An der Notwendigkeit von Journalismus hat sich nichts geändert.
Geändert hat sich nur, dass er nicht mehr in einer Welt des Informationsmangels, sondern des Informationsüberflusses stattfindet. Die Aufgabe des Journalisten inmitten des Durcheinanders lässt sich ganz einfach beschreiben: das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und das Richtige vom Falschen. Das Wie hat sich geändert, nicht das Wozu.
Nicht gebraucht wird nur schlechter Journalismus. Aber das war schon immer so. Es fiel früher nur nicht so auf.
Aus Stefan Niggemeiers Beitrag im Rahmen der SZ-Serie “Wozu noch Journalismus?”
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"There are three difficulties in authorship: to write anything worth publishing, to find honest men to publish it, and to find sensible men to read it."
~ Charles Caleb Colton
An der Fundstelle, dem Divinipoint-Blog, leitet dieses Zitats einen sehr lesenswerter Beitrag ein: “Writing, Why bother” – ein paar sehr kritische (wenn nicht gar desillusionierende) Gedanken über die Zukunft professionellen Schreibens. Trifft vielleicht ganz speziell auf die amerikanische Situation zu – aber gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Hier noch ein weiterer Ausschnitt:
“Stephenie Meyer, best-selling author of the Twilight series, was only discovered because an intern didn’t understand the policies of Writers House, the agency that now represents her.”
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“Mein Kopf kommt nicht mehr mit” beschreibt Frank Schirrmacher in seinem Buch Payback sein zentrales Problem mit den digitalen Medien (hier die SZ-Kritik). Dafür wurde er von vielen als digitaler Dilettant abgekanzelt. Man muss ihm aber zugute halten, dass er diesen seinen Kopf anders als viele “abgehängte” Kollegen nicht einfach in den Sand steckt, sondern sich im Gegenteil darum bemüht, die öffentliche Auseinandersetzung mit der digitalen Kultur voranzutreiben. Dazu hat er gerade heute auf FAZ.de eine Debatte darüber eröffnet, wie die IT-Medien unser Denken verändern. Einige Wissenschaftler und Autoren steuerten dazu Artikel bei – darunter so prominente Namen wie Nicholas Carr und Kevin Kelly (Wired).
Schirrmacher lässt es sich aber auch dieses Mal nicht nehmen, deftige Seitenhiebe gegen die seiner Ansicht nach rückständige deutsche Internetdebatte auszuteilen:
“Anders als in Deutschland, wo die Debatte über das Informationszeitalter noch immer ein von Interessen geprägtes Palaver über Medien ist, zielt die Edge-Debatte in die Tiefe.”
…
“Die deutsche Internet-Debatte ist auf dem Stand der neunziger Jahre. Eine digitale Avantgarde von eigenen Gnaden, die entscheiden möchte, wer dazugehört, tut so, als wäre Kommunikation im Netz nicht kinderleicht und als genügte es in einer Zeit, da selbst „Die Grauen“ im Netz unterwegs sind, einen Blog zu besitzen, um sich als Kenner auszuweisen. Das ist verständlich, weil es Politik- und Verlagsberatung verkauft, aber als angeblich progressive Haltung ist es längst von der Wirklichkeit überholt.”
Mitschuld des Medienestablishments
Dabei übersieht man leicht, dass es gerade das von Schirrmacher und Konsorten dominierte deutsche Medienestablishment war, das seit den frühen 90ern diese Debatten kleingehalten und unterdrückt hat. Während in den USA die aufkommende IT-Revolution von einer intellektuellen Avantgarde begleitet wurde (Wired war sicherlich die zentrale, aber bei weitem nicht einzige Plattform dieses Diskurses), hatten die spärlichen Avantgarde-Pflänzchen hierzulande kaum eine Chance, außerhalb ihrer Zirkel gehört zu werden. Die führenden deutschen Medien haben sich im Gegenteil geradezu darin gefallen, bei jeder passenden Gelegenheit die digitale Revolution kleinzureden und sie als vorübergehenden Hype von pickelgesichtigen Computeridioten abzutun. Ich verweise dabei gerne (und zum wiederholten Mal) auf den 1996er SZ-Feuilletonbeitrag “Bemerkungen eines Cyberskeptikers”, der das deutsche Bedenkenträgertum par excellence zur Schau stellt.
Meine These lautet daher, dass die heutige Medienkrise auch deshalb so hart einschlägt, weil die geistige Elite in diesem Land die Auseinandersetzung mit der IT-Revolution so lange verweigert hat. Auch und gerade Schirrmacher sollte sich das mal hinter die Ohren schreiben. Schuldzuweisungen oder ein Jammern über vertane Chancen sollten sich die Kritiker dennoch verkneifen: Man kann ihm nämlich durchaus dankbar dafür sein, dass er wenigstens jetzt mit allen möglichen Beiträgen die Debatten anfeuert – vielleicht gelingt ja diesmal eine fruchtbarer deutscher Diskurs über die kulturverändernde Medienrevolution.
