(un)zeitgemäße betrachtungen

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berichtenswertes aus mikro- & makrokosmos | das persönliche blog von wolfgang miedl

Des Nerds später Triumph – vom Computeridioten zum Retter der Gesellschaft

Die Bedeutung des heutigen FAZ.de-Artikels “Aufstieg der Nerds – Die Revolution” kann man nicht hoch genug einschätzen. Kein geringerer als Frank Schirrmacher (u.a. Herausgeber der FAZ) singt hier das hohe Lied auf die neue gesellschaftliche Leitfigur des Nerds – also des Technik- und Computerfreaks:

Was wir erleben, ist der Übertritt einer anderen Intelligenzform in den Bereich der Politik.

[Der harte Kern der Piraten] ist nerdig, doch Jens Seipenbusch, der Bundesvorsitzende und ein Intellektueller von Format, zeigt bereits den Übergang: die Verwandlung des Nerds in ein politisches Tier.

Dieser Wahrnehmungswandel ist insofern bemerkenswert, als Nerds von den Mainstream-Medien bisher nicht nur weitgenend ignoriert oder missverstanden wurden, sondern oft genug auch als Hassobjekt herhalten mussten. Eines der bis heute übelsten Machwerke der IT- und Nerd-Verachtung hat Christian Nürnberger vor 13 Jahren, am 30.8.1996, im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung abgeliefert. Unter dem Titel “Vernetzt, verletzt, verheizt: Bemerkungen eines Cyber-Skeptikers” zieht er gegen die aufkeimende Web-Kultur vom Leder – und legt schon im ersten Satz mit einer üblen Beschimpfung los:

Computeridioten haben’s schwer. Im Augenblick stehen sie zwar als Netsurfer, Trendsetter, Cybernauten, Digerati und Eroberer digitaler Welten ganz oben auf der In-Liste, aber es ist abzusehen, daß sie schon bald wieder dort landen werden, wo sie hergekommen sind: auf der Out-Liste.

Der zum Avantgardisten mutierte Techie mag ein Idiot sein, dumm ist er trotzdem nicht, denn er sieht schon, was als Nächstes kommt: Ein paar Jahre werden die Intellektuellen den Cyberspace noch als die größte Entdeckung der neueren Weltgeschichte feiern[…]. Aber irgendwann wird einer merken: Von der virtuellen Pizza wird keiner satt, und die reale, aufwendig übers Internet bestellte Pizza kommt genauso lauwarm und pappig ins Haus wie die telephonisch bestellte.

Bis heute erstaunt mich der diffamierende, menschenverachtende Sprachstil Nürnbergers, der offenbar die Billigung der Redaktion hatte. Immerhin – heute können wir triumphierend darauf zurückblicken, weil wir wissen, dass der Autor und seine technikfeindlichen Gesinnungsgenossen mit ihren Prognosen völlig daneben lagen. Der Computeridiot ist nämlich keineswegs von der Bildfläche verschwunden, sondern steht im Gegenteil heute in der gesellschaftlichen Rangordnung ganz oben, so Schirrmacher:

Der Nerd ist ein Wunder der Technik. Aber jetzt wird er zu einem Wunder unserer Gesellschaft.

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Der Spiegel ist tot – die Aufklärung ist ins ‘Netz ohne Gesetz’ ausgewandert

Immanuel Kant - Philosoph der Aufklärung Unabhängiger Journalismus ist Aufklärung, und als solche verhilft er uns zu einer besseren und gerechteren Welt – so wurde uns das jahrzehntelang vermittelt. Und zwar insbesondere von jenen Medien wie dem Spiegel, der sich  damals im politisch belasteten Nachkriegsdeutschland als Speerspitze der Aufklärung verstand und als solche – teilweise bis heute – wertgeschätzt wird.

Inzwischen scheint der aufklärerische Elan der letzten Jahrzehnte weitgehend verflogen und zu einer leeren Marketinghülle verkommen zu sein, wenn man die unschöne Entwicklung in den deutschen Mainstream-Medien mal näher betrachtet. So wie das Stefan Niggemeier gerade mal wieder getan hat, indem er sich die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte zur Brust nimmt.

Peinlich für den Spiegel ist, dass Niggemeier ein paar kleine analytische Handgriffe reichen, um die reißerisch aufgemachte Story “Netz ohne Gesetz” als billiges Schmierenstück zu entlarven, das sich einreiht in die lange Liste polemischer Tiraden gegen das Internet. Die Krone setzt dem Ganzen dann noch der Auftritt der Spiegel-Redakteurin Kerstin Kullmann im ZDF-Morgenmagazin auf. Statt sinnvolles von sich zu geben, sagt sie dort unter anderem seltsame Dinge wie: “mit Informationen im Paralleluniversum Internet ist es schlimmer als mit Atommüll”.

Was Niggemeier und andere mit solchen Stücken beweisen, ist, dass das Enthüllen und Aufklären inzwischen woanders stattfindet – nämlich nicht mehr in den alten Printmedien, sondern im Web. Hier lernen wir inzwischen jeden Tag aufs Neue, wie zum Beispiel die alten Medien tricksen, tarnen und täuschen. Möglich machen das die unzähligen aufmerksame Blogger und Twitterer, die  permanent Hinweise und Informationen ans Licht bringen und somit als Aufklärer im eigentlichen Sinn tätig sind.

