Ich habe es zwei Einträge weiter unten „geistige Verödung“ genannt und in die gleiche Kerbe sehe ich nun Eva Menasse und Michael Kumpfmüller in ihrem SZ-Feuilleton-Beitrag in der Süddeutschen (17.8.) schlagen – unter dem Titel „Wider die intellektuelle Gerontokratie – Ein Plädoyer für weniger Grass und mehr Nahost in der Debatte“. (Leider nur für Abonnenten zugänglich)

Der Medienwissenschaftler Friedrich Kittler hat in einem Telepolis-Interview wieder einmal recht erhellende, pointierte Gedanken geäussert – zum Beispiel zur Rechtschreibreform:
„Wir werden im Moment von Leuten aus dem zweiten Bildungsweg regiert und die möchten unsere Bildung aus dem ersten Bildungsweg abschaffen.“

Oder über die strengen Regeln der Programmiersprachen – im Gegensatz zu den laxen Regeln natürlicher Sprachen:
„Das ist eine neue, ganz strenge Orthografie. Insofern kann man kein Jota oder kein Tüpfelchen dran ändern, wie es Jesus von Nazareth in Bezug auf das hebräische Alphabet gesagt hat.“

Und erhellend auch seine Erklärungen zur Entstehung der deutschen Großschreibung – und den politischen Motiven der Rechtschreibreformer:

„Bildung bremst“ lautete mal ein Slogan des Komikerduos Erkan & Stefan. Das war natürlich provokant gemeint und solange es aus dem Mund der krassen Brainchecker kommt, befremdet das nicht wirklich. Anders sieht es aber aus, wenn eine Kolumnistin in der FTD diese Aussage als ernsthafte These verfolgt. Lucy Kellaway hat am Freitag in ihrer Kolumne unter dem Titel ‚Intelligenz schadet der Firma‘ dargelegt, dass hohe Begabung und eine erstklassige Hochschulbildung entgegen unserer allgemeinen Überzeugung möglicherweise im Beruf gar nichts nutzen und sogar schädlich für die Karriere sein sollen.