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das “Blogger-gegen-Journalisten-Dings” und hat dazu einige bemerkenswerte Gedanken niedergeschrieben. Sehr treffend u.a. das hier:
“Warum sollen Blogger eine Arbeit machen, die Verlage dank ihrer finanziellen und juristischen Ausrüstung viel, viel besser können? Mittlerweile versuchen es ein paar mutige Blogger, aber ein Ersatz für einen unabhängigen, von einem starken und mutigen Verlag finanzierten Journalismus, dessen Chefredakteure nicht samt Verlagsgeschäftsführer mit Lobbys und/oder Politkern schmusen, ist das nicht.
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Vielleicht wollte Johannes B. Kerner ja genau das beweisen: “Twitter ist wie die Pest” (Video), warf er in die traute Dienstagabend-Talkrunde mit ergrauten Journalistenkollegen ein und legte nach: “Es ist völlig sinn- und gehaltlos für journalistisches Arbeiten.” Am nächsten Tag brach für ihn tatsächlich die Pest aus – seine Polemik wurde so lange rauf und runtergetweetet, bis sogar Welt.de über seine Inkompetenz berichtete. Man gewinnt fast den Eindruck, als würde mit der Anzahl der Twitter-Tiraden aus der Ecke der Traditionsmedien auch die Wucht der Returns aus der Twitter-Welt anwachsen. Wie dem auch sei, dieses aktuelle Beispiel zeigt in jedem Fall, dass die Frage über Sinn und Qualität von Twitter längst obsolet geworden ist: Twitter ist da, und Dank seiner Mitglieder erweist es sich immer mehr als Medium, mit dem man Themen auf die (journalistische) Agenda bringen kann. Und genau hier liegt wohl des Pudels Kern von all der Schelte: Medien und Journalisten betrachteten Agenda-Setting in der Vergangenheit als ihr Monopol, doch nun wandert auch diese (geschäfts)kritische Funktion hinaus ins weite Web. Man darf schon gespannt sein, wie massiv Twitter am kommenden Wahlsonntag in die Agenda der Mainstreammedien reinpfuschen wird.
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Hier mal ein paar vorläufige Beobachtungen und Gedanken, wie PR-Leute und Journalisten Twitter nutzen:
- Praktisch jede PR-Agentur und Pressestelle ist inzwischen in irgendeiner Form in Twitter unterwegs. Nur wenige PR-Fachleute gehen mit dem Medium bis dato allerdings richtig kreativ um. Viele PRler beschränken sich darauf, Twitter zum Anteasern von Pressemitteilungen zu benutzen – und zwar im monologischen Verlautbarungsstil. Sofern sich aus solchen Mitteilungen Fragen ergeben, liegt es für mich als potenziellen Adressaten eigentlich nahe, diese unmittelbar per Tweet an den Absender zu richten. Ich habe das schon gelegentlich ausprobiert, allerdings selten Antworten bekommen. Damit lässt man die Dialogmöglichkeiten des Mediums links liegen – und vergibt damit wertvolle neue Kommunikationschancen mit den Zielgruppen. Einige Alpha-Twitterer aus der PR-Szene machen hingegen schon ganz gut vor, wo diese Reise hingehen kann. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass im offenen Medium Twitter viele unvorhersehbare Fallgruben lauern. Wer hier im Auftrag eines Unternehmens kommuniziert, tut gut daran, potenziellen Risiken aus dem Weg zu gehen und dieses neue Terrain nicht zu offensiv zu beschreiten (siehe #vodafail).
- Von den Journalisten habe ich mir eigentlich sehr rege Aktivitäten auf Twitter erwartet, jedoch tummeln sich hier noch erstaunlich wenige Kollegen. Ich habe den Eindruck, dass sich viele noch nicht anfreunden können mit der neuen Rolle und einer neuen Außenwahrnehmung, die ein Auftritt in Twitter mit sich bringt. Der unmittelbare Kontakt mit dem Publikum – einzeln und mit offenem Visier –, das ist nicht die gewohnte Position, von der aus der Journalist traditionell mit seiner Zielgruppe kommuniziert. Natürlich ist auch der SMS-Minimalismus nicht jedermanns Sache, doch auf der anderen Seite läuft Twitter eigentlich nebenher und böte also unzählige Chancen, um zum Beispiel die aktuellen Recherche- und Schreibaktivitäten mit Textschnipseln zu begleiten. Nicht zu unterschätzen sind außerdem die Netzwerkeffekte, die sich im Lauf der Zeit innerhalb einer Follower-“Gemeinde” ergeben. Zumindest ausprobieren sollten es die Damen und Herren Berufsschreiber, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Twittern nicht von heute auf morgen perfekt funktioniert, sondern ein kontinuierlicher Lernprozess ist. Je früher man einsteigt, desto besser. Mag ja sein, dass wir es mit einem Hype zu tun haben und die Skeptiker Recht behalten, die in ein, zwei Jahren das Ende von Twitter erwarten. Falls Twitter aber weiterlebt, wird es immer schwerer, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Von den bis dahin nicht gemachten Text- und Networking-Erfahrungen mal ganz zu schweigen.