Die Aufklärung, jene im 17. Jahrhundert begründete Emanzipationsbewegung, die durch Immanuel Kant ihr theoretisches Fundament erhielt, lebt also weiter. Nur ist sie gerade dabei, ihr Trägermedium zu wechseln – sie wandert ins ‘Netz ohne Gesetz’ aus.

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Webmysterien: Unschöne Narben und billige Ausreden für unschöne Fotos

Schlimm genug, dass die Nachrichtenseiten im Web alle voneinander abschreiben. Noch schlimmer allerdings, wenn sie den Leser auch noch mit minderwertigem Material abspeisen, obwohl die Konkurrenz zur gleichen Zeit bereits Inhalte in deutlich höherer Qualität anbietet. Zum Beispiel in der Sache des aktuellen Formel-1-Rekonvaleszenten Felipe Massa. Da erzählt uns doch die FAZ heute:

Die Bilder sind ein wenig verschwommen. Sie zeigen [Massa], wie er die Treppen in das Flugzeug nimmt…

Anstatt die miese Fotoqualität auch noch extra zu erwähnen hätte man besser mal auf eine andere Site wie etwa Bild.de verlinkt, wo sich der Leser gestern schon ein besseres Bild machen konnte und wo heute die zusammengeflickte Kopfverletzung des Ferrarifahrers von allen Seiten in bester Auflösung zu bestaunen ist.

Aber Verlinken, jenes Geheimrezept der Blogosphäre, hat sich offenbar immer noch nicht in alle Winkel der Netzwelt herumgesprochen. Statt dessen bauen die meisten Ableger etablierter Medien immer noch Zäune um ihre Angebote. Wo doch nicht erst seit Jeff Jarvis klar sein müsste, dass wirtschaftlich UND inhaltlich erfolgreiche Webprojekte SO nicht funktionieren können.

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1984, 1987, Google

Orwells 1984, das war in den 80er Jahren die Mahnschrift gegen den totalitären Überwachungsstaat. Den sahen viele 1987 vor der Tür stehen, als hierzulande eine großangelegte Volkszählung stattfand. Ein damaliger Bekannter wehrte sich tatsächlich auf die harte Tour – noch Jahre später hatte er immer wieder Gerichtstermine wegen seiner “Auskunftsverweigerung”. Nebenbei motivierte ihn diese Geschichte zusätzlich zu diversen Aktivitäten in gewaltbereiten autonomen Kreisen. Dabei ging es doch nur um ein paar läppische persönliche Angaben.

Google plant heute noch viel schlimmere Dinge – sie wollen eine vollständige Datenbank mit allen persönlichen Informationen über alle Nutzer – also im Idealfall wohl die gesamte Weltbevökerung. Das ist jetzt keine böswillige Unterstellung, sondern das sagt der Google-CEO Eric Schmidt ganz freimütig in der Presse (der Link wäre schon noch hilfreich gewesen, Heinrich. Aber Google hilft… ;-) ).

Einen Aufschrei hab ich bisher noch nicht gehört. Aber vielleicht hat ja Alexander Endl recht: “Es gibt kein zurück.”

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Plaxo-Nachahmer Cardscan: Wann entschuldigt sich der CEO für die üblen Spam-Mails?

Cardscan macht auf Plaxo

Gerade habe ich wieder eine üble Spam-Mail vom Visitenkarten- und Adressverwaltungsanbieter Cardscan  (der nebenbei bekannt ist für die praktischen Visitenkartenscanner) erhalten. Die freche Behauptung des Plaxo-Nachahmers lautet darin, dass ich kürzlich eine Aktualisierung meiner Adressdaten in der Cardscan-Datenbank vorgenommen hätte.

Tatsache ist, dass ich weder der Aufnahme meiner Adresse in die Cardscan-Datenbank zugestimmt, noch in irgendeiner Form zu einem früheren Zeitpunkt mit Cardscan Kontakt aufgenommen habe. Wie kommt dann Cardscan an meine Daten? Weil ein mir nicht persönlich bekannter Herr meine Adressdaten in seinen Outlook-Kontakten führt und diese wiederum komplett dem “praktischen” Aktualisierungsdienst von Cardscan zur Pflege übergeben hat.

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MS Office gabs zuerst für Mac – und Bill Gates machte Apple-Werbung

Bill Gates 84: Um die Ursprünge von Apples Macintosh und Windows ranken sich viele Legenden. Einer gängigen Meinung nach hat Microsoft in den 80ern die Windows-Benutzeroberfläche von Apple kopiert. Ob nun, wie eine gelegentlich vertretene Gegenmeinung besagt, Steve Jobs als Praktikant bei XEROX PARC die dort entwickelten grafischen Bediensysteme Star und Alto kennengelernt hatte, um diese danach als erster erfolgreich abzukupfern, sei mal dahingestellt.

