten handgestrickten Website im Angebot. Durch wirklich raffiniertes Trittbrettmarketing – man entlehnte die Vorsilbe dem hippen i“Pod“-Kult – wurde daraus im Handumdrehen Web-2.0-Radio.

Und noch was wichtiges hab ich daran auszusetzen:

Bei der Frage nach seiner besonderen berufliche Qualifikation gerät man als Journalist des öfteren in eine eigenartige Rechfertigungssituation: Schreiben könne in alfabetisierten Kulturen doch jeder und Aufsätze verfasse man schließlich schon in der Grundschule. Nicht zuletzt deshalb fühlen sich viele Zeitgenossen zum Autor oder (Leser-)Reporter berufen.

In fachjournalistischen Disziplinen wie dem IT-Journalismus kommt noch ein anderer Aspekt zum Tragen: Journalisten sind meist keine ausgebildeten Techniker und daher sind sie in der Regel auf fachkundige Informanten wie Informatiker, Analysten oder IT-Manager angewiesen. Da drängt sich – zunehmend auch in Redaktionen mit schrumpfendem Budget – die Frage auf, warum nicht gleich die Techniker selbst in die Tasten hauen und den Fachjournalismus selber in die Hand nehmen sollten?

Früher, als die Medienwelt noch in Ordung war, konnte man sich an zwei Polen orientieren: Auf der einen Seite die Publikumsverlage, die das Massenpublikum mit dem Versprechen einer unabhängigen Tages- und Fachberichterstattung an sich banden und damit eine ordentliche wirtschaftliche Grundlage auch für die Redakteure und freien Journalisten bieten konnten. Daneben entwickelten sich im Lauf der Zeit auch die Geschäfte des rivalisierenden, „Marketing-getriebenen“ Mediensektors, der bei PR-Textern beginnt und bei Produzenten von Kundenmagazinen endet. Diesem haftete dabei stets der zweifelhafte Ruf an, dass er mit Hilfe von Auftragsschreibern das Ziel verfolge, reine Industrieinteressen zu vertreten.

Unter dem Titel „PR verschmutzte Wikipedia“ hat Kollege Lars Reppesgaard bereits im August die Frage aufgeworfen, in wiefern man einer PR-Zunft noch trauen könne, die permanent ihre Grenzen überschreite. Er bezog sich dabei auf eine Meldung, wonach die amerikanische PR-Agentur MyWikiBiz.com ganz offen „professionell geschriebene“ Wikipedia-Artikel anbietet.

Dazu muss ich zunächst eines sagen: Auch die deutsche Wikipedia wird fleißig mit PR-Texten bestückt, wie ich aus einer sicheren Quelle weiß.

i/o 360 - Web-Design 1996

In Anlehnung an die Boom-Area der IT-Pioniere, das Silicon Valley, hat sich Mitte der 90er mit dem ersten Web-Boom der Begriff „Silicon Alley“ etabliert. Er bezeichnete eine Gegend in Manhattan, New York, in der sich damals unzählige Internetfirmen angesiedelt hatten. Wikipedia listet einige der bedeutendsten Silicon-Alley-Firmen der damaligen Zeit auf.
In Erinnerung ist mir noch eine der herausragenden Design-Schmieden von damals geblieben – i/o 360 fiel vor allem durch eine unglaublich coole Website und einen Generator für ASCII-Art auf.

Wenn man bedenkt, dass vor zehn Jahren viele Leute gerade mal gelernt haben, was das Internet und das WWW sind und die Mehrheit noch wenig oder keine Ahnung davon hatte, wird einem erst das Ausmaß der kulturellen und lebensweltlichen Veränderung klar, die in dieser kurzen Zeit stattgefunden haben.

Die ersten amateurhaften Gehversuche der Internet-Stars von heute sieht man ganz schön an der ersten Seite von Spiegel Online, die im Juni 1996 online gegangen ist und von den Betreibern als Antiquität zur Schau gestellt wird.