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Unabhängiger Journalismus ist Aufklärung, und als solche verhilft er uns zu einer besseren und gerechteren Welt – so wurde uns das jahrzehntelang vermittelt. Und zwar insbesondere von jenen Medien wie dem Spiegel, der sich damals im politisch belasteten Nachkriegsdeutschland als Speerspitze der Aufklärung verstand und als solche – teilweise bis heute – wertgeschätzt wird.
Inzwischen scheint der aufklärerische Elan der letzten Jahrzehnte weitgehend verflogen und zu einer leeren Marketinghülle verkommen zu sein, wenn man die unschöne Entwicklung in den deutschen Mainstream-Medien mal näher betrachtet. So wie das Stefan Niggemeier gerade mal wieder getan hat, indem er sich die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte zur Brust nimmt.
Peinlich für den Spiegel ist, dass Niggemeier ein paar kleine analytische Handgriffe reichen, um die reißerisch aufgemachte Story “Netz ohne Gesetz” als billiges Schmierenstück zu entlarven, das sich einreiht in die lange Liste polemischer Tiraden gegen das Internet. Die Krone setzt dem Ganzen dann noch der Auftritt der Spiegel-Redakteurin Kerstin Kullmann im ZDF-Morgenmagazin auf. Statt sinnvolles von sich zu geben, sagt sie dort unter anderem seltsame Dinge wie: “mit Informationen im Paralleluniversum Internet ist es schlimmer als mit Atommüll”.
Was Niggemeier und andere mit solchen Stücken beweisen, ist, dass das Enthüllen und Aufklären inzwischen woanders stattfindet – nämlich nicht mehr in den alten Printmedien, sondern im Web. Hier lernen wir inzwischen jeden Tag aufs Neue, wie zum Beispiel die alten Medien tricksen, tarnen und täuschen. Möglich machen das die unzähligen aufmerksame Blogger und Twitterer, die permanent Hinweise und Informationen ans Licht bringen und somit als Aufklärer im eigentlichen Sinn tätig sind.
Die Aufklärung, jene im 17. Jahrhundert begründete Emanzipationsbewegung, die durch Immanuel Kant ihr theoretisches Fundament erhielt, lebt also weiter. Nur ist sie gerade dabei, ihr Trägermedium zu wechseln – sie wandert ins ‘Netz ohne Gesetz’ aus.
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Schlimm genug, dass die Nachrichtenseiten im Web alle voneinander abschreiben. Noch schlimmer allerdings, wenn sie den Leser auch noch mit minderwertigem Material abspeisen, obwohl die Konkurrenz zur gleichen Zeit bereits Inhalte in deutlich höherer Qualität anbietet. Zum Beispiel in der Sache des aktuellen Formel-1-Rekonvaleszenten Felipe Massa. Da erzählt uns doch die FAZ heute:
Die Bilder sind ein wenig verschwommen. Sie zeigen [Massa], wie er die Treppen in das Flugzeug nimmt…
Anstatt die miese Fotoqualität auch noch extra zu erwähnen hätte man besser mal auf eine andere Site wie etwa Bild.de verlinkt, wo sich der Leser gestern schon ein besseres Bild machen konnte und wo heute die zusammengeflickte Kopfverletzung des Ferrarifahrers von allen Seiten in bester Auflösung zu bestaunen ist.
Aber Verlinken, jenes Geheimrezept der Blogosphäre, hat sich offenbar immer noch nicht in alle Winkel der Netzwelt herumgesprochen. Statt dessen bauen die meisten Ableger etablierter Medien immer noch Zäune um ihre Angebote. Wo doch nicht erst seit Jeff Jarvis klar sein müsste, dass wirtschaftlich UND inhaltlich erfolgreiche Webprojekte SO nicht funktionieren können.
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The key qualities of journalism: curiosity, accuracy and a desire to root out good stories and tell the truth.
Die Zukunft des Journalismus ist multimedial, aber weiterhin wird er seine Existenzberechtigung über die klassischen Kernqualitäten beziehen, sagt Adam Westbrook in seinem aktuellen Artikel. (via mediadigital)
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Gurkburk DSL Raiders sagt: Gerade die Medien haben sich geändert, ich finde es persönlich spannend, wie cnn damit umgeht. Dort..., [1 Kommentare]
Wolfgang Sommergut sagt: Cyberskeptiker wie Hr. Nürnberger sind in die Falle ihrer Fehlprognosen getappt. Hätten sie sich..., [1 Kommentare]
腾飞 sagt: 最近wp不能实现自动更新怎么回事呀,目前是2.85的!, [2 Kommentare]
Ron sagt: Danke fuer den Tipp.Habe das selbe Problem und war auf der Suche nach einer Loesung. Ron, [2 Kommentare]
Anra sagt: ne, ich bleib bei Dolomiti. immer noch. da kommt nur http://www.schoeller.de/Home/U nserEis/Unterwegs/BunteEisk..., [17 Kommentare]