Mir bisher unbekannt war jedenfalls der Umstand, dass Microsoft seine Textverarbeitung Word 1.0 auf Mac-Prototypen  entwickelte, um sie 1984 als erste Office-Anwendung gemeinsam mit dem Ur-Mac auszuliefern. 1985 folgte Excel 1.0 für Mac nach. Hier ein netter Beleg – eine Apple-Zeitungsanzeige von 1984 mit frühen MS-Büroanwendungen auf dem Mac.

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Plaxo, Cardscan und Co.: Die virale Totalüberwachung findet Nachahmer und Verbreiter

Mit Plaxo verhält es sich ähnlich wie mit der Atomenergie: Letztere hat einige verdammt charmante Vorzüge – so liefert sie uns zum Beispiel schier endlos Energie ganz ohne Treibhauseffekt -, so dass man darüber die gefährlichen Schattenseiten fast vergessen könnte. Plaxo verspricht ähnliche Wunderdinge: Nie wieder ungültige Adressen in Outlook oder anderen Verzeichnissen, nie wieder händisch die Telefonnummern von Freunden korrigieren, die gerade wieder mal umgezogen oder einen neuen Handyvertrag abgeschlossen haben. Und wo liegt der Haken? Plaxo mausert sich auf diese Weise zur weltweit größten Adressdatei, über eine Milliarde Adressen verwaltet das US-Unternehmen mittlerweile. (Ich habe darüber bereits hier, hier und hier berichtet). Und nicht Sie bestimmen darüber, ob sie mit all Ihren Kontaktdaten in der Adressdatenbank von Plaxo landen, sondern ihr Kollege oder Geschäftspartner, der Sie als Kontakt in Outlook führt und anschließend Plaxo mit der Verwaltung betraut.
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Plaxo-Entschuldigung – und morgen: “Sorry, wir haben eine Milliarde Adressen verkauft…” ?

Ich kann’s nicht lassen, aber der “Gegner” spielt mir auch in die Arme: Vor kurzem hat der Plaxo-Chef auf dem Firmen-Blog offen zugegeben, dass sein Unternehmen zum Zweck der Kundenacquise bisher Spam-Mails versendet habe – gleichzeitig bat er die Nutzergemeinde um Entschuldigung.
Vor einem Jahr hat sich das noch ganz anders angehört: Als ich in meinem Blogbeitrag auf die Spam-Aktivitäten von Plaxo hingewiesen hatte, meldete sich prompt deren “Privatlebenoffizier” (Privacy Officer) Stacy Martin per Kommentar und bestritt vehement die Verwendung jeglicher anrüchiger Methoden wie Massen-E-Emails: “Plaxo does not send spam, maintain spam mailing lists, or support the activities of spammers.”

Scheint ja auch eine Masche zu sein, wie einige Kommentatoren meinten, dass man heute ein Geschäft erst mal jenseits von Anstand und Legalität hochzieht. Und wenn es dann halbwegs läuft, entschuldigt man sich einfach für die Sünden von gestern – fertig….

Ich sehe mich nun übrigens in meiner alten These bestärkt, wonach Plaxo mit den mittlerweile über eine Milliarde geprüften Adressen seiner Nutzer was ganz anderes im Schilde führt. Ich bin mal gespannt, ob wir noch weitere Entschuldigung hören werden – im Sinne von “Sorry, aber der Adressenpool unserer Nutzer war unser einziges Asset – wir mussten ihn verkaufen.” oder “Sorry, Plaxo ist Pleite und über die Verwertung unserer riesigen Adressdatenbank verfügt nun der Konkursverwalter.”

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Warum nicht mal wieder… Plaxo!?

Über Sinn und Nutzen von Blogs wird ja viel diskutiert – meine Aktivitäten hier habe ich allein aus Zeitmangel zurückfahren müssen. Dennoch hab ich beim Blick in meine Blog-Statistik soeben erfreut feststellen können, dass die Zugriffszahlen ansteigen :-) Hauptbringer der Klicks (die meisten über Google) sind meine eigentlich schon etwas angestaubten Beiträge über die Adressensammler (und -händler?… ;-) von Plaxo. Bei Google rangiere ich mit dem Begriff “Plaxo” z.Zt. sogar auf Rang eins oder zwei :-) )
Das freut einen Blogger natürlich – ich muss zugeben, dass sich da bei mir allmählich so etwas wie sportlicher Ehrgeiz einstellt. Und tatsächlich hat ein kurzer Check der Faktenlage im Fall Plaxo wieder einmal eine kleine, interessante Neuigkeit ergeben:
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Schon wieder Plaxo: Über eine Milliarde Adressen, aber keine Hintergedanken?

Schon im März hatte ich über den umstrittenen Adressensammler- Adressverwaltungsdienst Plaxo geschrieben. Das Thema scheint viele zu interessieren, denn über Google kommen seither zahlreiche Leser auf meinen Blog, auf MSN Search habe ich es mit dem Suchwort “Plaxo” schon auf Platz vier gebracht :-)
Nun bin ich gerade wieder über einen neuen Plaxo-Köder gestoßen – ein PR-Berater hatte mir eine Pressemitteilung mit einem getarnten Link zu Plaxo geschickt. Titel: “Add me to your address book…”
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